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Relative Fallzahlen sind sehr niedrig

Trotz der guten Entwicklung beim aktuell wichtigsten Häufigkeitswert warnen die Behörden vor Ort davor, die Corona-Beschränkungen schon vollständig zu lockern.

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Abstand halten: Die durch den Ausbruch des Coronavirus bedingten Beschränkungen zeigen auch vor Ort ihre Wirkung. Foto: dpa/Hartmann

Abstand halten: Die durch den Ausbruch des Coronavirus bedingten Beschränkungen zeigen auch vor Ort ihre Wirkung. Foto: dpa/Hartmann

Als sich im März in Niedersachsen immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizierten, war der Landkreis Vechta bei den absoluten Fallzahlen ein Hotspot - auch, weil viele Menschen getestet wurden. Mittlerweile werden im gesamten Oldenburger Münsterland nur noch ganz wenige aktuell Infizierte gezählt.

Dieses Bild manifestiert sich auch beim Blick auf den aktuell als besonders wichtig auserkorenen Häufigkeitswert, der die - sprachlich etwas sperrige - kumulierte Sieben-Tages-Inzidenz misst. Sie beziffert die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 pro 100.000 Einwohner je Landkreis und binnen einer Woche.

Zum Hintergrund: Bund und Länder hatten sich Mitte Mai im Zuge zahlreicher Lockerungen darauf verständigt, regional wieder striktere Einschränkungen anzuordnen, wenn innerhalb einer Woche 50 oder mehr neue Infektionen je 100.000 Einwohner gemeldet werden. Kurz darauf teilte die niedersächsische Landesregierung mit, sich mit den Kommunen auf einen noch niedrigeren Wert von 30 bis 35 Fällen geeinigt zu haben.

Selbst Maximalwerte vor Ort unter Landesschnitt

Seit dem 12. Mai veröffentlicht das Niedersächsische Gesundheitsministerium gemeinsam mit den aktuellen Covid-19-Infektionsdaten nunmehr auch jene Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Beim Blick auf die Kurve für den Landkreis Vechta fällt auf, dass selbst der Maximalwert in dieser Zeit nur bei 3,5 (zuletzt am 20. Mai), im Landkreis Cloppenburg sogar nur bei 1,7 (am 13. Mai) angesiedelt war. Stetig lagen die beiden OM-Regionen unter dem Durchschnittswert in Niedersachsen. Zudem verflachen die Kurven vor Ort zusehends. Vom 22. bis 27. Mai stand in Cloppenburg die 0,0, zuletzt stieg die Zahl wieder ganz leicht an. Seit dem 26. Mai steht die 0,0 auch in Vechta (Stand: 28. Mai / siehe Grafik). 

Diese Ergebnisse würden zeigen, dass die Hygienekonzepte für den Landkreis Cloppenburg "sehr gut umgesetzt wurden und kreisweit wirken", erklärt der Sprecher der dortigen Kreisverwaltung, Frank Beumker, auf Anfrage. Zudem würden die Bürgerinnen und Bürger die erlassenen Hygienevorschriften akzeptieren und sich auch größtenteils daran halten. Beumker: "Dass sich die Situation insgesamt etwas entspannt hat, spiegelt sich auch beim Bürgertelefon wider. Die Zahl der Anrufe dort nimmt deutlich ab."

Auch im Kreis Vechta sei die Corona-Situation "aktuell insgesamt gut unter Kontrolle", sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Sandra Guhe. Dies sei "sehr erfreulich". Dass die Infektionszahlen jetzt so niedrig sind, sei vor allem "den drastischen Einschränkungen und der konsequenten Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln in der Bevölkerung" zu verdanken, fügt sie an. 

Ähnlich gering sind die relativen Fallzahlen auch in den meisten Nachbarkreisen, etwa in Oldenburg. Wie schnell sich das jedoch ändern kann, ist in zwei weiteren Nachbarkreisen zu sehen: Im Kreis Osnabrück kam der Sieben-Tages-Wert nach zahlreichen Corona-Fällen in einem Schlachthof in Dissen der vereinbarten Obergrenze von 35 Fällen je 100.000 Einwohner sehr nahe (32,4 am 25. Mai). Im Kreis Leer kletterte er nach einem Ausbruch in einem Restaurant in Jheringsfehn binnen fünf Tagen von 1,8 auf 14,0.

Was würde bei einem ähnlichen Geschehen im Oldenburger Münsterland passieren? Bei lokalen Ausbrüchen gehe es letztendlich darum, "dass möglichst alle Fälle und deren Kontakte in einer Region identifiziert und bei Bedarf isoliert werden können", erklärt der Cloppenburger Landkreissprecher Beumker.

"Der Landkreis Vechta hält vorschnelle Lockerungen für nicht sinnvoll, da das Risiko von Neuinfektionen trotz der sinkenden Fallzahlen noch nicht gebannt ist."Landrat Herbert Winkel

Zu diesem Zwecke würde das Geschehen "genauestens analysiert" und ein weiteres Vorgehen gemäß dem Leitfaden von Covid-19-Ausbrüchen durchgeführt. Dazu gehöre etwa, Infektionsketten zu unterbrechen. Ob sich daraus weitere einschränkende Maßnahmen für die Bevölkerung ergeben, könne erst "bei Vorliegen aller Informationen und Abschätzung des Umfanges" entschieden werden.

Ähnlich fällt die Bewertung im Kreis Vechta aus. Relevant sei, ob lokal eingrenzbare Ausbrüche vorliegen, ob schwere Erkrankungsverläufe bekannt sind, für wie viele Fälle die Infektionsketten nachvollzogen werden können und ob jeweils ausreichende Kontrollmaßnahmen angewendet werden können, erklärt Gesundheitsamtsleiterin Guhe. Wichtig sei weiterhin, dass sämtliche Kontaktpersonen der Infizierten unverzüglich ermittelt und in Quarantäne versetzt werden.

Bei einem lokalisierten und klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen, zum Beispiel in einem Schlachthofbetrieb, einer Schule oder einem Pflegeheim, könne ein konsequentes Beschränkungskonzept des Landkreises nur diese einzelne betroffene Einrichtung umfassen. Anders verhalte es sich bei einem regional verteilten Ausbruch und unklaren Infektionsketten. Hier müssten wieder allgemeine Beschränkungen eingeführt werden.

Auch Kreis Cloppenburg nur für maßvolle Lockerungen

Aktuell wird derweil auf nationaler politischer Ebene hitzig über weitere Lockerungen diskutiert, die bis zur vollständigen Abschaffung aller Corona-Beschränkungen reichen.

Dazu hat der Landkreis Vechta eine klare Meinung: Vorschnelle Lockerungen seien "nicht sinnvoll, da das Risiko von Neuinfektionen trotz der sinkenden Fallzahlen noch nicht gebannt ist", sagt Landrat Herbert Winkel. Vielmehr sei ein stufenweises und an die aktuellen Entwicklungen angepasstes Vorgehen "der richtige Weg".

Ähnlich klar bezieht der Landkreis Cloppenburg Stellung: Gerade der Fall im Landkreis Leer zeige "sehr deutlich, dass auf Beschränkungen weiterhin nicht verzichtet werden kann und Lockerungen nur maßvoll möglich sind", so Behördensprecher Beumker.

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