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Römische Lektionen

Kolumne: Auf ein Wort – Bei dem Reformprozess der Kirche geht es unter anderem um die Rolle von Frauen in der Kirche, aber auch um eine Moralverkündigung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegt.

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Aus dem Lateinunterricht ist vielen der Satz "Roma locuta – causa finita" in Erinnerung geblieben. Für katholische Ohren konnte man das lange Zeit etwas salopp so übersetzen: Rom, das heißt der Vatikan, hat gesprochen – der Fall ist erledigt. In der vergangenen Woche hat es erneut eine römische Stellungnahme in die Schlagzeilen geschafft. Sie wurde vom vatikanischen Presseamt ohne Unterschrift veröffentlicht und hat den "Synodalen Weg" zum Thema.

Bei diesem deutschen Reformprozess beraten Bischöfe gemeinsam mit anderen engagierten und profilierten Christen etwa über die Frage der kirchlichen Leitung und der Gewaltenteilung, die Rolle von Frauen in der Kirche und die Zulassung zu den geistlichen Ämtern, aber auch über eine Moralverkündigung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegt. Nun also diese römische Reaktion. Traditionsverbundene Kräfte in der deutschen Kirche begrüßten das Papier als wegweisend.

Andere sehen den Vatikan und die Kirche im Ganzen damit auf dem Weg in eine Sackgasse. Roma locuta? Die Stellungnahme klingt in vielen deutschen Ohren wie ein schrilles Bremsgeräusch. Causa finita? Ich persönlich plädiere dafür, das Statement als einen Zwischenruf zu hören. Zu Recht wird aus Rom daran erinnert, dass die katholische Kirche eine universale Glaubensgemeinschaft ist. Am deutschen Wesen allein kann nicht die ganze Welt(-kirche) genesen. Vielleicht fehlt uns tatsächlich häufig im Umgang mit anderen Ortskirchen der Welt die nötige Kultursensibilität.

"Es sind nicht allein deutsche Themen, die hier zur Debatte stehen."Dr. Marc Röbel

Auf der anderen Seite können beispielsweise Homophobie und Diskriminierung von Frauen nicht dauerhaft damit entschuldigt werden, dass sie andernorts zu den kulturellen Standards gehören. Schon diese wenigen Beispiele machen deutlich: Es sind nicht allein deutsche Themen, die hier zur Debatte stehen. Es geht in der Frauenfrage oder mit Blick auf die Beurteilung unterschiedlicher sexueller Orientierungen letztlich um eine viel fundamentalere Frage, nämlich wie wir im 21. Jahrhundert unser eigenes Menschsein verstehen.

Die Kirche hat hier nach wie vor einen großen Schatz einzubringen. Ihre Botschaft von der unbedingten Würde jedes Menschen, die Bergpredigt Jesu und die Begegnung mit dem Heiligen in der Liturgie sind und bleiben eine Bereicherung für die Menschheit. Aber diese Botschaft muss immer wieder neu übersetzt werden. Und dabei können auch die deutschen Einsichten und Erfahrungen rund um den "Synodalen Weg" eine Übersetzungshilfe sein. Dazu lädt das römische Schreiben zwar ein. Dennoch wünsche ich mir vom Vatikan mehr Zurückhaltung mit solchen Stellungnahmen. Auch die Bemerkung von Papst Franziskus, die Deutschen bräuchten keine zweite evangelische Kirche, war nicht hilfreich. Roma locuta? Wie wäre es hin und wieder mit einem freiwilligen Bußschweigen?


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Akademiedirektor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.
  • Sie erreichen den Autor unter redaktion@om-medien.de

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