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Richard Büssing feiert sein Diamantenes Priesterjubiläum

Seit fast 46 Jahren wirkt der Geistliche in Vechta. Was ihn neben der Gemeindearbeit erfüllt, ist die humanitäre Hilfe im Ausland.

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Feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum: Pfarrer em. Richard Büssing. Foto: Scholz

Feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum: Pfarrer em. Richard Büssing. Foto: Scholz

Ein kleiner Wermutstropfen ist dabei, als Pfarrer em. Richard Büssing am Dienstag sein diamantenes Priesterjubiläum begeht. Aufgrund der Pandemie sind die Bänke in der Kirche Maria Frieden nur spärlich besetzt. Die Besucher bleiben auf Abstand, verzichten auf persönliche Glückwünsche, und auch Weihbischof Wilfried Theising hält sich bei der Ehrung etwas zurück. Dabei hätte ein feierlicher Gottesdienst mit anschließendem Empfang der gebührende Rahmen sein sollen.

Es kommt nicht häufig vor, dass ein solches Jubiläum in der Kirche gefeiert wird. Richard Büssing ist dieses Glück beschert. Am 2. Februar 1961 im Dom zu Münster durch Bischof Dr. Michael Keller zum Priester geweiht, kann er jetzt auf seine 60-jährige Tätigkeit zurückblicken. Er ist auch im Ruhestand aktiv und zeigt damit seine große Verbundenheit zur katholischen Kirchengemeinde in Vechta.

Seit fast 46 Jahren ist Büssing in der Kreisstadt tätig. Eine lange Zeit für eine Pfarrstelle. Dabei kann sich der gebürtige Cloppenburger noch gut an die Anfänge erinnern. Nach seinen ersten Stationen in Garrel, Strücklingen und Dinklage ist die Vorfreude auf die neue Gemeinde groß. "Ich hatte schon früh mit Maria Frieden geliebäugelt", verrät der heute 84-Jährige und ergänzt: "Es war eine junge aufstrebende Gemeinde."

Das Priesterjubiläum von Pfarrer em. Richard Büssing (3. von rechts) ist nur im kleinen Kreis gefeiert worden. (Hinweis der Redaktion: Das Bild entstand auf Wunsch der Veranstalter und ist vereinbar mit dem Hygienekonzept.) Foto: ScholzDas Priesterjubiläum von Pfarrer em. Richard Büssing (3. von rechts) ist nur im kleinen Kreis gefeiert worden. (Hinweis der Redaktion: Das Bild entstand auf Wunsch der Veranstalter und ist vereinbar mit dem Hygienekonzept.) Foto: Scholz

Schon wenige Tage nach der Amtseinführung im April 1975 macht sich der neue Pfarrer auf, die Menschen in der damals noch selbstständigen Pfarrgemeinde kennenzulernen. Er geht von Haus zu Haus, sucht das Gespräch mit den Bewohnern und hilft sogar beim Kartoffelschälen, um die Herzen der Menschen zu gewinnen. Bei etwa 3.500 Mitgliedern dauert es einige Jahre, bis er die persönlichen Kontakte aufbaut.

Gemeinde soll Pastor nicht nur vom Altar kennen

Für den Seelsorger ist es wichtig, selbst die Initiative zu ergreifen. "Kommen die Leute, wenn man sich nicht selbst anbietet?", fragt der Pfarrer und regt damit zum Nachdenken an. Die Antwort liefert er, indem er sich an das Evangelium hält: "Gehet hin zu den Menschen." Schließlich sollen die Gemeindemitglieder den Pastor nicht nur vom Altar kennen, sondern ihn im alltäglichen Leben erfahren.

Er habe stets einen lebendigen Austausch gepflegt, um die Menschen mitzunehmen, erläutert Büssing. Als Einzelperson könne ein Pfarrer wenig bewegen, seine Aufgabe liege vor allem darin, die Menschen zu inspirieren. Zu seiner Freude seien die Gemeindemitglieder bereit gewesen mitzumachen. Sie seien sehr engagiert in den kirchlichen Gruppen und Vereinen.

Ganz wichtig ist es für ihn, dass die Menschen sich mit der Gemeinde identifizieren. Dazu brauche es auch möglichst überschaubare Einheiten. Diese seien jedoch im Jahr 2007 mit der Bildung der Stadtpfarrei St. Mariä Himmelfahrt verloren gegangen, meint Büssing. Er ist kein Freund der Fusion der drei Pfarreien St. Georg, Maria Frieden und Oythe, denn nach seiner Auffassung bringen solche Strukturreformen mehr Nach- als Vorteile. "Das Wir-Gefühl geht kaputt", meint er.

"Ich bin stolz darauf, dass alle Gruppen und Vereine sehr selbstständig arbeiten."Pfarrer em. Richard Büssing

Mit dem Engagement der Gemeindemitglieder in Maria Frieden ist der Pfarrer dennoch sehr zufrieden. "Ich bin stolz darauf, dass alle Gruppen und Vereine sehr selbstständig arbeiten", sagt er. Die Menschen hätten gelernt, für ihren Glauben und die Gemeinde zu wirken. Dies spiegele sich in den unterschiedlichsten Aktivitäten wider, wo auch Büssing gerne selbst mit gutem Beispiel vorangegangen ist.

Aufgabe der Kirche sei es, die Menschen ernst zu nehmen, in Freud und Leid bei ihnen sein. Darin bezieht Büssing auch die Schausteller-Familien auf dem Stoppelmarkt ein: "Ich freue mich jedes Mal, wenn sie wieder anreisen." Auf der Westerheide, die in das Gebiet von Maria Frieden fällt, unterstützt der Ruheständler auch heute noch den Schausteller-Seelsorger bei Taufen, Firmungen und anderen Ereignissen.

In einem Punkt hat Büssing sogar etwas mit dem reisenden Gewerbe gemeinsam. Auch seine Arbeit findet nicht nur an einem Ort statt, sondern reicht schon früh über die Hauptaufgaben hinaus. Er engagiert sich unter anderem in der Kolpingsfamilie und in der St.-Hedwig-Stiftung, wo er ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse der älteren Generation legt.

Humanitäre Hilfe in Osteuropa

In den 1980er Jahren richtet sich der Blick nach Polen. Büssing schließt sich den Maltesern an, begleitet Transporte von Hilfsgütern. Wohl ein Dutzend Mal führt der Weg ins Nachbarland, wo er Land und Leute kennen lernt. In der Folgezeit kommen humanitäre Einsätze in Litauen hinzu. "Das war eine sehr lebendige Zeit", erinnert sich der Vechtaer.

Wie groß die Not in Teilen Osteuropas ist, erfährt der Pfarrer in den 1990er Jahren in Rumänien. Dort zeigt sich eindrucksvoll, was sich mit Hilfe aus der heimischen Gemeinde bewegen lässt. Der Pfarrer unterstützt den Bau des Kinderheims „Casa de Copii Sf. Maria“ in Barati. "Ohne die vielen Helfer wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Das war ein Gemeinschaftswerk."

Für den Pfarrer steht fest: Die Kirche muss sich um die Not der Menschen kümmern, um ihrem Anspruch nach der Liebe zu Gott und den Mitmenschen gerecht zu werden. Der missionarische Gedanke müsse mit sozialen Aspekten verbunden werden. Hier gebe es noch Potenzial, auch in Deutschland. "Es gibt viele Bereiche, wo wir als Kirche etwas tun könnten und müssten", sagt der 84-Jährige.

Der Jubilar selbst legt die Hände nicht in den Schoß. Er ist auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand vor 13 Jahren weiter aktiv, unterstützt die Kollegen aus der Kirchengemeinde bei Gottesdiensten und Krankenbesuchen. Inzwischen tauft er Kinder, deren Großeltern er schon als Baby gekannt hat. Den Schritt nach Maria Frieden hat er nie bereut: "Das ist eine gute Symbiose geworden."

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