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Rauchbelästigung

Kolumne: Deutschland tut zu wenig, um den Tabakkonsum unattraktiver zu gestalten. Neuseeland geht das Problem ab dem kommenden Jahr deutlich schärfer an.

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Es gibt selbstverständlich viel, was man an einem Weihnachtsmarktbesuch doof finden kann. Mich verärgerte zuletzt folgendes Szenario: Ich kaufe gemeinsam mit meiner besten Freundin leckere Backwaren und Heißgetränke. An einem der Buden-Stehtische wollen wir diese verzehren. Nachdem ich den ersten Bissen zu mir genommen habe, verziehe ich angewidert mein Gesicht. Meine Freundin sieht mich verwirrt an. „Stimmt was nicht?“ Ich blicke mich um, deute auf die Frau neben ihr. Sie raucht.

Ich tänzele um den Stehtisch herum, um dem Rauch zu entkommen, doch Murphys Gesetz sieht vor, dass es kein Entrinnen gibt. Meine Freundin zuckt mit den Schultern. „Wir sind im Freien.“ Ich verdrehe die Augen. Mir ist klar, dass ich da auf einem verlorenen Posten stehe. Aber wieso zünde ich mir eine Zigarette an, während andere Menschen um mich herum sehr offensichtlich essen und trinken? Ich verstehe das im Sommer auch in der Außengastronomie nicht. Wir ergreifen mir zuliebe die Flucht.

Zugegeben, beim Thema Rauchen bin ich ziemlich unversöhnlich und man mag das unsympathisch finden, aber das ist mir egal. Logisch, eine schon entwickelte Sucht ist schwer loszuwerden - aber nicht unmöglich. „Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland“ lautet der erste Satz zum Thema Rauchen auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.  Am besten fängt man also gar nicht erst mit dem Rauchen an. 

"Es ist unbestreitbar, dass Neuseeland das Rauchproblem deutlich ernster nimmt als beispielsweise Deutschland."Carina Meyer, Reporterin

An diesem Ansatz versucht man sich ab dem kommenden Jahr in Neuseeland. Menschen, die nach 2008 geboren wurden – also heute 14-Jährige – können auf der Insel dann nicht mehr legal Zigaretten erwerben. So sieht es das neue Gesetz „Smokefree 2025“ vor, das das hehre Ziel hat, bis zum Jahr 2025 Neuseeland zu einem rauchfreien Land zu machen. Neben des Rauchverbots für Jugendliche zwingt das Gesetz die Zigarettenkonzerne, den Nikotingehalt in Zigaretten drastisch zu senken.

Zu diesen Maßnahmen mag man stehen, wie man will. Aber es ist unbestreitbar, dass Neuseeland das Rauchproblem deutlich ernster nimmt als beispielsweise Deutschland. In der Anfang Dezember vorgestellten Tabakkontrollskala 2021 – diese bewertet Maßnahmen gegen Tabakkonsum von 37 europäischen Ländern – belegt Deutschland Platz 34. Aber hey, 2019 lagen wir sogar noch auf dem letzten Platz. Voll verbessert dank des Außenwerbeverbots für Tabakwaren seit Anfang des Jahres. Aber jetzt mal ernsthaft: Das ist bizarr.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Schätzungen aus dem Jahr 2005 gehen von mehr als 3300 passivrauchbedingten Todesfällen pro Jahr aus – das sind rund 100 Tote pro Tag. Tote, die nicht mal selbst geraucht haben. Und wir sind damit alle fein? Anscheinend, wenn wir seit Jahren laut Tabakkontrollskala dabei versagen, dagegen etwas zu tun.

Neuseelands Ansatz, Jugendlichen überhaupt den Einstieg zu vermiesen, ist durchaus sinnvoll: Gar nicht erst anzufangen, ist schließlich leichter, als die Sucht wieder loszuwerden. Raucht ein 16-Jähriger erst einmal, raucht er mit 91-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Alter von 23 Jahren immer noch, so das Ergebnis einer RKI-Studie. Das gilt es zu verhindern.

In zwei Wochen beginnt das neue Jahr. Einige Raucherinnen und Raucher werden sich vornehmen, ihr Laster loszuwerden. Eine wirklich hervorragende Idee. Diesen Menschen wünsche ich alles erdenklich Gute und viel Erfolg für diesen Vorsatz. Bis dahin wünsche ich Ihnen schöne Feiertage.


Zur Person: 

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