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Preisgestaltung beim Gewerbegebiet überzeugt nicht jeden Visbeker

198 Bürgerinnen und Bürger beziehen bei einer Umfrage im Auftrag der Redaktion Stellung zu aktuellen Themen. Nicht in allen Punkten sind die Befragten sich einig.

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Entwickelt sich: Das Gewerbegebiet an der Wildeshauser Straße entsteht. Auch die Preisgestaltung für die verfügbaren Flächen wurde vom Rat schon beschlossen. Doch damit gehen nicht alle Visbekerinnen und Visbeker d'accord. Foto: C. Meyer

Entwickelt sich: Das Gewerbegebiet an der Wildeshauser Straße entsteht. Auch die Preisgestaltung für die verfügbaren Flächen wurde vom Rat schon beschlossen. Doch damit gehen nicht alle Visbekerinnen und Visbeker d'accord. Foto: C. Meyer

Um die Vergabe von Flächen im neuen Gewerbegebiet an der Wildeshauser Straße, um die HGV-Aktion „Gönn dir Visbek“ sowie um die Einführung von Messdienerinnen in der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus geht es in der jüngsten Umfrage in der Gemeinde Visbek, die im Auftrag von OM Online erstellt worden ist. 198 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Befragung. Visbeks Bürgermeister Gerd Meyer sowie die Fraktionsvorsitzenden Ralf Stukenborg (CDU), Anja Muhle (SPD), Annette Hanken (Grünen) sowie Martin Rohe (SPD) gaben zu den Ergebnissen ein Statement ab.

Vergabe von Gewerbeflächen:

An der Wildeshauser Straße entsteht ein neues Gewerbegebiet. Die Planungen dafür erstrecken sich bereits über mehrere Jahre. Nun hat der vergangene Gemeinderat entschieden, dass Gewerbetreibende, die frühzeitig Interesse an einer Fläche dort bekundeten, beim Preis begünstigt werden sollen. Konkret bedeutet dies, dass Bewerberinnen und Bewerber, die bis Ende 2019 ihr Interesse bekundeten, 45 Euro pro Quadratmeter zahlen müssen. Alle anderen zahlen 55 Euro den Quadratmeter. Etwa die Hälfte der Befragten, 52,5 Prozent, hält das nicht für richtig.

„Auch wir von den Grünen sehen es so wie die Mehrheit im Umfrageergebnis“, sagt Annette Hanken und betont, dass sie sich in der entsprechenden Ratssitzung dazu „ganz klar geäußert“ hat. Ihrer Ansicht nach könne niemand nachvollziehen, wer bis 2019 Interesse an einem Grundstück im Gewerbegebiet bekundet hat. „Zudem sollte doch immer noch das Gleichheitsprinzip gelten.“

Das eher negative Umfrageergebnis sei für Anja Muhle (FDP) aus mehreren Gründen nachvollziehbar: „Es gab weitere Ideen zur Preisgestaltung, die von der FDP unterstützt wurden. Diese hätten für mehr Transparenz seitens der Bürger und Investitionsanreize für Unternehmer gesorgt. Leider fanden diese im Rat keine Mehrheit.“

Martin Rohe (SPD) dagegen ist überrascht von dem Ergebnis und fragt sich, was die Gründe dafür sind. „Ist ihnen [den Befragten] dies vielleicht nicht richtig kommuniziert worden?“ Denn seiner Ansicht nach seien die Gründe für einen Erlass im Grundstückspreis für diejenigen Betriebe, die lange auf ein Gewerbegrundstück in Visbek gewartet haben, „nachvollziehbar und berechtigt“. Schließlich hätten die Wartenden „erhebliche Störungsabläufe“ wie „beengte Verhältnisse und Arbeitsverhinderungen und -zeitverlängerungen in Kauf genommen“ und seien der Gemeinde Visbek bis heute als zukünftige Gewerbesteuerzahlende treu geblieben. „Von daher ist dies ein Ausgleich an diese Betriebe für deren Einbußen in ihren Betriebsabläufen.“

Für die CDU sei es wichtig gewesen, dass die Gewerbetreibenden, die seit 2012 auf einen Bauplatz gewartet haben – „um Visbek die Treue zu halten und eventuell nicht abzuwandern“ – dafür eine Wertschätzung bekommen, findet Ralf Stukenborg.

Laut Bürgermeister Gerd Meyer gibt es aktuell 13 Interessenten aus der Gemeinde Visbek, die ein Grundstück in diesem Gewerbegebiet kaufen möchten. „Davon haben acht ihr Interesse bereits vor 2019 bekundet, einige schon mehrere Jahre zuvor.“ Aus Sicht der Verwaltung sei der günstigere Grundstückspreis eine Form der Wertschätzung und Anerkennung, da diese Firmen während der „Wartezeit“ nicht in entsprechender Form am Markt agieren konnten und sich trotzdem für den Standort Visbek entschieden haben, so Meyer. Die Mittel, die die Firmen erwirtschaften, kämen der gesamten Gemeinde zugute, zum einen mit Blick auf die Steuereinnahmen, zum anderen durch die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen. „Das ermöglicht es uns als Gemeinde, uns in vielen gesellschaftlichen Bereichen gut aufzustellen.“

HGV-Aktion „Gönn dir Visbek“:

Im Sommer startete der Visbeker Handels- und Gewerbeverein (HGV) die Gutschein-Aktion "Gönn dir Visbek". Visbekerinnen und Visbeker konnten bei der Gemeinde, die das Ganze mit 25.000 Euro bezuschusste, ein Gutscheinpaket im Wert von 100 Euro für 75 Euro erwerben. Diese Gutscheine lassen sich noch bis zum Ende des Jahres bei teilnehmenden Gewerbetreibenden in der Gemeinde einlösen. Damit sollten die von der Pandemie gebeutelten Einzelhändlerinnen und -händler finanziell unterstützt werden. Ein Großteil der Befragten empfindet diese Aktion als positiv – auch wenn nicht alle selbst das Angebot wahrgenommen haben, wie die Befragung zeigt. Fast ein Drittel (28 Prozent) der Befragten hat sich das Gutscheinpaket gekauft, mehr als die Hälfte (59 Prozent) hat das zwar nicht, befürwortet das Ganze aber.

„Es ist schön zu sehen, dass die Aktion unter den Befragten auf eine breite Zustimmung gestoßen ist“, sagt Bürgermeister Gerd Meyer. Die Politik habe mit der Aktion ein Zeichen der Unterstützung für den Einzelhandel setzen wollen und „das ist scheinbar auch ein Stück weit gelungen“.

Der Rat habe einheitlich beschlossen, Visbek und den HGV in der Pandemie mit dieser Aktion zu unterstützen, sagt Ralf Stukenborg (CDU). Auch den Visbeker Bürgerinnen und Bürgern sei dies zugutekommen, da sie nur 75 Euro für 100 Euro haben ausgeben müssen. „Ich denke, das ist eine gute Sache für Visbek.“

Auch Anja Muhle (FDP) wertet das Ergebnis positiv: „Der geringe Restbestand an verfügbaren Gutscheinen zeigt, dass die Aktion gut angenommen wurde.“ Die Aktion sei ein Beispiel dafür, wie Rat, Verwaltung und Handel pragmatisch zusammenarbeiten können. „Unsere Gewerbetreibenden haben während der Lockdowns ein Höchstmaß an Kreativität gezeigt“, sagt Muhle. "Wir als Gemeinde tun gut daran, uns gut um unseren Ortskern zu kümmern."

Es sei schön, dass etwa 90 Prozent der Befragten „diese Art der Wirtschaftsförderung für den HGV beziehungsweise für die Einzelhandelsbetriebe in Visbek in dieser Situation und der Förderung für die Bevölkerung Visbeks durch den Gemeinderat“ positiv bewertet, findet Martin Rohe (SPD). Schade sei nur – und „dies hätte ich so nicht erwartet“ –, dass nur knapp ein Drittel der Befragten das Angebot für sich wahrgenommen haben. Rohe gibt zu, dass wenn es zum Teil einen geschenkten Betrag bei den Gutscheinen gibt, „es einen reißenden Absatz auf die Gutscheine geben würde". Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Rohe mutmaßt, dass es unter anderem an der Summe von 75 Euro liegen könnte: „Diese Summe hatte ich ja seinerzeit auch für zu hoch gehalten und kleinere Gutscheinsummen zum Erwerb angemahnt.“

Annette Hanken (Grüne) betont, dass der Rat „gemeinsam für unseren Einzelhandel und für unsere Bürger“ den Beschluss gefasst habe. „Ich möchte mich aber nicht persönlich bereichern und verzichte auf ein Gutscheinpaket“, stellt sie fest. Was sie in Visbek einkaufen könne, das erledige sie auch meistens im Ort.

Einführung von Messdienerinnen:

Im Oldenburger Land gehören Messdienerinnen in den katholischen Kirchengemeinden zum normalen Bild. Die Kirchengemeinde St. Vitus war jedoch lange Zeit die einzige, die keine Mädchen für den liturgischen Dienst vorgesehen hatte. Das hat sich geändert. Seit diesem Jahr werden sowohl Messdiener als auch Messdienerinnen ausgebildet. Eine große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) findet diesen Schritt gut.

Ähnlich verhält es sich in der lokalen Poltik: „Als ehemaliger Messdiener freue ich mich, dass nun Mädchen und Jungen dieses Amt zusammen bekleiden dürfen“, sagt Ralf Stukenborg (CDU). Bürgermeister Gerd Meyer findet, dass das Ergebnis bestätige, „dass es die richtige Entscheidung war, Mädchen zu Messdienerinnen auszubilden“. „Wir halten diesen Schritt für längst überfällig und freuen uns. dass es endlich möglich ist“, sagt auch Annette Hanken (Grüne).

Wie Stukenborg lässt auch Martin Rohe (SPD) wissen, dass er selbst einmal Messdiener war und „diesen Schritt für richtig und wichtig und für längst überfällig“ hält. Die Befragten spiegelten „deutlich in großer Mehrheit den Wandel der Werte in der Gesellschaft“ wieder.

Anja Muhle (FDP) greift das Motto der St.-Vitus-Gemeinde „Miteinander“ auf, das ihrer Ansicht nach auch in diesem Fall gelte: „Diese Veränderung wurde von Mädchengemeinschaft und Messdienern gemeinsam gestaltet und umgesetzt.“ Die Erweiterung des Angebots für Mädchen sei ein guter Schritt, denn damit vergrößere sich das Angebot zum Engagement in der Kirche insgesamt. „Wir müssen die jungen Leute machen lassen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie gut Visbek mit dieser Neuerung umgeht und eine neue Gemeinschaft entsteht.“

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