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Provokantes Krippenbild in Garreler Kirche soll zum Nachdenken anregen

Diakon Hubert Looschen ist sich bewusst, dass er mit seiner Inszenierung provoziert. Aber das sei gewollt. "Ich möchte, dass ein Umdenken stattfindet", sagt der Garreler.

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Figuren wenden sich vom Christuskind ab: Pastor Paul Horst (links) und Diakon Hubert Looschen sprechen über die Botschaft, die sich hinter dem Krippenbild in der Kirche St. Peter und Paul verbirgt.   Foto: Hoff

Figuren wenden sich vom Christuskind ab: Pastor Paul Horst (links) und Diakon Hubert Looschen sprechen über die Botschaft, die sich hinter dem Krippenbild in der Kirche St. Peter und Paul verbirgt.   Foto: Hoff

Jesus Christus liegt warm eingekuschelt in seiner Krippe, neben ihm stehen seine Eltern, Maria und Josef. Doch die Menschen um ihn herum wenden sich ab, kehren ihm den Rücken zu, darunter die Mutter mit zwei Kindern, der Obdachlose, der Kriegsversehrte und der Wandergeselle. Auch die Schäfer interessieren sich nicht für das Neugeborene. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit ihren Tieren. Lediglich ein weiteres Kind dreht sich nicht weg, schaut das Baby aber auch nicht an. Ein Krippenbild, das Diakon Hubert Looschen in der Garreler Kirche St. Peter und Paul bewusst inszeniert hat. 

Nachdem Diakon August Böckmann, der sich jahrelang um den Aufbau der Krippe gekümmert hatte, vor 2 Jahren verstarb, bat der Krippenbauverein Looschen um seine Mithilfe. "Ich habe mich gefragt, welche Rolle die Krippe und damit die Botschaft der Geburt Jesu noch in unserem Leben, in unseren Familien spielt." Einige Figuren laufen in seiner Inszenierung regelrecht von dem Christuskind weg, "sie stehen symbolisch für all diejenigen, die nur noch ihre eigenen Sorgen im Kopf haben, die mit sich selbst beschäftigt sind", erklärt Looschen. Auch die Gruppe der Schäfer stehe stellvertretend für Menschen, die sich nur für ihre Arbeit interessierten. 

Provokante Inszenierung lässt Spielraum für mehrere Interpretationen

Der Garreler Diakon ist sich bewusst, dass er mit seinem Krippenbild eine Provokation ausspricht. Das sei auch gewollt, er wolle zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig habe er schon andere Interpretationen vernommen. Eine Kirchenbesucherin habe nicht gesehen, dass die Menschen sich wegdrehten, stattdessen habe sie das Gefühl gehabt, mitten in der Krippe zu stehen. Eine Ordensschwester hingegen habe vermutet, dass die Menschen sich auf den Weg machten, um die frohe Botschaft zu verkünden. "Jede Medaille hat zwei Seiten", sagt Looschen. Auch wenn seine Botschaft in diesen zwei Fällen nicht erkannt worden sei, freue er sich über diese Interpretationen. 

Gleichzeitig gibt es in der Krippe auch "Vertreter der herkömmlichen Christenverehrung, die sich klar zu Jesus Christus bekennen", berichtet Looschen, etwa der kniende Hirte, der Heilige Franziskus und Kardinal von Galen.

"Wir müssen dafür sorgen, dass kleine Dinge groß werden. Vergleichbar mit Kindern, die groß werden", betont der Garreler. Doch dieser Gedanke gehe momentan völlig unter, was durch die Spaltung der Gesellschaft deutlich werde. "Wer diesen einfachen Leitspruch in seinem Leben berücksichtigt, trägt dazu bei, dass diese Spaltung aufgehoben wird", ist sich der Seelsorger sicher. Es gebe viele Möglichkeiten, wie man diese Botschaft und die der Geburt Jesus Christus weitertragen könne, auch heute noch. Wichtig sei ihm, dass auch Kindern der Weg zur Krippe gezeigt wird. Das sei ein Auftrag, den jeder erfüllen müsse.

„Das liegende Schaf wird immer an den vorderen Rand gestellt, damit Kinder es streicheln können.“Hubert Looschen

Schon jetzt weiß Looschen, welche Botschaft er mit dem nächsten Krippenbild vermitteln will. Verraten werde er diese aber noch nicht, nur so viel: "Der Engel wird nach unten in die Mitte der Krippe geholt." Das habe einen einfachen Grund. "Es gibt viele Engel oben, aber uns begegnen sie auch tagtäglich auf Augenhöhe." Eine Figur werde allerdings grundsätzlich ihren festen Platz behalten, "darauf besteht auch der Krippenbauverein", sagt Looschen und lächelt. "Das liegende Schaf steht immer am vorderen Rand, damit Kinder es streicheln können".

Das Besondere der Krippe ist laut Pastor Paul Horst, dass sie "von Garrelern für Garreler ist". Angeschafft wurde sie 1980, nachdem die Künstlerin Agathe Henning, die alle Figuren in Handarbeit hergestellt hat, auf einer Ausstellung in Telgte entdeckt worden war. Etwa ein Jahrzehnt habe es gedauert, bis sie nahezu vollständig war. Die Anschaffung weiterer Figuren sei nicht geplant, Henning arbeite nicht mehr. "Fast alle Krippenfiguren wurden durch Spenden von Gruppen, Privatpersonen oder Vereinen finanziert", erklärt Horst. Jedes Jahr kümmert sich der Krippenbauverein um den Auf- und Abbau, teilweise nehmen die Mitglieder dafür sogar extra Urlaub. "Eine tolle Truppe", sagt Horst. Am 27. Januar beginnen die Männer mit dem Abbau. Am Wochenende wird Hubert Looschen das Krippenbild zum Thema seiner Predigten machen.

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