Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Pflegehaus rundet Vreeser Projekt ab

Weil es im Dorf keine Betreuungsmöglichkeiten gab, entwickelten die Bewohner vor etwa 15 Jahren einen eigenen Plan, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Er nähert sich jetzt der Vollendung.

Artikel teilen:
Gemütlich: Architektin Andrea Niedenhof, Alfons Schrandt und Heribert Kleene (von links) nehmen auf den neuen Möbeln  Platz. Foto: Meyer

Gemütlich: Architektin Andrea Niedenhof, Alfons Schrandt und Heribert Kleene (von links) nehmen auf den neuen Möbeln  Platz. Foto: Meyer

Das neue Pflegehaus in Vrees ist so gut wie fertig. Mitte der Woche wurde die Einrichtung geliefert und aufgebaut. 5 der 12 Zimmer sind bereits vergeben. Die ersten Mieter sollen ab Juni einziehen.

Mit dem Gebäude rundet die Gemeinde ihr vielbeachtetes „Alt werden“-Projekt ab. Nach dem Bau seniorengerechter Wohnungen sowie der Schaffung von Betreuungsangeboten rund um das Bürgerhaus, finden jetzt auch Menschen mit Pflegebedarf eine Möglichkeit, um selbstbestimmt und möglichst eigenständig im Ort leben zu können. Denn genau darum geht es dem Verein „Wir für Euch - Altwerden in Vrees“.

Das Pflegehaus sei kein Seniorenheim, stellt Bürgermeister Heribert Kleene ausdrücklich klar. Die Gemeinde vermietet die Zimmer an Alleinstehende, aber auch an Paare. Eines wird bald einziehen. Es bekommt das aus zwei Räumen bestehende Familienzimmer. „Die beiden waren schon bei der ersten Besichtigung begeistert“, berichtet Kleene. Was ihm wichtig ist: „Jeder entscheidet selbst darüber, wen er ins Zimmer hineinlässt.“ Ja nach Pflegebedarf können die Senioren aber zusätzliche Versorgungspakete buchen.

Pflanzen als Vorbild: Das Farbkonzept passt sich der regionalen Flora an. Foto: MeyerPflanzen als Vorbild: Das Farbkonzept passt sich der regionalen Flora an. Foto: Meyer

Im Zentrum zwischen den beiden Gebäudeflügeln hat Architektin Andrea Niedenhof eine Gemeinschaftsküche eingeplant. Eine Hauswirtschafterin wird  künftig für die Bewohner kochen. Den Essensplan stellt sie zusammen mit ihnen auf. Wer will, kann dem Kochprofi helfend zur Hand gehen. „So entsteht Gemeinschaft“, erklärt Niedenhof die Absicht dahinter. Gegessen wird am Tisch im großen Esszimmer.  Eine Couchecke und ein Kamin sorgen dort für Gemütlichkeit. In ihren Zimmern verfügen die Mieter außerdem über eine eigene kleine Küchenzeile mit Mikrowelle.

Probleme während der über einjährigen Bauzeit gab es nicht, sagt die Architektin. Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Besonders Alfons Schrandt habe ihr jederzeit hilfreich zur Seite gestanden.  Niedenhof hatte  zuvor unter anderem die Innenarchitektur des Cloppenburger Hospiz "Wanderlicht" entworfen. Eine Blaupause für Einrichtungen dieser Art gebe es aber nicht, betont sie. „Jedes Gebäude ist anders.“ Für Vrees entwickelte Niedenhof ein eigenes Farb- und Lichtkonzept, das besonders dementiell Erkrankten die Orientierung im Haus erleichtern soll. Auch die ortstypischen Pflanzen - von der Eiche bis zur Mohnblume - finden sich farblich in den Räumen wieder.

Eröffnungsfeier muss wegen Corona ausfallen

Der 2008 gegründete Arbeitskreis hatte das Pflegehaus bereits in seine ersten Planungen aufgenommen. „Es war klar, dass unser Konzept nur dann stimmig sein würde, wenn wir auch ein Angebot für die letzte Lebensphase machen können“, sagt Kleene. Der Bau sei auch aus finanziellen Gründen hinausgeschoben worden. „Für eine kleine Gemeinde ist solch ein Vorhaben nicht leicht zu stemmen“, erklärt der Bürgermeister. 2019 dann war es endlich soweit. Inzwischen hatte Vrees mit seinem  Ansatz bundesweit so viel Furore gemacht, dass bei der Grundsteinlegung öffentliche Mittel in erheblichem Umfang feststanden. Auf ein Richtfest musste die Gemeinde coronabedingt verzichten und auch eine feierliche Eröffnung fällt aus. „Das ist schade, denn wir hätten dem Dorf das Gebäude gern von innen gezeigt“, bedauert Niedenhof. Im Außenbereich gibt es dagegen noch viel zu tun. Entstehen werden eine Außenterrasse mit  Demenzgarten  und ein Sportpark.

Hilfreicher Farbwechsel: Er ist nötig, um Demenzkranke nicht in ihrer Wahrnehmung zu stören. Foto: MeyerHilfreicher Farbwechsel: Er ist nötig, um Demenzkranke nicht in ihrer Wahrnehmung zu stören. Foto: Meyer

Geleitet wird das Pflegehaus künftig von der Caritas. Neben Fachkräften sollen sich aber möglichst viele Ehrenamtliche, sogenannte „Kümmerer“, aktiv engagieren. Eine digitale Kommunikationsplattform  bündelt die einzelnen Angebote. So sollen zum Beispiel Gottesdienstübertragungen per Live-Stream möglich sein. Da trifft es sich gut, dass die Gemeinde fast zeitgleich ein neues Glasfasernetz erhält. „Manchmal muss man den Sack nur noch zumachen“, stellt Heribert Kleene zufrieden fest.  

Im Bürgerhaus laufen auch künftig alle Fäden zusammen. Wer eine Mitarbeit erwägt, kann sich dort melden. Auch Zimmerinteressenten finden dort einen Ansprechpartner (Telefon 04479-94840) . Um einziehen zu dürfen, ist mindestens Pflegestufe zwei erforderlich. Das Angebot steht auch Auswärtigen offen. Gebürtige Vreeser würden allerdings bevorzugt, betont Alfons Schrandt.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Pflegehaus rundet Vreeser Projekt ab - OM online