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Rauhe Stille

Kolumne: Auf ein Wort – Die Zeit um den Jahreswechsel ist eine besondere. Sie ist eine Zeit der Stille, des Innehaltens – und sie ist auch mit Legenden behaftet.

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"Rauhnacht" haben sie ihren 5. Krimi überschrieben: Volker Klüpfel und Michael Kobr, die Erfinder des millionenfach verkauften genialen Allgäuer Kluftinger-Krimis. Er spielt in dieser Zeit des Jahresendes. Handelt von jenen geheimnisvollen 'rauhen‘ Nächten rund um den Jahreswechsel, über die eine Bekannte in einer Kirchenzeitung gerade eine Doppelseite veröffentlicht hat.

In Visbek gibt es am 6. Januar eine Veranstaltung zu dieser geheimnisvollen Zeit. Legenden, wonach man zwischen Weihnachten und Neujahr nicht waschen und über den Jahreswechsel keine Handtücher und Socken auf der Leine lassen soll, gab es schon in meiner Kindheit. Und heute noch immer. Dämonen und Geister sollen jetzt ihr Unwesen treiben, begründet das Internet. Belege für schlimme Folgen, wenn man am 28. trotzdem auf den orangefarbenen Startknopf der Waschmaschine drückt, gibt es meines Wissens keine.

Wäsche hin, Wäsche her: Faszinierend und traumhaft ist diese Zeit "zwischen den Jahren" allemal. Große Firmen blockieren den Mailverkehr ihrer Mitarbeitenden. Sie sollen zur Ruhe kommen. Jetzt nach Weihnachten, wo von Eltern die Anspannung des großen Festes abfällt. Wo die Bratenreste im Kühlschrank das neue Kochen ersparen. Wo auch das Null-Grad-Fach noch Gemüse birgt, also nicht eingekauft werden muss. Tage, in denen Kinder ihre Lego-Häuser zusammenbauen und mit dem neuen Playmobil-Auto spielen.

"Es ist wie dieser Moment zwischen Ausatmen und Einatmen. Alles kann, nichts muss.“Dietmar Kattinger

Der Zeiger scheint sich langsamer zu drehen. Fast ein wenig still zu stehen für alle die, die den Segen haben, nicht arbeiten zu müssen. Es ist wie dieser Moment zwischen Ausatmen und Einatmen. Alles kann, nichts muss. Und es ist gut, dass der Mensch hier Pause macht. Dinge auf sich zukommen lässt. Das Ruder des Machens aus der Hand gibt. Aus dem Hamsterrad aussteigt. Möglicherweise in Ruhe auf die letzten 12 Monate zurückschaut.

Wohltuende Sätze der Bibel unterstützen die Stille: Als wäre es in unsere Facebook-Zeit geschrieben, formuliert das Buch Jesus Sirach: "Dräng die Worte zusammen, fasse Dich kurz, so wie einer, der etwas zu sagen hat, aber auch schweigen kann (Sir 32,8)." Oder der Schriftgelehrte Esra mitten in einem Fest: "Seid still. Dieser Tag ist heilig! (Neh 8,11)." Und der Psalmist: "Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir." (131,2). Möge die Zeit der Rauhnächte für alle gewinnbringend sein – vielleicht durch Stille.


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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