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Pony Fatima geht auf Reisen und landet in Vechta

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Die "Weltreise" eines Ponys ist Thema einer Verhandlung vor dem Strafgericht gewesen. 500 Euro und eine Adresse in Frankreich spielen dabei eine wichtige Rolle.

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Wer es nicht gehört und gesehen hat, wird es nicht glauben. Aber die Geschichte eines Ponys, das unfreiwillig auf Reisen ging und in Vechta landete, ist wahr. Es geht um Fatima, 6 Jahre alt.

Das Strafgericht verhandelte wegen des Betrugsverdachts gegen einen Tischler (24) aus dem Emsland. Gegen den Mann war zunächst ein Strafbefehl (schriftliches Urteil) mit einer Geldstrafe von 600 Euro ergangen. Dagegen hatte der 24-Jährige Einspruch eingelegt. Es kam zur Hauptverhandlung. Der Angeklagte, sein Anwalt und eine vierköpfige Familie aus Aken an der Elbe (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) als Zeugen waren dabei.

Treffen auf einem Parkplatz an der Autobahn

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, im Juli 2020 im Zusammenhang mit der Suche nach einem verschwundenen Pony der Besitzerin vorgetäuscht zu haben, ihr helfen zu können. Er habe ihr gesagt, dass er wisse, wo sich das Pony befinde. Für 500 Euro werde er ihr die Adresse geben. 

Auf einem Parkplatz an der Hansalinie bei Neuenkirchen-Vörden sollen sich der 24-Jährige und die Pony-Eigentümerin dann getroffen haben. 500 Euro bekam er; sie ein Schriftstück mit einer Adresse und Telefonnummer in Frankreich. Bei der Kontaktperson handelte es sich  um eine Frau, die mit Pferden zu tun hatte, aber noch nie ein Pferd in Deutschland erworben hatte. Fatima war auch nicht bei ihr. 

Der Angeklagte bestritt in seiner Aussage, etwas mit dem verschwundenen Pony zu tun zu haben. Er sei genervt gewesen, denn die Besitzerin habe ihn Tag und Nacht angerufen. Die Übergabe der Frankreich-Adresse habe er nur gemacht, um endlich in Ruhe gelassen zu werden. Geld habe er nicht bekommen. Er habe zwar einen Bekannten, bei dem er mal so ein Pony gesehen habe, aber mehr wisse er nicht.

"Nach Erhalt der Adresse in Frankreich habe sie sofort dort angerufen und erfahren, dass das Pony dort nicht sei."Klaus Esslinger

Die Ex- und jetzt Wieder-Besitzerin aus Sachsen-Anhalt trat als Zeugin auf. Sie konnte im Detail die Geschichte des verschwundenen Ponys Fatima erzählen. Man habe sich über WhatsApp geschrieben, habe telefoniert und sich schließlich auf dem Burgerking-Parkplatz getroffen. Der Angeklagte habe den Erhalt der 500 Euro zunächst nicht quittieren wollen, es dann aber doch gemacht. Nach Erhalt der Adresse in Frankreich habe sie sofort dort angerufen und erfahren, dass das Pony dort nicht sei.

Sie habe weiter geforscht und schließlich herausgefunden, dass das verschwundene Tier jetzt einem Springreiter aus Vechta gehörte. Dem habe sie es für 6000 Euro abgekauft. Es nach der "Weltreise" wieder gekauft zu haben, sei es ihr wert gewesen. Das Pony werde jetzt von ihrer Tochter, wie vor Jahren geplant, geritten.

Geldstrafe: 30 Tagessätze zu je 20 Euro

Angesichts der Beweislage nach dem Auftritt der Zeugin bat die Strafrichterin die Beteiligten um ein Rechtsgespräch. Das führte dann schließlich ganz schnell dazu, dass der Verteidiger für seinen Mandanten den Einspruch gegen den Strafbefehl zurücknahm. Damit kam es dann zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Der Weg des Ponys, von dem die Eigentümerin immer die Eigentumsurkunde hatte und das trotzdem immer die Besitzer gewechselt hatte, verlief wie folgt: Mit 2 Jahren von Aken/Elbe zur Ausbildung nach Bad Zwischenahn, ohne Wissen der Besitzerin verkauft nach Leer, dann nach Osnabrück, weiter nach Saarbrücken, wieder zurück nach Osnabrück – alles 2019/2020 – und schließlich zu einem italienischen Springstall nach Vechta. Durch einen netten Hinweis konnte die Besitzerin ihr eigenes Tier wieder kaufen.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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