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Reisen nach Asien lehren Cloppenburger Demut

Das Fernweh packte ihn während eines Studentenprojekts: Frederik Grüß flog während seines Studiums mehrmals für mehrere Monate nach Asien. Heute arbeitet er als Interessenvertreter in Brüssel.

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Frederik Grüß während einer Reise im Rahmen des Studentenprojekts "Model United Nations" in Genf.   Foto: Grüß

Frederik Grüß während einer Reise im Rahmen des Studentenprojekts "Model United Nations" in Genf.   Foto: Grüß

Wenn man die Welt kennenlernen will, muss man auch mal über den Tellerrand schauen und mutig sein. Das jedenfalls dachte sich der Cloppenburger Frederik Grüß, als seine Entscheidung reifte, nach Asien aufzubrechen. Während seines Politikstudiums flog Grüß zweimal für mehrere Monate dorthin. Die Reisen prägen ihn bis heute.

Das Fernweh packte Grüß während eines Studentenprojekts. Im Rahmen dessen reiste er zum Beispiel nach Rom und Genf, lernte Studenten aus dem Ausland kennen. "Ich habe gemerkt, dass mir das Spaß macht", sagt er. Nur Europa war ihm aber nicht genug. Also reiste er für ein Praktikum nach Malaysia, sechs Monate lang. Warum gerade dorthin? Weil man von dort aus gut den Rest Asiens erkunden könne, so der 28-Jährige.

Interesse an "Tigerstaaten"

Besonders die "Tigerstaaten" interessieren ihn, dazu zählen unter anderem Südkorea, Hongkong, Malaysia und die Philippinen. "Ich finde es spannend, wie diese Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und in den 80er Jahren wirtschaftlich gewachsen sind", sagt er. Das Interesse an der Wirtschaft verband Grüß mit seinem Praktikum: Er unterstützte ein Institut in Kuala Lumpur, das internationale Wirtschaftsbeziehungen erforscht. 

Zurück in Deutschland schloss er sein Bachelor-Studium in Hannover ab – und entschloss sich, ein weiteres Mal nach Asien zu reisen. Er erinnerte sich an die Aussage seines Mitbewohners aus Kuala Lumpur zurück: "Wenn du dich hier schon über den Verkehr aufregst, guck dir mal die Situation in Neu-Delhi an." Also stieg Grüß erneut in den Flieger. Die Unternehmensberatung, bei der er sich um ein Praktikum bewarb, hatte kurzfristig zugesagt. Das Visum bekam er auf den letzten Drücker.

Brücke zwischen Indien und Europa

Fünf Monate lebte Grüß in Neu-Delhi zusammen mit zwei indischen Arbeitskollegen. Er sah dort den krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich und wie sehr die Herkunft in Indien über die Zukunft der Menschen entscheidet. „Menschen, die nicht in eine reiche Familie hineingeboren wurden, haben dort wenig Chancen“, sagt Grüß. Daraus habe er gelernt, das Leben mit mehr Demut anzunehmen und nicht mehr über vermeintliche Kleinigkeiten wie eine Zugverspätung zu schimpfen.

Aber auch die Wetterextreme erlebte er. Den heißen Sommer mit Temperaturen um die 40 Grad und den Monsunregen, bei dem er knietief im Wasser auf den Straßen in Neu-Delhi stand. In der Unternehmensberatung, für die Grüß arbeitete, lernte er den Alltag indischer Firmen kennen und konnte sich als "Brücke" zwischen Indien und Europa einbringen, wie er erklärt.

Expertenwissen für EU-Politik übersetzen

Die gesammelten Erfahrungen nahm der Cloppenburger mit in sein Master-Studium "Internationale Beziehungen", das er in Groningen absolvierte. Heute arbeitet Grüß als Interessenvertreter eines niedersächsischen Industriekonzerns und pendelt regelmäßig für einige Wochen nach Brüssel. Auch dort gehört es unteren anderem zu seinen Aufgaben, eine Brückenfunktion einzunehmen und das Expertenwissen der Ingenieure für die EU-Politiker zu übersetzen.

Trotz des Fernwehs lässt die Heimat Grüß nicht los. Mehrmals im Jahr besucht der 28-Jährige Cloppenburg, trifft Familie, Freunde sowie Bekannte. In Brüssel gebe es außerdem ein regelmäßiges Treffen eigens für Vertreter aus Niedersachsen, auf denen Grünkohl serviert wird, erklärt Grüß. „Das erinnert mich daran, wo ich herkomme und wo ich verwurzelt bin.“

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