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Planungen und das Prinzip Hoffnung

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Die Urlaube für 2022 sind geplant, Corona ist immer noch da. Und so hofft man, dass es diesmal klappen möge, Bertolt Brecht zum Trotz.

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Erinnern Sie sich noch an den Januar 2020? Damals, vor gefühlten Ewigkeiten, hat man sich kurz nach dem Jahreswechsel (und um dem tristen, grauen mitteleuropäischen Winterwetter symbolisch etwas entgegenzusetzen) Gedanken darüber gemacht, wohin man im Laufe des Jahres denn so in den Urlaub reisen könnte. Und hat dann –familiär breit akzeptierte Vorschläge vorausgesetzt – auch gleich die Planungen in Angriff genommen. Sprich: gebucht. Hotel oder Ferienwohnung, bei Bedarf Flug oder Bahn, Mietwagen vor Ort, vielleicht auch ein Wohnmobil. Diese Grippewelle in China war ja weit weg, nach China sollte es ohnehin nicht gehen, was also soll schon dazwischen kommen?!

Es kam was dazwischen, und da steht es immer noch. Corona führte uns wie einst Bertolt Brecht die „Unzulänglichkeit menschlichen Planens“ vor Augen. „Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan. Geh‘n tun sie beide nicht“, ließ Brecht uns 1928 in der Dreigroschenoper wissen. Wie wahr, wie wahr.

"Ab jetzt also regiert rein urlaubstechnisch das Prinzip Hoffnung."Heiner Stix

Doch der Mensch ist ja flexibel. Dank Sonderregelungen, Kulanz oder Reiserücktrittsversicherung ließen sich die für 2020 geschmiedeten Pläne zumeist abändern, streichen oder um ein Jahr verschieben. Letzteres war – Stichwort Unzulänglichkeit – nur bedingt hilfreich, auch 2021 fielen Skiurlaube im Winter, Städtereisen im Frühjahr und Fernreisen im Sommer wieder reihenweise der Pandemie zum Opfer. Längst gezahlte Vorschüsse gammelten weiter auf den Konten diverser Reiseveranstalter vor sich hin und wurden – Stichwort Inflation – nahezu täglich weniger wert.

Jetzt also ein neuer Anlauf. Diesmal muss es doch klappen. Zumindest im Sommer. Da ist Corona ja immer quasi weg, wie wir wissen. Und überhaupt: geimpft, geboostert, getestet, das geht auf jeden Fall. Außerdem ist Schweden/Italien/Spanien/Frankreich/Dänemark/Thailand/Kanada/Österreich (Nichtzutreffendes bitte streichen) dann sicher kein Risikogebiet mehr und beim Impfen sowieso viel weiter als wir. Brecht hin oder her: Das wird schon klappen.

Und so buchen wir also fleißig die Highlights des Jahres. Eine Woche im Frühjahr hier, 3 Wochen im Sommer da. Den Herbst lassen wir mal noch offen, ist ja noch lang hin, ein Wanderurlaub in der Fränkischen Schweiz wär' mal schön, blöd nur, wenn’s die ganze Zeit regnet, man weiß ja nicht, ja, ne, komm, kümmern wir uns später drum, vielleicht kurzfristig, irgendwas geht immer.

Ab jetzt also regiert rein urlaubstechnisch das Prinzip Hoffnung. Hoffnung auf harmlose Virusvarianten, auf kulante Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Hotelbetreiber, auf weiter verbesserte Impfstoffe, wirksame Medikamente und steigende Impfquoten. Und darauf, dass Brecht dieses eine Mal falsch liegen möge.


Zur Person:

  • Heiner Stix ist Redakteur der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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