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Räder, Schaufeln, Uhren: Vördener Lotte sammelt alles für Kongo- und Rumänienhilfe

Der 79-Jährige ist der Motor der Entwicklungshilfearbeit der Vördener Kolpingsfamilie. Aber nun macht er sich Sorgen. Er hat noch keinen Nachfolger gefunden, der sein Werk fortsetzt.

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Helfer in der Not: Hans-Dieter Lotte engagiert sich seit mehr als 30 Jahren in der Entwicklungshilfearbeit. Was er zusammenträgt, hilft Menschen im Kongo oder Rumänien. Foto: Lammert

Helfer in der Not: Hans-Dieter Lotte engagiert sich seit mehr als 30 Jahren in der Entwicklungshilfearbeit. Was er zusammenträgt, hilft Menschen im Kongo oder Rumänien. Foto: Lammert

"Da muss einer hinterstehen. Er muss genau wissen, was er tut, und wissen, dass die Arbeit sinnvoll ist. Und ganz wichtig sind die persönlichen Kontakte vor Ort." Das sind nach Worten des Vördeners Hans-Dieter Lotte die wichtigsten Grundlagen, wenn sich Menschen in der Entwicklungshilfearbeit engagieren.

Der 79-Jährige weiß ganz genau, wovon er spricht. Seit 30 Jahren organisiert er im Rahmen der Eine-Welt-Arbeit der Kolpingsfamilie Vörden Transporte in den Kongo. Zwei Jahre später kam ein Projekt im rumänischen Matrici, ein abgelegener Ort an den Karparten am Beginn des Nirgendwo, hinzu.

Am Beginn stand ein Treffen im Kloster Angela

Am Anfang beider Hilfen stand ein persönlicher Kontakt. So lernte Hans-Dieter Lotte vor mehr als drei Jahrzehnten in Osnabrück im Kloster Angela den damals in Kinshasa im Kongo lebenden Geistlichen Jean Pierre Kwambamba kennen. Es entwickelte sich eine intensive Freundschaft.

Später entwickelte sich die Idee, über die Kolpingsfamilie Vörden und den Kolpingbezirksverband Fürstenau Hilfsgüter für Projekte in Kinshasa zu sammeln. Seit nunmehr fünf Jahren unterstützen die Kolpinger Projekte im Bistum Kenge im Kongo, weil Jean Pierre Kwambamba dort inzwischen Bischof ist.

In Matrici wiederum ist der Präses der dortigen Kolpingsfamilie, Csiki Denes, die Kontaktperson Hans-Dieter Lottes. Auch zu ihm hält er schon seit vielen Jahren intensiven Kontakt.

Winterkleidung geht ausschließlich nach Rumänien

So unterschiedlich die beiden Gegenden sind, in denen die Vördener Kolpinger helfen, so speziell zugeschnitten ist ein Teil der Sachen auf den jeweiligen Ort, die sie nach Kenge beziehungsweise Matrici schicken. So sammeln Hans-Dieter Lotte und seine Helfer nur für Projekte im Kongo Nähmaschinen mit Fußantrieb. Elektrisch betriebene würden wegen der mangelhaften Stromversorgung keinen Sinn ergeben. Deswegen liefern sie auch Stromaggregate in den Kongo.  

Dagegen gehen nach Matrici regelmäßig Winterbekleidung, Jagdzubehör – "Außer Waffen", wie Hans-Dieter Lotte betont – und landwirtschaftliches Gerät von Schaufeln bis zu Mähdreschern auf die Reise. Stromaggregate wären überflüssig, weil auch an den Karparten die Stromversorgung klappt.

Spenden für Kenge werden verschifft

Ganz unterschiedlich sind auch die Transportwege. Die Sachen für Kenge liefert Hans-Dieter Lotte nach Bocholt in der belgischen Provinz Limburg. Von dort erfolgt der Weitertransport zum Hafen in Antwerpen. In einem Container geht es in den Kongo. 

Ganz anders stellt sich die Lage hinsichtlich Matricis dar. Hier übernehmen Lkw, die Fracht aus Rumänien nach Deutschland gebracht haben, den Transport.

Doch bis ein solcher Transport zusammengestellt ist, bedarf es viel an Vorarbeiten. So hat die Kolpingsfamilie in Vörden vier Container für die Sammlung gebrauchter Textilien und Schuhe aufgestellt. Deren Inhalt bringt Hans-Dieter Lotte zu einer Lkw-Brücke, die in Rieste steht. Unsortiert gehen viermal im Jahr jeweils bis zu 6,5 Tonnen an Altkleidern an Kolping-Recycling in Fulda. Dessen Mitarbeiter verwerten die Sachen. Die Kolpingsfamilie Vörden erhält im Gegenzug für die gelieferte Ware Geld. 

Kolpingsfamilie sucht Ersatz für Lager in Vörden

Hinzu kommen die persönlichen Kleiderspenden. Hier sortieren Hans-Dieter Lotte und seine Helfer die noch brauchbaren Sachen aus und bereiten sie für den Transport nach Rumänien und in den Kongo vor. Für das Aufbewahren stehen drei Räume in Vörden an der Schützenstraße, in Rieste-Bieste und eben die Lkw-Brücke bereit. Ein viertes Lager, in dem Hans-Dieter Lotte Bücher, CDs und DVDs sammelt, gibt es nur noch bis Ende Februar, weil das Gebäude an der Osnabrücker Straße in Vörden demnächst abgerissen werden soll.

Hans-Dieter Lotte hofft, für dieses Lager schnell einen Ersatz zu finden. Denn Raum tut Not, zumal sich das Sammeln keineswegs auf Textilien, Nähmaschinen, landwirtschaftliches Gerät, Bücher, CDs und DVDs beschränkt. So findet einmal im Jahr im gesamten Bezirksverband Fürstenau neben einer Werkzeug- und Maschinensammlung die ebenfalls von Hans-Dieter Lotte initiierte Fahrradaktion statt. Bis zu 300 mehr oder minder alte Drahtesel kommen jedes Mal zusammen.

Erlöse aus Bücher- und Textilverkauf finanziert Transportkosten

Die gehen  an die Kolpingwerkstatt in Wietmarschen, wo sie Mitarbeiter wieder instandsetzen. Hans-Dieter Lotte ermittelt derweil den Bedarf an Rädern im Kongo und in Matrici und ruft die entsprechende Zahl in Wietmarschen für die Transporte ab.

Diese Transporte kosten Geld. Um das zu erwirtschaften, setzt Hans-Dieter Lotte neben dem Erlös aus den Kleidersammlungen auf den Verkauf bestimmter Spenden. So bietet er Bücher bei Ebay im Internet an. "Die verkaufen sich gut", sagt er. Auch Münzen und Briefmarken, die die Kolpingsfamilie Vörden von spendenfreudigen Bürgern erhält, macht er ebenso wie Schmuck, Uhren, CDs und DVDs zu Geld. Es ist eine zusätzliche Arbeit, die eher im Verborgenen stattfindet.

Brillen zu verschicken, lohnt sich nicht mehr

Manches hat sich im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte bei den Sammelgütern getan. Gehörten früher zum Beispiel Brillen zu den begehrten Objekten, die Hans-Dieter Lotte in den Kongo schickte, so ist deren Transport heute so teuer, dass die Brillen vor Ort für die Menschen günstiger sind als gespendete.

Waren über Waren: Alles wartet auf den Abtransport. Foto: LammertWaren über Waren: Alles wartet auf den Abtransport. Foto: Lammert

Solche Veränderungen wird es auch in Zukunft geben. Allerdings ist der Vördener Kolpingsvorsitzende Klaus Kramer mit Blick auf die Projekte in Matrici und Kenge in Sorge. "Das Projektteam wird älter. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, wenn Hans-Dieter Lotte eines Tages aufhört. Er hat das System aufgebaut und hält die Kontakte."

Der Vorsitzende wünscht sich, dass sich jemand findet, der in die Arbeit hineinschnuppert, sich von Hans-Dieter Lotte einführen lässt und die Aufgabe später übernimmt.

  • Info: Wer Hans-Dieter Lotte bei der Projektarbeit unterstützen möchte, kann sich bei ihm unter der Telefonnummer 0171/8114031 melden.

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