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"Rakete" über dem Moor erfasst Gammastrahlen

Ein Hubschrauber ist derzeit zwischen Vechta und Barnstorf für geophysikalische Messflüge im Einsatz. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erforscht so neue Verfahren.

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Sieht aus wie eine Rakete, ist aber ein Messinstrument: Dieses Gerät wird von einem Hubschrauber aus übers Moor geführt.   Foto: M. Niehues

Sieht aus wie eine Rakete, ist aber ein Messinstrument: Dieses Gerät wird von einem Hubschrauber aus übers Moor geführt.   Foto: M. Niehues

Viele Bürger reagieren zurzeit verwundert bis besorgt auf tagelange Flugbewegungen über dem Großen Moor zwischen Vechta und Barnstorf. Immer wieder flattert ein weiß-roter Hubschrauber im Tiefflug über die Torfflächen. An einem langen Seil unter ihm hängt etwas, das wie eine Rakete aussieht. Handelt es sich um ein militärisches Manöver, droht gar eine Gefahr? Diese Fragen stellten sich Leser von OM Online und meldeten sich bei der Redaktion.

"Nein", sagt dazu ganz klar Dr. Bernhard Siemon aus Hannover. Er ist Experte für Aerogeophysik bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). "Wir versuchen, Bodenkartierungen aus der Luft durchzuführen", erklärt er. Demnach finden die Messflüge im Rahmen des Forschungsprojekts "ReCharBo" (Regionale Charakterisierung von Bodeneigenschaften) der BGR statt. Das Projekt diene dazu, über regional einsetzbare Methoden Böden möglichst schnell und umfassend zu charakterisieren. Hierfür wird das Gerät eingesetzt, das wie eine Rakete aussieht. Es handelt sich dabei um eine Flugsonde, mit der die elektrischen und magnetischen Eigenschaften des Bodens erfasst werden.

Der Hubschrauber hat zudem ein Gammastrahlen-Spectrometer an Bord, mit dem die natürliche Gammastrahlung des Erdbodens gemessen wird. Die Behörde teilt weiter mit, dass neben der Aerophysik in dem Projekt auch Verfahren der Fernerkundung wie Satelliten und Drohnen eingesetzt werden, ebenso welche der Bodenkunden und Bodengeophysik. Außerdem werden Proben in einem Gebiet östlich des Goldenstedter Moores genommen. Auch die Bodenfeuchtigkeit wird im Rahmen des Projekts gemessen.

Messsonde im Schlepptau: Die Rakete wird so tief über den Baumwipfeln übers Moor gezogen. Foto: M. NiehuesMesssonde im Schlepptau: Die "Rakete" wird so tief über den Baumwipfeln übers Moor gezogen. Foto: M. Niehues

Das 90 Quadratkilometer große Messgebiet beginnt etwa in Höhe des Grünenmoores bei Vechta und erstreckt sich von dort rund 20 Kilometer östlich von Vechta. Die Tests über der Moorfläche sollen nach Auskunft von Bernhard Siemon dazu führen, Bodeneigenschaften künftig schneller und besser erfassen zu können. Denn bisher erforderte eine solche Kartierung eine mühsame und aufwendige Arbeit am Boden. Eine über Messsonden aus der Luft wäre deutlich effektiver. Wenn alles funktioniert, soll das Verfahren auch in fernen Ländern eingesetzt werden.

Das Große Moor soll für Tests besonders gut geeignet sein

Noch ist aber unklar, wie zuverlässig die neuen Techniken sind. Gerade deshalb hat die Bundesanstalt nach Siemers Angaben bestimmte Regionen ausgesucht, die für diese Tests besonders geeignet sind. Neben dem Westharz ist das ein Bereich in der Nähe von Wildeshausen und insbesondere das Große Moor östlich von Vechta. Denn hier haben die Wissenschaftler die Möglichkeit, Torfabbaugebiete und renaturierte Bereiche direkt miteinander vergleichen zu können. Das erleichtert das Testen der Zuverlässigkeit der Messmethoden.

Und es gibt ein weiteres Projekt, in das die Messergebnisse einfließen. Es nennt sich "D-Aero-Moore". Die Bundesanstalt erkundet hier Möglichkeiten für großflächige Moorerkundungen. Hier sollen Moorböden mit ihren verschiedenen Schichten erfasst werden, weil diese eine natürliche Bodenfunktion als Lebensraum bieten und als Speicher für Wasser und Treibhausgase dienen. Die Kenntnis von aktueller Ausdehnung des schützenswerten Lebensraumes und die der Mächtigkeit von Mooren sowie deren Änderungen ist nach Auskunft des BGR die Basis für verlässliche Interpretationen und Prognosen.

Auffälliger Hubschrauber der Bundesanstalt: 4 Rotorblätter sollen für einen leisen und Vögel schonenden Flug sorgen. Foto: M. NiehuesAuffälliger Hubschrauber der Bundesanstalt: 4 Rotorblätter sollen für einen leisen und Vögel schonenden Flug sorgen. Foto: M. Niehues

Mit verschiedenen Messverfahren sollen hier die Bodeneigenschaften des Moores untersucht werden. Nach Aussage Siemers lassen sich auf diese Weise die verschiedenen Torf- und Sandschichten genau ermitteln. Die neuen Verfahren sollen dabei ausgiebig getestet und weiterentwickelt werden.

Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörden liegt vor

Hierfür wird das Moorgebiet mit dem Hubschrauber immer streifenweise versetzt mit der Sonde abgeflogen. Nach Angaben der Bundesanstalt haben die Unteren Naturschutzbehörden der beiden Landkreise Vechta und Diepholz die erforderliche Erlaubnis erteilt. Wie Bernhard Siemon erklärt, ist der Hubschrauber mit 4 Rotorblättern ausgestattet, um möglichst wenig Fluggeräusch zu erzeugen. Anwohner als auch die im Moor lebende Vogelwelt würden auf diese Weise möglichst gering belastet werden. Die Flüge sollen bis maximal Freitag (24. September) anhalten. Möglicherweise kann der Hubschrauber mit der Kennung D-HBGR aber auch schon am Mittwoch wieder seine Heimreise antreten.

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