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Rentner-Urlaub an der Nordsee

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Jeder verhält sich seinem Alter entsprechend – oder auch nicht. Ich verhalte mich wie ein Rentner.

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Sommer, Sonne, Sonnenschein, da will ich auf der Insel sein. Das selten gute Wetter löst in mir den urdeutschen Trieb aus, in die Natur zu wandern, sobald es draußen hell und trocken ist. Es ist praktisch Gesetz, das Gesicht Richtung Himmel zu halten, wenn sich die Sonne mal blicken lässt. Gebot zwei, direkt nach: „Es ist so ein schönes Wetter draußen, da müssen wir was machen.“ Durch Zufall geht es einem Freund genauso. Es ist also klar, was wir machen müssen: an die Nordsee fahren.

Wer schon einmal außerhalb der Sommermonate an der Nordsee war, wird bemerken, dass sich der deutsche Norden und gutes Wetter meist widersprechen. Aber wir denken nicht rational. Wir wollen ans Meer. Also entscheiden wir uns einfach spontan, Richtung Norden loszufahren – wir sind jung und abenteuerlustig. Egal, wo wir ankommen, ans Meer stoßen wir sowieso. 10 Minuten später ist der Urlaub geplant.

Bis ich am nächsten Tag den Satz „Du, ich hab da nochmal geguckt...“ gehört habe. Ab da war der Planung kein Ende zu setzen. Wir waren uns eigentlich in allem einig. Es geht nach Borkum – dort ist der Strand schön und es fahren nicht so viele Autos. Wir zelten, weil das billiger ist – es sind ja nur zwei Nächte. Und am wichtigsten: Wir machen einen großen Bogen um alles, was als familiär beschrieben wird – Gott bewahre, es sind Schulferien. Wir brauchen doch auch mal unsere Ruhe.

"Morgens geht es an den Strand, dort wird gelesen, bis das Bedürfnis nach Kaffee und Kuchen anklopft."Ella Wenzel

Und dann ging es ans Programm. Morgens geht es an den Strand, dort wird gelesen, bis das Bedürfnis nach Kaffee und Kuchen anklopft. Sportlich wird es beim „Die-Füße-mal-ins-Meer-halten“. Und wenn wir Action wollen, gehen wir in das Aquarium. Dort sollen die Dorsche besonders schön sein – hat man ja auch nicht alle Tage.

Spätestens, als wir einen Katamaran gebucht haben, weil wir es dann noch ins Emder Museum schaffen, fiel uns auf: Oh Gott, wir haben einen Rentner-Urlaub gebucht! Nun, bei meinem Urlaubskumpanen war das kein Schock. Mit seinen 27 Jahren befindet er sich praktisch in der Vorstufe zum Fossil. Aber ich bin erst 20. Vielleicht bin ich meiner Zeit voraus?

„Runter von meinem Rasen!“

Ich erinnere mich an erste Frühwarnsignale: Ich würde Spazierengehen als eines meiner Hobbys bezeichnen. Ich beschwere mich täglich über Rückenschmerzen. Ich verlasse keinen Aldi, bevor ich die Angebote durchgeguckt habe. Das Einzige, was mich davon abhält, über mehrere Stunden aus dem Fenster zu gucken, um Menschen zu beobachten, ist, dass ich abgelegen wohne. Mir wird klar: Es kann nicht mehr lange dauern, bevor mir die Jugend von heute unsympathisch wird. Mir liegt der Satz „Runter von meinem Rasen!“ schon förmlich auf der Zunge.

Aber was soll's. Ich werde das Meer sehen. Jetzt muss ich nur noch dran denken, mein Handtuch einzupacken. Ich habe gehört, um Ostern wird es voll. Dann sollte ich mir schon früh einen Platz reservieren.


Zur Person:

  • Ella Wenzel ist Volontärin der OM-Medien.
  • Sie erreichen die Autorin per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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