Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Planer entwickeln Idealzustand für Zentralklinikum Vechta-Lohne

Ein Betriebsorganisationskonzept soll die Grundlage für die finale Entscheidung liefern. Die große Unbekannte ist und bleibt die Finanzierung.

Artikel teilen:
Die Standortfrage ist weiter unklar. Neben einem Neubau auf der Grünen Wiese kommt nach wie vor eine innerstädtische Lösung in Betracht. Denkbar wäre ein Bau auf dem Gelände des St. Marienhospitals in Vechta. Foto: Speckmann

Die Standortfrage ist weiter unklar. Neben einem Neubau auf der Grünen Wiese kommt nach wie vor eine innerstädtische Lösung in Betracht. Denkbar wäre ein Bau auf dem Gelände des St. Marienhospitals in Vechta. Foto: Speckmann

Als der Beirat für das Zentralklinikum Vechta-Lohne im Februar dieses Jahres zu seiner ersten Sitzung zusammenkommt, träumen einige Vertreter schon vom Richtfest. Doch dieses Ziel rückt in den folgenden Monaten zunehmend in weite Ferne. Eine erneute Standortdebatte und die ungewisse Finanzierung dämpfen die Hoffnungen auf das millionenschwere Bauvorhaben. Zum Jahresende scheint es fast so, als wären die Pläne des Krankenhausträgers ins Stocken geraten.

„Was die Zusammenlegung der Krankenhäuser Vechta und Lohne angeht, planen wir derzeit intern und intensiv.“Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung

Der Vorstandsvorsitzende der Schwester-Euthymia-Stiftung, Ulrich Pelster, will angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes nicht leugnen, dass das für den Sommer angekündigte Entscheidungsdatum in der Standortfrage längst verstrichen ist. Untätigkeit bei der Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung will er sich jedoch nicht vorwerfen lassen. „Was die Zusammenlegung der Krankenhäuser Vechta und Lohne angeht, planen wir derzeit intern und intensiv“, erklärt Pelster.

Pelster hält öffentliche Diskussion für nicht immer zielführend

In die Karten gucken lässt sich der Träger der Krankenhäuser jedoch nur ungern. Er habe in diesem Jahr die Erfahrung gemacht, dass eine öffentliche Diskussion nicht immer zielführend sei, sagt Pelster und kommt zu der Erkenntnis: „Bevor wir nicht in möglichst vielen relevanten Punkten, die auch über bauliche Gegebenheiten hinausgehen, Klarheit haben, möchten wir über die Planungsvarianten nicht öffentlich sprechen.“

Sieht keinen Zeitdruck bei der Planung: Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung. Foto: SpeckmannSieht keinen Zeitdruck bei der Planung: Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung. Foto: Speckmann

Neben einem Neubau auf der Grünen Wiese, etwa im bewaldeten Gebiet an der Diepholzer Straße in Vechta, kommt nach wie vor eine innerstädtische Lösung in Betracht. Eine Einbeziehung der Liebfrauenschule hat der kirchliche Träger nach zwischenzeitlichen Überlegungen zwar ausgeschlossen. Aber ein Bau auf dem Gelände des St. Marienhospitals wäre laut Pelster auch nicht ausgeschlossen.

Losgelöst von der Standortfrage arbeitet der Krankenhausträger zurzeit an einem so genannten Betriebsorganisationskonzept. Ein Fachbüro aus Köln ist damit beauftragt, „den Idealzustand für ein zusammengelegtes Krankenhaus zu entwickeln“, berichtet Pelster. Die Inhalte reichten über ein Raum- und Funktionsprogramm weit hinaus. Mit Blick in die Zukunft würden die Fachleute auch Bevölkerungs- und Leistungsentwicklungen einbeziehen.

Ärzte und Pflegekräfte sollen Wörtchen mitreden

Bei der Berücksichtigung der einzelnen Klinikbereiche, von der Ambulanz bis zum Operationssaal, sollen auch Ärzte, Pflegekräfte und Stationsleitungen ein Wörtchen mitreden. „Sie können und müssen sich einbringen. Das wird nicht nur am Verwaltungstisch entschieden“, betont der Manager. Die Gespräche würden sich über einige Monate hinziehen und voraussichtlich bis Mitte 2022 dauern.

Darüber hinaus steht der Krankenhausträger im Austausch mit Hannover. Ministerium, Kostenträger und Niedersächsisches Landesamt für Bau und Liegenschaften sind wichtige Ansprechpartner bei der Betrachtung von Leistungsstrukturen, etwa der Substitution von stationären durch ambulante Angebote. „Solche Entwicklungen haben Einfluss auf unsere Krankenhausplanung. Man kann das eine nicht ohne das andere sehen“, sagt Pelster.

Klinikverbund will langfristige Strategie formulieren

Ein weiterer Aspekt ist die langfristige Strategie des katholischen Klinikverbundes mit seinen Häusern in Vechta, Lohne, Damme und Cloppenburg. Hier geht es um grundsätzliche Ziele, die neben der Konzentration und dem Aufbau von Leistungsbereichen unter anderem auch die Ausbildung von Fachkräften umfasst. Der frisch erarbeitete Entwurf soll voraussichtlich im Februar 2022 in den Gesellschafterversammlungen abgesegnet werden.

Die große Unbekannte ist und bleibt die Finanzierung. Der aktuelle Strukturfonds, der jeweils zur Hälfte von Land und Bund gespeist wird, umfasst 355 Millionen Euro. Diese Summe wird für das Bauvorhaben im Landkreis Vechta sowie die Projekte der drei Mitbewerber aus dem Landkreis Diepholz, dem Heidekreis sowie dem hinter vorgehaltener Hand favorisierten ostfriesischen Georgsheil definitiv nicht ausreichen. Ihr Antragsvolumen beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Euro.

Das Zentralklinikum Vechta-Lohne ist mit einem Investitionsvolumen von rund 220 Millionen Euro veranschlagt. Die Kostenschätzung stammt aus dem Jahr 2019 und dürfte inzwischen überholt sein, wie Pelster auf Nachfrage einräumt. Neben den allgemeinen Preissteigerungen sind zudem noch Planungskosten im sechsstelligen Bereich zu berücksichtigen, deren Übernahme vom Land unlängst abgelehnt wurde. Allein das aktuelle Betriebsorganisationskonzept schlägt schon mit 150.000 Euro zu Buche.

Unterlagen werden ab Mitte 2022 geprüft

Ob ein einzelnes Projekt Chancen auf Förderung hat, kann nach Angaben des Niedersächsischen Sozialministeriums zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden. „Ab Mitte 2022 wird mit entscheidungsreifen, baufachlich geprüften Unterlagen der Antragsteller gerechnet. Ab diesem Zeitpunkt kann der Planungsausschuss dann Empfehlungen für die Entscheidung der Landesregierung geben“, erklärt Pressesprecher Oliver Grimm auf Anfrage.

„Wenn keine Mittel aus dem Strukturfonds fließen, dann müssen wir andere Töpfe anzapfen“, sagt Pelster. Eine Alternative wäre die Inanspruchnahme von jährlichen Einzelfördermitteln, wie es in der Vergangenheit schon bei anderen Maßnahmen der Fall gewesen sei. Grundsätzlich sei eine spürbare Aufstockung der Fördertöpfe erforderlich, meint der Klinikvertreter und schließt sich damit den inzwischen vielerorts geäußerten Forderungen aus Gesundheitswesen und Politik an.

Papier der neuen Ampel-Koalition macht Hoffnung

Etwas Hoffnung macht dem Vorstandsvorsitzenden der Schwester-Euthymia-Stiftung ein Papier der neuen Ampel-Koalition in Berlin. Demnach soll eine kurzfristig eingesetzte Regierungskommission neue Empfehlungen für eine Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung vorlegen. Dazu könnte im Rahmen eines Bund-Länder-Paktes auch eine bedarfsgerechte Investitionsförderung gehören.

In welchem Umfang sich der Landkreis Vechta an der Finanzierung beteiligen soll, steht für den Diplom-Kaufmann aktuell nicht zur Debatte. Über diese Unterstützung sollten die Beteiligten sprechen, wenn ein konkreter Plan vorliege. Dafür müsse zunächst das Betriebsorganisationskonzept abgeschlossen sein. „Es bildet die Grundlage für eine finale Entscheidung. Dann müssen wir sehen, was machbar ist – baulich und finanziell.“

Dass der öffentliche Ruf nach vorzeigbaren Ergebnissen derweil immer lauter wird, zumal der Nachbarkreis Diepholz inzwischen große Fortschritte bei der Planung einer Zentralklinik macht, nimmt Pelster relativ gelassen. „Es gibt derzeit keinen Zeitdruck“, sagt er und verweist auf den Zustand der hiesigen Krankenhauslandschaft: „Wir haben unverändert eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung im Kreis Vechta.“

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Planer entwickeln Idealzustand für Zentralklinikum Vechta-Lohne - OM online