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Ponyclub Ellenstedt kämpft mit finanziellen Problemen

Die Corona-Pandemie setzt dem Verein mächtig zu. Die Einnahmen fallen zum größten Teil weg, die Kosten aber bleiben. Im Zweifel muss der Ponyclub bald Tiere verkaufen.

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Gibt es etwas zu fressen? Die Ponys sind neugierig, ob Uwe Prinz, Vorsitzender des Ponyclubs Ellenstedt, ihnen etwas Leckeres mitgebracht hat. Foto: C. Meyer

Gibt es etwas zu fressen? Die Ponys sind neugierig, ob Uwe Prinz, Vorsitzender des Ponyclubs Ellenstedt, ihnen etwas Leckeres mitgebracht hat. Foto: C. Meyer

Ein Pferd hat Hunger – ob es sich in einer Pandemie befindet oder nicht. Das weiß der Ponyclub Ellenstedt nur zu gut. Die 8 Pferde und 7 Ponys müssen versorgt werden. Corona ist den Tieren ziemlich egal. Doch das Virus beschert dem Verein mittlerweile deutliche Schwierigkeiten, lässt der Vorsitzende, Uwe Prinz, an seinen Sorgen teilhaben. Denn der Großteil der sonst üblichen Einnahmen ist wegen der Corona-Pandemie weggebrochen.

Der Ponyclub habe jährliche Ausgaben von 16.000 bis 17.000 Euro, legt Prinz offen. Der Großteil werde für die Versorgung der Tiere gebraucht. Weiterhin müssen andere laufende Kosten bezahlt werden, wie Versicherungen und die generelle Instandhaltung des Geländes. Im vergangenen Jahr, als die Pandemie losging, habe man das noch irgendwie stemmen können, erzählt Prinz, der seit 2005 Vorsitzender des Ponyclubs ist. Doch jetzt wisse der Verein nicht mehr weiter. „Das muss man klipp und klar so sagen.“ Deswegen geht der Verein jetzt mit seinen Problemen an die Öffentlichkeit.

Gerade in den Sommermonaten haben die Kutscher des Vereins normalerweise gut zu tun. Sie sind auf Schützenfesten oder für Hochzeiten unterwegs, Foto: HölterGerade in den Sommermonaten haben die Kutscher des Vereins normalerweise gut zu tun. Sie sind auf Schützenfesten oder für Hochzeiten unterwegs, Foto: Hölter

Zum einen finanziere der Ponyclub sich durch die jährlichen Beiträge der rund 200 Mitglieder. Das ergebe rund 4.000 Euro, überschlägt Prinz. Zum anderen gibt es normalerweise freitags bis montags am Abend das Angebot an die Mitglieder, die vereinseigene Kneipe aufzusuchen. Dort werde ein wenig durch den Verkauf der Getränke eingenommen.

Die größte Einnahmequelle seien die Kutsch- und Planwagenfahrten. Besonders Vereine buchten für ihre Events gerne die Planwagen, sagt der Ponyclub-Vorsitzende. Aktuell sei dieses Angebot wegen der Pandemie überhaupt nicht möglich. Die Kutschfahrten seien insbesondere bei Hochzeitsfeiern beliebt. Da diese Feiern ebenfalls nicht stattfinden, bucht auch kaum jemand eine Kutsche zu diesem Anlass. Bei Schützenfesten fahren die Majestäten feierlich in einer Kutsche an ihrem Schützenvolk vorbei. „In einigen Orten sind die Schützenfeste für dieses Jahr schon abgesagt“, sagt Prinz. Es sei davon auszugehen, dass auch 2021 keine Schützenfeste in ihrer üblichen Form stattfinden werden. Somit werden auch keine Kutschen benötigt.

Der Ponyclub bietet außerdem Reitstunden an. Diese können in eingeschränkter Form weiter durchgeführt werden. Es gebe nur noch Einzelunterricht, sagt Uwe Prinz. Dies sei aktuell das einzige Angebot, das der Ponyclub noch machen könne. Die Kosten lassen sich damit aber nicht decken.

Tierfreunde können Patenschaft übernehmen

Im vergangenen Jahr sei es teilweise noch möglich gewesen, etwas Geld einzunehmen, erzählt der Vorsitzende. So durfte im Sommer die Kneipe öffnen, damit die Mitglieder auf der eigenen Terrasse ein kühles Getränk zu sich nehmen konnten. Es wurden 5 Kutschfahrten gebucht und die Gemeinde Goldenstedt unterstützte den Verein mit mehr als 2.000 Euro. Schriftführerin Daniela Hölter habe zudem so viele Masken selbst genäht, dass der Verein damit eine Spendensumme von 2.500 Euro erreicht habe. Für die Spenden sei er sehr dankbar, betont Uwe Prinz.

Im Sommer flattern die großen Rechnungen ins Haus. Davor fürchtet sich der Vorsitzende schon. Die Kosten für Stroh und Heu fallen dann an. Doch Stand jetzt, Ende April, fehlen dem Verein bis zu 6.000 Euro. Eine Summe, vor der er zu dieser Jahreszeit noch nie gestanden habe, sagt Prinz. „Wir hatten in der Vergangenheit schon schlechte Jahre“, gibt er zu. Doch da habe es sich vielleicht um 1.000 Euro gehandelt. „So große Probleme hatten wir noch nie.“

Welche Konsequenzen drohen dem Ponyclub, wenn es bei diesem finanziellen Defizit bleibt? „Dann müssen wir Tiere verkaufen“, sagt Uwe Prinz. Das möchte der Verein natürlich nicht und hofft deshalb auf Unterstützung, auch erneut vonseiten der Gemeinde. Einen entsprechenden Antrag habe der Ponyclub bereits bei der Verwaltung eingereicht, sagt Prinz.

Hier hat schon länger keiner mehr zusammen gesessen: Das Vereinsheim muss wegen der Pandemie geschlossen bleiben. Foto: C. MeyerHier hat schon länger keiner mehr zusammen gesessen: Das Vereinsheim muss wegen der Pandemie geschlossen bleiben. Foto: C. Meyer

Weiterhin hat der Ponyclub jetzt die Möglichkeit für Tierfreunde geschaffen, eine Patenschaft für eines der Tiere zu übernehmen, denn dem Verein gehören alle Ponys und 5 der 8 Pferde. Der Mindestbeitrag für eine Teilpatenschaft liegt bei 15 Euro im Monat. Eine Vollpatenschaft für eines der Tiere kostet 80 Euro für ein Pferd oder 60 Euro für ein Pony im Monat.

Damit die Versorgung und Bewegung der Tiere sichergestellt ist, behalten Matthias Thobe und Nadine Roth alles im Blick, sagt Uwe Prinz. Thobe ist einer der 3 Kutscher des Vereins, Roth ist Reitlehrerin. Die beiden organisieren die Fütterung der Tiere, das Säubern der Ställe und unternehmen immer mal wieder Kutschfahrten, damit die Pferde und Ponys sich bewegen. Dabei spannen sie andere Mitglieder mit ein – so auch Prinz und seine Frau, wie er erzählt.

Wegen der Corona-Pandemie sei auf dem Hof des Ponyclubs deutlich weniger los als sonst. Normalerweise gebe es innerhalb des Vereins mehrere Veranstaltungen im Jahr, wie ein gemeinsames Fischessen, einen Kutschenkorso oder den Ponyball im November, berichtet Uwe Prinz. Er hofft deshalb, dass es im kommenden Jahr wieder bergauf geht. „Wir haben es immer irgendwie geschafft“, gibt er sich zuversichtlich.

  • Info: Weitere Informationen zu dem Verein und zu den Patenschaften gibt es hier.

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