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Polizei zerschlägt Geldwäsche- und Glücksspielbande

Spezialkräfte durchsuchen am Dienstag im Landkreis Vechta und anderswo 13 Objekte. Im Fokus der Ermittlungen soll auch ein Mann stehen, der bereits in der Vergangenheit Fußballwetten manipulierte.

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Aufwendige Durchsuchungen in der Lindenstraße in Lohne: Hier durchkämmen Spezialeinsatzkräfte ein Gebäude, in dem eine Firma für Sportwetten im Internet ihren Sitz hat. Foto: M. Niehues

Aufwendige Durchsuchungen in der Lindenstraße in Lohne: Hier durchkämmen Spezialeinsatzkräfte ein Gebäude, in dem eine Firma für Sportwetten im Internet ihren Sitz hat. Foto: M. Niehues

Der Mann mit Sturmhaube und schwarzem Overall dreht unter dem heißen Dachstuhl jeden Zentimeter um. Glaswolle wirft er hinunter, gesucht wird in dem Gebäude an der Lohner Lindenstraße nach Beweismitteln. Hier hat eine Firma für Sportwetten im Internet ihren Sitz. Es sind Spezialeinsatzkräfte, die am Dienstag zeitgleich 13 Privat- und Geschäftsadressen im Landkreis Vechta, in Hannover und in Nordrhein/Westfalen durchkämmen. Wie die Polizei mitteilt, standen dabei 2 Lohner Adressen im Zentrum der Ermittlungen. Während des Zugriffs wurde sogar ein Teil der Lohner Innenstadt abgesperrt.

Konkret sollen nach Angaben von Polizeisprecherin Simone Buse 3 Männer aus Lohne und Vechta im Alter von 24 bis 46 Jahren in Verdacht stehen, illegales Glücksspiel sowie Geldwäsche im großen Umfang betrieben zu haben. "Bei den Ermittlungen ergab sich zudem der konkrete Verdacht der organisierten Kriminalität mit Bezügen ins Ausland", sagt sie und spricht von Machenschaften der 3 Männer, "die nach bisherigen Erkenntnissen in die Millionen" gehen sollen. Gegen alle 3 Verdächtigen lagen Haftbefehle vor. 2 davon konnten in Lohne vollstreckt werden. Der Dritte hält sich nach Angaben der Polizei seit geraumer Zeit im Ausland auf. "Dies war der Polizei im Vorfeld bekannt", bestätigt Buse. "Ermittlungen hierzu werden im Ausland durchgeführt."

Gesuchter Mann ging bereits in die Kriminalgeschichte ein

Nach Informationen von OM-Online sind alle Tatverdächtigen miteinander verwandt. Brisant ist, dass es sich bei dem mit Haftbefehl gesuchten Mann im Ausland um einen bekannten Türken aus Lohne handelt, der als Fußball-Wettbetrüger Kriminalgeschichte geschrieben hat. Der Mann betrieb einst mehrere Wettlokale in Niedersachsen und Bremen und war Kopf eines Spielclubs in Osnabrück. Er soll vor über einem Jahrzehnt ausgepackt haben, als es um den größten Manipulationsskandal des europäischen Fußballs ging. Spieler wurden gekauft, ganze Partien so beeinflusst, dass die Wetten darauf ein sicheres und einträgliches Geschäft waren.

Ein hochwertiges Fahrzeug eines der Tatverdächtigen wurde im Zuge der Durchsuchungsmaßnahmen beschlagnahmt. Foto: PolizeiEin hochwertiges Fahrzeug eines der Tatverdächtigen wurde im Zuge der Durchsuchungsmaßnahmen beschlagnahmt. Foto: Polizei

Der verurteilte Straftäter ist offensichtlich rückfällig geworden. Der Polizei ist es jetzt gelungen, erneut die bandenmäßigen Strukturen aufzudecken. Bei den Durchsuchungen ist am Dienstag viel Beweismaterial sichergestellt worden. Kistenweise trugen die Beamten Unterlagen aus den Gebäuden. In Steinfeld wurden bei einer Sportsbar auch Glücksspielautomaten in einen Polizei-Lkw geladen. Zudem sind Vermögensgegenstände sichergestellt worden, die mit den kriminellen Geschäften erwirtschaftet worden sein sollen. Darunter befanden sich auch Fahrzeuge, beispielsweise ein Porsche Panamera im Raum Lohne.

Jörg Kreikebaum, Leiter der Polizeiinspektion Cloppenburg Vechta wertete den Großeinsatz anschließend "als weiteren Meilenstein in der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität" in seinem Zuständigkeitsbereich. "Es ist ein deutliches Signal an all diejenigen, die versuchen, den Staat auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger hinters Licht zu führen, zu betrügen und damit horrende Summen einnehmen zu wollen", sagte er und versprach zugleich weiterhin gegen solche Kriminelle vorzugehen.

Großeinsatz war bereits seit mehreren Wochen geplant

Der Einsatz fand unter Federführung der Abteilung für Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Oldenburg statt. Alexander Kreye, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Cloppenburger Polizeiinspektion dankte der Staatsanwaltschaft für die vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit. Diese habe zu den erfolgreichen Ermittlungen geführt. Es sei gelungen, die Strukturen der Organisierten Kriminalität aufzuhellen und deren kriminelles Vorgehen mit dem Einsatz zu zerschlagen. Langwierige und intensive Ermittlungen seien dem vorausgegangen.

Sportsbar in Steinfeld: Spielgeräte werden am Dienstagnachmittag in den Lkw der Polizei geladen. Foto: MeyerSportsbar in Steinfeld: Spielgeräte werden am Dienstagnachmittag in den Lkw der Polizei geladen. Foto: Meyer

Der Großeinsatz am Dienstagnachmittag war nach Polizeiangaben seit mehreren Wochen geplant. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Oldenburg hat demnach ein Richter eine Vielzahl von Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsbeschlüssen sowie 3 Haftbefehle erlassen. Die Beweismittel muss die Polizei nun sichten und auswerten. Dies soll noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, bestätigt Sprecherin Buse.

Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta wurde bei dem Großeinsatz von vielen externen Einsatzkräften unterstützt, darunter von der Polizeidirektion Oldenburg und Lüneburg mit ihren Diensthunden, die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen, das Landeskriminalamt Niedersachsen, die Polizeidirektion Hannover sowie die Polizeiinspektionen Oldenburg-Stadt/Ammerland und Diepholz. Beteiligt waren demnach auch die Steuerfahndung Oldenburg sowie der Landkreis Vechta.

Durchsucht den Dachboden nach Beweismitteln:  Ein Polizeibeamter in der Lohner Lindenstraße. Anwohner einer benachbarten Senioreneinrichtung schauen begeistert zu. Auf der anderen Straßenseite haben die Besucher der Terrasse eines Eiscafés einen Logenplatz für die Polizeimaßnahmen.  Foto: M. NiehuesDurchsucht den Dachboden nach Beweismitteln:  Ein Polizeibeamter in der Lohner Lindenstraße. Anwohner einer benachbarten Senioreneinrichtung schauen begeistert zu. Auf der anderen Straßenseite haben die Besucher der Terrasse eines Eiscafés einen Logenplatz für die Polizeimaßnahmen.  Foto: M. Niehues

Sogar Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme äußerte sich am Dienstagabend nach dem Einsatz. Er sprach den Kolleginnen und Kollegen seinen Dank "für ihre akribische Ermittlungsarbeit" aus. "Dieses Ermittlungsverfahren zeigt, dass derart hochkomplexe Strafverfahren oftmals langwierige Ermittlungen erfordern", sagte er. Die Einrichtung ständiger Ermittlungsgruppen am Sitz der Polizeiinspektionen ermögliche auch künftig, derartigen "Kriminalitätsformen effektiv und nachhaltig zu begegnen."

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