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PV im Freiland: Gemeinden suchen Platz an der Sonne

Das Land gibt den Kommunen mehr Möglichkeiten, neue Solaranlagen zu genehmigen. Das könnte Probleme vor Ort schaffen. Die Landwirtschaftskammer will helfen.

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Strom statt Korn: Photovoltaikanlagen dürften künftig nicht nur auf Dächern zu finden sein.  Foto: dpa

Strom statt Korn: Photovoltaikanlagen dürften künftig nicht nur auf Dächern zu finden sein.  Foto: dpa

Wer im Anzeigenteil landwirtschaftlicher Fachblätter nach  Pachtangeboten für Solarflächen sucht, wird schnell fündig. Investoren aus ganz Deutschland liefern sich mittlerweile ein Wettrennen um die besten Plätze. Rund 3000 Euro pro Hektar und Jahr sollen die Besitzer einstreichen dürfen. Landwirte, die auf Pachtflächen angewiesen sind, können da finanziell kaum mithalten. 

Im Löninger Rathaus ist bisher noch kein Projektierer vorstellig geworden, um von der Stadt die Bauleitplanung für einen Solarpark einzufordern. Einzelne Flächenbesitzer hätten aber bereits angefragt, berichtet Erster Stadtrat Thomas Willen. Er bestätigt, dass sich auch die Verwaltung mit dem Thema beschäftigt. Am Mittwoch diskutierte der Planungsausschuss über Energie-Einsparmöglichkeiten für den Winter. Zugleich dürften die Kommunen jetzt verstärkt gefragt sein, wenn es darum geht, die ehrgeizigen Ausbauziele der Landesregierung zu erreichen.

Bis 2040 will Niedersachsen nämlich seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Große Auswahl besteht nicht. "Die  Solarenergie ist neben der Windkraft die derzeit einzige nachhaltige Energiequelle, die kurzfristig und in größerem Umfang zur Verfügung steht", erklärt Dr. Bernhard Rump von der Landwirtschaftskammer Cloppenburg. Der Essener und sein Team  haben sich die Potenziale genauer angeschaut und ein Konzept entwickelt, das Städten und Gemeinden bei der Planungsarbeit helfen kann.

Kabinett ändert Raumordnung

Denn diese kommen um das Thema Photovoltaik auf Freiflächen nicht mehr herum. Das Landeskabinett hatte Ende August eigens dafür das Landesraumordnungsprogramm geändert. Inzwischen sind die Beschlüsse in Kraft getreten. Sie ermöglichen auch den Bau von Solaranlagen auf solchen Flächen, die bislang ausschließlich landwirtschaftlichen Zwecken vorbehalten waren. "Die Kommunen vor Ort können das innerhalb der Bauleitplanung selbst abwägen", erklärt Dr. Rump. Zugelassen sind sogenannte "raumverträgliche Anlagen der Agrar-Photovoltaik", bei denen maximal 15 Prozent der Fläche versiegelt werden oder Freianlagen für die gesamte Fläche.

Ob sich alle Anlagentypen, die derzeit auf dem Markt sind, für die Region eignen, ist allerdings fraglich. Ackerbau unter hallenartigen Solardächern wäre zwar möglich, aber teuer und mit schweren Maschinen nur mühsam zu bewerkstelligen, sagt Dr. Rump. Die andere Variante, heckenförmig aufgestellte Module, die eine beidseitige Stromproduktion ermöglichen, kann er sich eigentlich nur in Sonderkulturen vorstellen. "Auf jeden Fall greifen wir damit stark ins Landschaftsbild ein". Am Ende, so glaubt er, laufe es kreisweit auf klassische Freianlagen hinaus, unter denen allenfalls noch Schafe grasen können.  

Konzept: Gemeinden sollen Ausbau steuern

Für aktive Landwirte stellen solche Pläne erst einmal eine Bedrohung dar. Der Flächendruck in der Region ist groß, wer hinzupachten muss, dürfte kaum Interesse an weiterer Konkurrenz haben. Die Kammerexperten entwickelten deshalb einen Anforderungskatalog, der den Gemeinden bei der Steuerung hilft, auch um möglichst vielen die Nutzung von Photovoltaik zu ermöglichen. „Für uns ist es das Wichtigste, die Wertschöpfung vor Ort zu behalten“, sagt Dr. Rump. Sobald die Verwaltungen ihre Potenzialstudien abgeschlossen haben, müssten Kammerleute das Gespräch mit den Landwirten suchen und individuelle Lösungen finden. "Das kann man nicht vom Schreibtisch aus machen".

Sein Konzept, das er allen Kommunen zur Verfügung stellt, hat Dr. Rump vor einer Woche im Löninger Rathaus erläutert. Dort kamen seine Ausführungen bereits gut an. "Wir werden uns des Themas annehmen und es in unseren Gremien diskutieren", erklärt Thomas Willen. 

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