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Ramnitz will Schülern ein Ventil für ihren Frust geben

Der Verein „Contra“ in Vechta plant ein neues Projekt mit dem Titel „Druckabbau“. Ein wesentlicher Bestandteil des Ferienprogramms ist die Beschäftigung mit der eigenen Identität.

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Steht in den Startlöchern für ein neues Projekt: Sebastian Ramnitz, Vorsitzender des Vereins „Contra“ in Vechta, will die Sorgen und Nöte von Jugendlichen aufgreifen. Das Ferienprogramm wird durch das Land Niedersachsen finanziert.   Foto: Speckmann

Steht in den Startlöchern für ein neues Projekt: Sebastian Ramnitz, Vorsitzender des Vereins „Contra“ in Vechta, will die Sorgen und Nöte von Jugendlichen aufgreifen. Das Ferienprogramm wird durch das Land Niedersachsen finanziert.   Foto: Speckmann

Einfach mal zu Hause rauskommen, sich abseits des Alltags mit den Herausforderungen des Lebens beschäftigen, der eigenen Identität und Zukunft auseinandersetzen: Diese Möglichkeit sollen Schüler aus den Landkreisen Vechta und Diepholz in diesem Jahr in den Ferien bekommen. Der Verein „Contra“ mit Sitz in Vechta plant ein ganz neues Projekt. Der Titel: „Druckabbau“.

Vereinsvorsitzender Sebastian Ramnitz ist gelernter Erzieher und seit vielen Jahren in der Jugendhilfe unterwegs. Er kennt die Sorgen und Nöte der jungen Menschen und weiß, was die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gerade bei Kindern und Jugendlichen bewirken können. Die besorgniserregende Entwicklung hat den Anstoß für das Projekt gegeben, das mit Fördermitteln des Landes Niedersachsen finanziert wird.

„Schüler sind in der Pandemie besonders belastet. Vereinsamung, häusliche Gewalt, Frust, Überforderung und Depressionen sind nur einige der Herausforderungen, mit denen einige Jugendliche zu kämpfen haben“, berichtet Ramnitz. Den Betroffenen fehle der Raum, mit den Sorgen umzugehen. Probleme würden in sich reingefressen und durch die oft angespannten Situationen in den Familien noch verstärkt.

Ramnitz spricht als Bildungsreferent in Schulen über Demokratie

Ramnitz ist im vergangenen Herbst in vielen Schulen in Niedersachsen gewesen, um als Bildungsreferent mit Schülern über das Thema Demokratie zu sprechen. Bei der Arbeit in Kleingruppen sei eine gewisse Erschöpfung und Ohnmacht zu spüren, berichtet der 34-jährige Vechtaer. Vor allem Abschlussschüler würden sich Sorgen machen, wie sie die schulischen Herausforderungen in der Pandemie bewältigen sollten.

Was den Heranwachsenden in solchen Momente fehle, sei der Austausch mit anderen Menschen und somit auch ein Ventil für den aufgestauten Frust. Sie benötigten eine Möglichkeit, ihren Emotionen freien Raum zu geben und diese dann reflektiert zu betrachten. „Das ist wichtig, um Druck abzubauen und um die Schuld nicht auf andere Leute zu projizieren“, erläutert der selbstständige Coach und Supervisor die Hintergründe.

"In den letzten Monaten haben uns viele Schulen zurückgemeldet, dass sie einige Schüler haben, die förmlich untergehen.“Sebastian Ramnitz, Bildungsreferent und Vorsitzender des Vereins „Contra“ in Vechta

„In den letzten Monaten haben uns viele Schulen zurückgemeldet, dass sie einige Schüler haben, die förmlich untergehen“, so Ramnitz. Insbesondere die so genannten Risikoschüler sollen nun in dem Projekt einen Platz finden. Zielgruppe sind Jungen und Mädchen der 8. bis 10. Klasse, bei denen Lehrkräfte oder Sozialarbeiter einen besonderen Unterstützungsbedarf in Bezug auf coronabedingte Verhaltensauffälligkeiten sehen.

Das kostenlose Angebot ist in drei Teile gegliedert. Den Auftakt bildet ein 3-tägiger Workshop in den Osterferien. Er dient zum Kennenlernen, Vertrauensaufbau und Einstieg in das Thema. In Übungen sollen sich die Teilnehmer mit sich selbst auseinandersetzen, ihre Stärken erkennen und ihr Selbstwertgefühl stärken. Dabei geht es insbesondere um Fragen zur eigenen Identität.

Bei einem 5-tägigen Treffen in den Sommerferien wird die persönliche Entwicklung der jungen Menschen aufgegriffen und vertieft. Durch die Arbeit in Kleingruppen sollen auch geschlechtsspezifische Themen aufgegriffen werden, erläutert der Projektleiter. Im Kern geht es um die Frage: "Was brauche ich, um die Person zu werden, die ich sein will, und wo bekomme ich das her?“

Veranstaltungsort bietet Gelegenheit zur Erholung

In einem 3-tägigen Workshop in den Herbstferien wollen die Referenten mit den Teilnehmern schließlich herausfinden, ob sich ihr Umgang mit schwierigen Situationen verändert und bestenfalls verbessert hat. Diese Strategien werden nachjustiert, gegebenenfalls weitere Ideen und Handlungsansätze erarbeitet. Es werden Ziele und Wünsche für jede Person entwickelt und festgehalten.

Veranstaltungsort ist das Jugend- und Freizeitzentrum Dümmer am See in Damme. Dort finden die Teilnehmer eine naturbelassene und erholsame Umgebung, die auch methodisch in die Arbeit eingebunden werden soll, wie Ramnitz erläutert: "Durch den außerschulischen Lernort wollen wir auch einen Fokus auf Achtsamkeit und Entspannung setzen, beispielsweise durch ein Wandercoaching.“

Bei der Durchführung der Workshops wird Sebastian Ramnitz von zwei weiteren Fachleuten unterstützt. Sozialpädagoge Christian Fischer ist Geschäftsführer der katholischen Kindertagesstätten Oldenburg und verfügt über Erfahrung in der Jugendtherapie. Rebekka Polster wird als gelernte Darstellerin für Schauspiel und Musical in erster Linie für Achtsamkeits- und Entspannungsübungen zuständig sein.

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