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Pflegerin freigesprochen vom Verdacht des Betruges

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt –  Einer Pflegerin wird vorgeworfen, unter Angabe falscher Tatsachen ein Darlehen von einer älteren Dame bekommen zu haben. Aber stimmt das auch?

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Die Anklage, der Auftritt der Angeklagten und auch der Auftritt der Geschädigten deuteten auf eine höchst interessante Strafgerichtsverhandlung hin. Das Opfer hatte nämlich einen Rechtsanwalt als „Zeugenbeistand“ mitgebracht, die Angeklagte hingegen erschien ohne den angekündigten Verteidiger. Sie habe ihn sich nicht leisten können, gab die Frau zu. 

Die kommt aus dem Südkreis Vechta und arbeitete als Pflegerin. Die Anklage warf der 41-Jährigen nun vor, in 7 Fällen zusammen 18.600 Euro von einer 81-Jährigen aus Neuenkirchen-Vörden als Darlehen bekommen zu haben. Dabei habe die 41-Jährige, die sich um das Opfer gekümmert hatte, falsche Angaben gemacht. Also ein Fall von Betrug?

Die aufgebrachte Angeklagte erklärte direkt, sie habe sich kein Geld von der Rentnerin geliehen. Der habe sie umgekehrt 150 Euro gegeben. Das sei der richtige Sachverhalt.

Keine Gespräche, kein Aufklärungsversuch: Die Angeklagte fühlt sich vorverurteilt

Die Pflegerin legte der Strafrichterin dann Papiere vor, aus denen hervorging, dass sie bei ihrer Bank zusammen mit ihrem Mann ein Darlehen über 35.000 Euro abgeschlossen hatte. Warum hätte sie das tun sollen, wenn Geld in der Haushaltskasse gewesen wäre? Sie habe von der 81-Jährigen nichts bekommen, versicherte die 41-Jährige. Ihr Verhältnis zu der Frau sei gut gewesen. Sie sei auch immer davon ausgegangen, dass die 81-Jährige mit ihrer Arbeit zufrieden sei.

Nun hätten sich die Vorwürfe gegen sie herumgesprochen. Ihr sei gekündigt worden. Der 81-Jährigen indes sei bedenkenlos geglaubt worden. Mit ihr habe es keine weiteren Gespräche und Aufklärungsversuche gegeben, klagte die Pflegerin. Ihre Zahlung von 150 Euro an das Opfer sei erfolgt, da sie privat für die Frau gebügelt und auf deren Hund aufgepasst habe. Das habe sie als Pflegerin nicht tun dürfen. Deshalb habe sie das Geld dafür zurückgegeben.

Die 81-Jährige las dann als Zeugin vor, was ihr Zeugenbeistand ihr aufgeschrieben hatte: An welchen Tagen sie das Geld von der Bank geholt und an die Pflegerin in einem Umschlag übergeben haben will. Es habe keine schriftlichen Aufzeichnungen gegeben. Das habe die Pflegerin ausdrücklich nicht gewünscht und sie habe der Frau vertraut.

Irgendwann habe sie aber Zweifel bekommen, ob sie das Geld  zurückbekomme. Die Pflegerin habe ihr gesagt, die Zahlungen in Höhe von 1000, 1500, 2500 und schließlich 10.000 Euro seien für ein Motorrad und ein Auto. Und: Ja, mit der Arbeit der Angeklagten sei sie stets zufrieden gewesen. 

Die Beweise fehlen, die Zweifel bleiben

Ein Hausbewohner, der eine Bankvollmacht für das Konto der Seniorin hat und gleichzeitig ihr Untermieter ist, erklärte als Zeuge: Er habe die alte Dame immer zur Bank gefahren und das sei dann plötzlich immer öfter geworden. Über den Grund des häufigen Bankbesuches habe die Frau aber nichts sagen wollen.

Für den Staatsanwalt war dennoch klar: Es fehlte jeglicher Beweis für den Verdacht des Betruges. Die Angeklagte trotz des angeblichen Darlehens einen Kreditvertrag bei ihrer Bank wegen des Motorrades und des Autos ihres Ehemannes abgeschlossen. Das passe mit dem Vorwurf nicht zusammen. Die Strafrichterin folgte dem Staatsanwalt, merkte jedoch an, dass es zwar keine Beweise, aber immerhin Zweifel gebe. Im Zweifel sei die Angeklagte aber freizusprechen. Die wiederum erklärte abschließend, sie habe den Beruf der Pflegerin aufgegeben, um nicht noch einmal in eine solche Situation zu geraten.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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