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Raus aus der Bubble – den Horizont erweitern

Kolumne: Auf ein Wort – Wir als Kirchenleute und als Verantwortliche in der Gesellschaft sollten versuchen, nach guten Wegen zu suchen und unsere Horizonte zu erweitern.

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Die Begründung des Bundespräsidenten für die Idee der sozialen Pflichtzeit für alle jungen Menschen spricht mich an: raus aus der Bubble! Wenn junge Menschen in einem neuen Umfeld andere kennenlernen und ungewohnte Erfahrungen machen, tut es ihnen selbst und uns als Gesellschaft gut.

Bis vor Kurzem habe ich bei „Bubble“ zwar nur an Kaugummi gedacht, aber das Bild von der „Blase“, in der ich mein Leben lebe, hat schon etwas. Es ist meine kleine Welt, in der die Gesichter mir vertraut sind und ich die Spielregeln kenne. Ich weiß, worauf es ankommt. Wie man zu Ansehen kommt und wie man feiert. Ich bewege mich sicher auf bekannten Wegen.

Ursprünglich waren mit "Bubbles" Filterblasen im Internet gemeint

Es braucht Mut, meine Bubble zu verlassen und neue Welten zu entdecken. Ich erinnere mich noch gut an den Abschied von meiner Familie, als ich ins Studium auszog. Da sind auch Tränen geflossen. Und es war nicht immer leicht, mich in der neuen Umgebung zu orientieren. Herauszufinden, wie alles läuft. Unter all den Fremden Menschen zu finden, die zu Freunden werden konnten. Als ich einige Jahre später für ein halbes Jahr ein Praktikum in einer afrikanischen Kirche machte, habe ich dasselbe auf eine noch weitgehendere Art erlebt.

Raus aus der Bubble. Ursprünglich waren mit „Bubbles“ Filterblasen in den digitalen Medien gemeint. Durch Manipulation von Informationsflüssen entstehen virtuelle Blasen von Gleichgesinnten. Ich bekomme nur noch die Informationen, die meine eigene Meinung bestärken. Das ist bequem, aber auch brandgefährlich, weil ich kritische Stimmen nicht mehr höre und meine Ansichten nicht mehr hinterfragen lasse. In der digitalen und in der analogen Welt braucht es Mut, unbekannte Stimmen zu hören. Die Welt mit den Augen anderer Menschen zu sehen und sich auf sie einzulassen.

"Suchen wir als Kirchenleute und als Verantwortliche in der Gesellschaft nach guten Wegen, Horizonte zu erweitern."Martina Wittkowski

Die 26-jährige Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, hat „raus aus der Bubble“ auch der Kirche auf die Fahne geschrieben: „die Komfortzone verlassen und Menschen ansprechen, die wir uns oft nicht trauen anzusprechen“, das ist ihr Plan. Im letzten Sommer machte sie eine Tour von Flensburg nach Freiburg, ohne Hotelübernachtung, nur mit der Bahn. Ihr kam es auf spontane Begegnungen mit Menschen an.

Klar fühle ich mich in der „Kirchen-Bubble“ sehr zu Hause. Und trotzdem oder gerade deshalb möchte ich mit anderen zusammen nach Wegen suchen, wie wir das, was uns an Kirche und Glauben wichtig ist, mit Menschen teilen, die damit bisher nichts anfangen können. Ich möchte auf die Sehnsüchte der Menschen hören, die Fragen, die sie bewegen, ernstnehmen. Ich glaube, wir sollten uns Jesu Wort ganz neu zu Herzen nehmen: „Geht hinaus in die Welt …!“ (Matthäus 28,19).

Raus aus der Bubble! Suchen wir als Kirchenleute und als Verantwortliche in der Gesellschaft nach guten Wegen, Horizonte zu erweitern. Trauen wir uns was!


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter: redaktion@om-medien.de.

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