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Prachtvolle Zeugen der alten Bauernkultur

Als "königliche Bauten" wurden sie einst verehrt. Die Fachwerkbauernhäuser unserer Region waren über Jahrzehnte in den Heimatblättern ein wichtiges Thema.

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Ein Hofgebäude aus dem Jahr 1789 in Telbrake. Foto: Reinhard Arkenau

Ein Hofgebäude aus dem Jahr 1789 in Telbrake. Foto: Reinhard Arkenau

Weil die traditionsreichen und malerischen Fachwerkbauten zu den Charakteristika unserer Heimat gehören überrascht es nicht, dass ihre Erhaltung in den Heimatblättern breiten Raum einnahm. Vor allem mittels Fotos wurden die behandelten Gebäude dem Leser nahe gebracht und eher allgemein als malerisch, schön, eindrucksvoll oder prächtig qualifiziert. Aber es gab auch eine ernsthaftere Diskussion um ihren Schutz, die in etwa in drei Phasen ablief.

In der ersten Phase von 1920 bis etwa 1950 ging es den Autoren vor allem darum, den kulturellen Wert der ländlichen Fachwerkbauten herauszustellen ("prachtvolle Zeugen alter Bauernkultur", "die schöne Giebelfront des alten Bauernhauses", "sicherlich einer der schönsten Giebel", "eines der schönsten Fachwerk-Bauernhäuser") und die Eigenarten des "uralten Niedersachsenhauses" detailliert zu würdigen.

Insbesondere Alwin Schomaker feierte die bäuerliche Holz-Baukunst und den Steilgiebel des Hallenhauses mit überschäumender Begeisterung. Es gäbe "königliche Bauten unter den niedersächsischen Bauernhäusern", deren "Größe, Wucht, Monumentalität und Schönheit" alles überböte, "was bäuerliche Baukunst und ländliches Handwerk irgendwo jemals geschaffen haben". Vor allem sei in ihr "der völkische Grundcharakter und die germanische Note ziemlich rein und unverhüllt" zu erkennen.

Nur Nostalgie und Musealisierung

Er war nicht der einzige Autor, der sich vom Nationalsozialismus den Erhalt tradierter Bautypen erhoffte. Um – so Schomaker – das jetzt noch reich vorhandene Erbe zu retten, müsse die Bauern Ehrfurcht gelehrt werden vor den Meisterleistungen der Baukultur. Dabei sah er sehr wohl, dass die "Wandlung des Grundrisses und der äußeren Form der Bauernhäuser" unvermeidlich sei. Denn man werde "wegen der Wohnhygiene von niemandem verlangen, sein Leben in solchen Häusern zuzubringen".

Vermutlich deswegen kam damals keiner der Fachwerkgiebel-Enthusiasten auf die heute naheliegende Idee, eine konsequente Unter-Schutz-Stellung solcher in Privatbesitz befindlichen Kunstdenkmäler zu fordern. So blieben nur die Nostalgie und die Musealisierung einiger wertvoller Bauten, weshalb denn auch der Aufbau des Museumsdorfes von den Heimatblättern intensiv begleitet und mit hohem Lob gewürdigt wurde.

Nach dem Krieg setzten sich die Appelle fort, "dem Ausverkauf des bäuerlichen Kulturgutes ein Ende zu bereiten". Denn in der zweiten Phase – etwa von 1950 bis 1985 – schien den Autoren zu dämmern, dass das Fachwerkhaus als Bestandteil der heimatlichen Landschaft sich unwiederbringlich auf dem Rückzug befand oder verschandelt zu werden drohte.

Bereits 1951 bemängelte Alwin Schomaker die "würdelose Gesinnung gegenüber dem Erbe der Ahnen", die sich in der nichtssagenden Verbretterung des "schönen und baulich bedeutenden Giebels" eines "ehrwürdigen Bauernhauses" äußerte. Viele Beiträge gedachten in Wort und Bild "zerstörter Heimatschönheit". Aber noch sei nicht alles verloren, es habe "noch Zweck über diese Dinge zu sprechen und zu schreiben". Dr. Oswald Rohling OP sah es als Aufgabe der Heimatbünde an, "die Zeugen der kulturellen Schaffenskraft vor der Vernichtung zu bewahren". Der Gottesmann zeigte sich überzeugt, dass lebendiger Heimatsinn den verantwortlichen Politikern, Landesplanern, Architekten, Pressevertretern, Bürgern und Bauern schon den rechten Weg weisen werde. Ein Optimismus, den nicht jedermann teilte.

Gäbe es solche Fachwerkhäuser noch außerhalb von Museen ohne die Arbeit der Heimatforscher“? Foto: Reinhard ArkenauGäbe es solche Fachwerkhäuser noch außerhalb von Museen ohne die Arbeit der „Heimatforscher“? Foto: Reinhard Arkenau

Daher setzte Schomaker auch auf Neubauten im traditionalistischen Stil mit Fachwerkfassade und empfahl zu diesem Behuf immer wieder die Arbeit eines bestimmten Architekten, wobei es aus heutiger Sicht unverständlich scheint, warum ausgerechnet der Prophet des "Echten und Däftigen" (sic!) das talmihaft Unechte der vorgeblendeten Fachwerkdekorationen nicht erkannte oder erkennen wollte. Neben der Stil-Debatte wurde der organisierten Denkmalpflege in den Heimatblättern nun eine größere und positivere Aufmerksamkeit als vorher zuteil. Es waren vor allem Aufrufe zur "Erhaltung von Baudenkmälern im ländlichen Raum". Es müsse Zeit "gewonnen werden, damit nicht noch mehr Denkmäler zerstört werden, kurz bevor die bessere Einsicht sich durchsetzt".

In der dritten Phase nach 1985 spielte die Denkmalpflege dann eine immer wichtigere Rolle für Umbauten denkmalgeschützter Gebäude, zum Beispiel der Restaurierung eines Heuerhauses, bei der der Originalzustand unter Anwendung "der Bauweise, Baumaterialien und Konstruktionen" des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde.

Denkmalschutz wird Selbstverständlichkeit

Die Beiträge in den Heimatblättern machen den Eindruck, als ob der Denkmalschutz mehr und mehr zu einer Selbstverständlichkeit geworden wäre. Das ist möglicherweise der Grund, warum die Beschäftigung mit dem Fachwerkhaus in wissenschaftlicher Hinsicht zum Erliegen kam, wenn man von einem Beitrag über das Saterhaus absieht. Einerseits erscheint ab den 1990er Jahren das Fachwerkhaus offenbar als erforscht und in seinem kulturhistorischen Wert unbestritten, zudem galten die noch vorhandenen Bauten wegen der bestehenden Denkmalschutzgesetze wohl nicht mehr als akut gefährdet.

Andererseits mehrten sich nostalgische Beiträge, in denen mit Wehmut und alten Fotografien an lange abgebrochene Fachwerkhäuser erinnert wurde. Heinz Aumann formulierte "ein Gefühl des Bedauerns", wenn das gewohnte Bild eines alten Hauses verschwände, auch wenn möglicherweise nicht "jedes alte Haus erhaltenswürdig" sei. Denn immer noch – trotz 100-jähriger Bemühungen – verringert sich – verlangsamt, aber wohl unvermeidlich – die Zahl der Fachwerkhäuser im Oldenburger Münsterland weiter.

Darum aber, dass diese Gebäude wertgeschätzt werden und deswegen wenigstens ein Teil des ursprünglichen Bestandes erhalten und renoviert wurde, haben sich Autoren der Heimatblätter erhebliche Verdienste erworben. Auch durch ihr Insistieren auf den kulturhistorischen Wert des ländlichen Fachwerkbaus in der populären Beilage einer Tageszeitung konnte deren Schutzwürdigkeit einem breiteren Publikum verständlich gemacht und nahe gebracht werden; eine wichtige Voraussetzung für ihre Erhaltung.

  • Info: Zum Jubiläum "100 Jahre Heimatblätter" erscheint in diesem Jahr monatlich ein Serien-Beitrag. Behandelt werden die Historie und Entwicklung der "Heimatblätter" und weitere Aspekte der heimatlichen Geschichte. Unabhängig davon gibt es auch 2020 wieder sechs Ausgaben der "Heimatblätter".

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