Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Rassegeflügelzucht-Verein Lohne bangt im Jubiläumsjahr um Mitglieder

Seit 125 Jahren gibt es in Lohne den Rassegeflügelzucht-Verein. Doch die Zukunft des Vereins ist ungewiss. Denn es fehlt an Nachwuchs. Manfred Idasiak erklärt, warum er das Hobby dennoch liebt.

Artikel teilen:
Sein großes Hobby: Manfred Idasiak in einer seiner Volieren im heimischen Garten. Foto: Heinzel

Sein großes Hobby: Manfred Idasiak in einer seiner Volieren im heimischen Garten. Foto: Heinzel

Schwarze Zwerg-Australorps-Hühner und Japanische Legewachteln züchtet Manfred Idasiak. Der gebürtige Lohner ist seit 2012 Mitglied im Rassegeflügelzucht-Verein (RGZV) Lohne. Das Amt des Vorsitzenden übt er seit 2019 aus. Zwei Jahre länger hält er die Position des Jugendwarts inne. 

2021 war und ist ein besonderes Jahr für den Lohner Verein, denn er konnte auf eine 125-jährige Geschichte zurückblicken. Das Ereignis sollte mit einer Geflügelschau gegen Ende des Jahres gebührend gefeiert werden. Doch pandemiebedingt musste diese Veranstaltung abgesagt werden. Eine Alternative oder Ersatz zu einem späteren Zeitpunkt ist derzeit nicht geplant. Der Vereinsvorsitzende sagt: "Ein Jubiläum feiert man in dem Jahr, in dem man es hat."

Aktuell besteht der Verein aus rund 56 Mitgliedern, allerdings ohne aktive Jugendgruppe. "Es ist nicht mehr das Hobby der Jugend", stellt der 58-Jährige fest. Überhaupt sei das Umfeld für die Rassegeflügelzucht schwieriger geworden. Es fehle oft an Platz, Interesse und Zeit.

Seit zwei Jahren gibt es keine Geflügelschauen für die Züchter mehr

Corona hat das komplette Vereinsleben lahmgelegt. Seit zwei Jahren gibt es so gut wie keine Schauen. Für die Züchter bot sich also keine Gelegenheit zu sehen, wo sie mit ihren Tieren vom Zuchtstand her stehen würden.

Auch die sonst durchgeführten Besuche in den Lohner Kindergärten fielen aus. Bei diesen Gelegenheiten zeigen Mitglieder des RGZV anhand von Schauhüten Kindern, die teilweise noch nie ein Huhn gesehen hätten, so Manfred Idasiak, wie ein Küken aus dem Ei schlüpft. Das sei ein spannendes Erlebnis und könne schon einmal bis zu zwei Tage dauern. "Es ist eine gewaltige Kraftanstrengung für so ein kleines Wesen", erzählt der 58-Jährige.

Auslöser und Motor für sein Engagement im RGZV Lohne war seine Tochter Anni. Die 20-Jährige züchtet aktuell Kappensäger, Silberne Bahama- und europäische Krickenten. Als sie 11 Jahre alt war, meinte sie zu ihrem Vater: "Wir wollen auch wieder Hühner haben." So begann die Rassegeflügelzucht im Hause Idasiak und das durchaus erfolgreich. 2018 wurde Anni Idasiak im dänischen Herning Jugendeuropameisterin und auch der Vater errang die eine oder andere Auszeichnung. Diese Erfolge auf Tierschauen sind ein Gradmesser des Zuchtzustandes der eigenen Tiere.

Kappensäger werden seit den 1970er Jahren in Deutschland gezüchtet.   Foto: HeinzelKappensäger werden seit den 1970er Jahren in Deutschland gezüchtet.   Foto: Heinzel

Zum Rassegeflügel zählen übrigens Hühner, Enten oder hühnerartige Vögel wie Fasane oder Wachteln. Erhalt und Förderung bisher bekannter Rassen ist die Aufgabe der im Bund Deutscher Rassegelfügelzüchter (BDRG) zusammengeschlossener Züchter. Über 4600 Vereine mit rund 180.000 Mitgliedern sind in dem Verband organisiert.

Manch eine alte Rasse ist in ihrem Bestand extrem gefährdet, darunter Bergische Schlotterkämme, die Westfälische Totleger oder die Ostfriesische Möwe. Unter Beobachtung, aber zurzeit nicht gefährdet sind beispielsweise Vorwerkhühner. Die durch den Kaufmann Oskar Vorwerk ab 1900 gezüchtete Rasse ist ein "Zweinutzungshuhn". Konkret bedeutet das: Es lieferte Eier und dient nach der Schlachtung als Sonntagsbraten.

Über die Jahre hat sich die Rassegeflügelzucht verändert. Noch in den 1950er Jahren sei "Auf dem Mühlenbach" in Lohne für eine Baugenehmigung eine Kleintierhaltung notwendig gewesen, sagt Idasiak. Daher seien damals Grundstücke mit einer Größe von 1600 bis 2000 Quadratmetern vergeben worden.

"Wir unterstützen uns gegenseitig."Manfred Idasiak

"Früher war es Sinn und Zweck, möglichst viele Eier und Fleischansatz zur Selbstversorgung zu produzieren", berichtet der Geflügelzüchter. Zweinutzungshühner erfüllen diese Anforderung.

Der gebürtige Lohner schätzt den Zusammenhalt und den Erfahrungsaustausch unter den Züchtern. "Wir unterstützen uns gegenseitig", sagt der gelernte Heizungsbauer. Auf die Zukunft des Vereins angesprochen zeigt er sich durchaus skeptisch und meint: "Wir sind eine aussterbende Spezies."

Viele Vereine hätten Probleme Nachwuchs zu finden. Corona und die Vogelgrippe könnten diesen Negativtrend verstärken. Er sieht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bei schrumpfenden Ortsvereinen einen Konzentrationsprozess auf die Rassegeflügelzüchter zukommen.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Rassegeflügelzucht-Verein Lohne bangt im Jubiläumsjahr um Mitglieder - OM online