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Richtfunk soll Essen digital nach vorn bringen

Weiße Flecken bei der Breitbandversorgung könnten bald ebenso verschwinden wie nervende Funklöcher. Die Technik ist nicht neu, ihre Möglichkeiten wurden bisher aber noch nicht voll genutzt.

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Mit Funkwellen zum Ziel: Über  Richtfunk lassen sich Direktverbindungen zwischen mehreren Standorten herstellen. Grafik: emslandtel.net

Mit Funkwellen zum Ziel: Über Richtfunk lassen sich Direktverbindungen zwischen mehreren Standorten herstellen. Grafik: emslandtel.net

6 Richtfunkmasten sollen demnächst in der gesamten Gemeinde Essen für schnelles Internet sorgen. 3 Standorte entlang der Nordwestbahnstrecke stehen bereits fest. Die Gespräche über die anderen drei seien aber noch nicht abgeschlossen, bestätigte Andreas Schröder, Geschäftsführer der ETN.group. Er stellte das Projekt am Montag im Gemeinderat vor.

Das emsländische Unternehmen will die 66 Meter hohen Masten auf eigene Kosten aufstellen und den Bewohnern in der Gemeinde anschließend sogenannte "High Speed"-Breitband-Verbindungen anbieten. Per Funk werden die Daten direkt zu den Wohnhäusern geschickt. Am Haus muss dafür eine Antenne als Empfänger angebracht werden. Das Standardmodell ist kostenlos (inklusive Montage) und ermöglicht Leistungen von bis zu 2 Gigabit/s. Das Ende der Fahnenstange sei damit aber längst nicht erreicht, sagte Schröder, dessen Firma auch große Unternehmen wie die Papenburger Meyer-Werft sowie Freizeitparks und Campingplätze über Richtfunk versorgt.

Bäume und Starkregen können stören

Die Funkwellen  sollen auch Häuser in bisherigen Randgebieten der Gemeinde erreichen. Weil sie anders als Kupferkabel nur eine geringe Dämpfung hätten, erreichten sie extrem hohe Geschwindigkeiten, erläuterte Schröder. Hindernisse wie Mauern, einzelne Bäume oder auch ganze Wälder schränken die Empfangsqualität allerdings ein, weshalb die Masten besonders hoch sein müssen. Wo es trotzdem hakt, können auch Antennen auf Nebengebäuden den Funkstrahl zum Empfänger weiterleiten.  Da extremer Starkregen die Leistung ebenfalls herunterdrückt, erhöht der Anbieter grundsätzlich die digitale Reserve. Dem einzelnen Haushalt stünde damit zuverlässig immer die gebuchte Bandbreite zur Verfügung, sagte Schröder.

Eine Strahlenbelastung sei aber nicht zu befürchten, entwarnte der Experte. Beim Richtfunk liege sie im kaum messbaren Bereich und zum Beispiel weit unterhalb der eines Smartphones. Zwischen den Übertragungsradien gibt es gewollte Überlappungen. So würden Essener Haushalte im Westen der Gemeinde auch von Masten versorgt, die auf Löninger und Lastruper Gebiet aufgestellt werden sollen (OM Online berichtete). Das Unternehmen sucht zurzeit in den Räumen rund um Uptloh, Gut Lage sowie im benachbarten Lüsche nach den drei weiteren benötigten Standorten.

"Die Zukunft ist kabellos."Andreas Schröder, Geschäftsführer ETN.Group

Auch die Mobilfunkabdeckung könnte mit Hilfe der neuen Masten verbessert werden. Die ETN.Group unterhält zwar kein eigenes Netz, bietet ihre Türme jedoch Mobilfunkbetreibern wie der Deutschen Telekom an. Ärgerliche Ausfälle beim Telefonieren seien dann passé, hieß es. Im Umkreis von drei Kilometer rund um den Mast ist 5G und im Radius von einem Kilometer sogar die 2019 versteigerte neue 5G-Frequenz möglich.

"Die Zukunft ist kabellos", betonte Andreas Schröder. Im Rat stießen seine Ausführungen auf Wohlwollen. CDU-Fraktionsvorsitzender Gregor Middendorf bezeichnete den Richtfunk als "eine große Chance". Zugleich hält die Kommune am zuletzt schleppenden Ausbau des Glasfasernetzes fest, in den sie rund 2 Millionen Euro investiert.

Fakten

  • Richtfunk gibt es seit Jahrzehnten. Anstelle von erdverlegten Kupfer- oder Glasfaserkabeln erfolgt die Datenübertragung per Funk. 
  • Energiebündelnde Antennen fassen die Funkwellen zusammen und senden sie direkt zu einem Standort. 
  • Durch die Bündelung können lange Distanzen überbrückt werden. 
  • Die Sendeleistung bleibt stets gleich. 
  • Ein Ablenken oder Mitschneiden von Daten ist praktisch ausgeschlossen. Quelle: emslandtel.net

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