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Pflegedienst: Impfpflicht führt zu Verlust von Fachkräften

Der Pflegedienst "pro vita" in Vechta befürchtet eine Verschärfung des Personalmangels. Ein öffentlicher Impftermin soll einen Beitrag zum Schutz der Mitarbeiter leisten.

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Werben fürs Impfen: Die Geschäftsführer des kreisweit tätigen Pflegedienstes „pro vita“, Reinhard Schwill und Lena Fuchs, wollen mit der Aktion am kommenden Freitag vor allem einen Beitrag zum Schutz ihrer Mitarbeiter leisten. Foto: Speckmann

Werben fürs Impfen: Die Geschäftsführer des kreisweit tätigen Pflegedienstes „pro vita“, Reinhard Schwill und Lena Fuchs, wollen mit der Aktion am kommenden Freitag vor allem einen Beitrag zum Schutz ihrer Mitarbeiter leisten. Foto: Speckmann

Der Pflegedienst „pro vita“ leistet einen Beitrag zur bundesweiten Impfkampagne. Die eigene Belegschaft ist nahezu komplett geimpft, aber im Umfeld der Mitarbeiter gibt es durchaus noch Luft nach oben. Aus diesem Grund bietet der Betrieb an der Oyther Straße in Vechta am Freitag (7. Januar) einen öffentlichen Impftermin an und setzt damit ein Zeichen im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Bürger können Impfangebot nutzen

Der kreisweit tätige Pflegeanbieter hat sich auf die Fahne geschrieben, nicht nur seinen Mitarbeitern ein Impfangebot durch die Betriebsärztin zu machen, sondern durch die geplante Aktion nun auch Freunde und Verwandte zu erreichen, die möglichweise noch gar nicht geimpft sind oder sonst noch mehrere Wochen auf einen Auffrischungstermin warten müssten. Auch interessierten Bürgern steht das kostenlose Angebot offen.

„Wir können das Problem nur beseitigen, wenn wir uns alle impfen lassen. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten“, erklären die Geschäftsführer Reinhard Schwill und Lena Fuchs unisono. Ihre Eigeninitiative soll deutlich machen, dass es ihnen nicht nur um den Schutz der Kunden gehe, sondern auch um die eigenen Mitarbeiter, die durch ihre pflegerische Tätigkeit im ständigen Kontakt mit Menschen stehen.

Der Großteil der Belegschaft geht mit gutem Beispiel voran. Laut Geschäftsleitung gibt es unter den insgesamt 140 Voll- und Teilzeitkräften aktuell nur vier Personen, die nicht gegen Corona geimpft sind. Der im Vergleich zur Bevölkerung geringe Anteil dürfte im Frühjahr komplett schwinden, wenn die vom Bundestag beschlossene Impfpflicht für das Gesundheitswesen greift und sämtliche Mitarbeiter einen Nachweis erbringen müssen.

Allerdings geht der heimische Pflegedienst davon aus, dass die vier besagten Personen sich auch in den verbleibenden Wochen nicht impfen lassen, sondern stattdessen ihren Arbeitsplatz aufgeben werden. Es seien persönliche Gespräche geführt worden, um sie vom Impfen zu überzeugen, berichtet Schwill. Aber die Bedenken gegenüber den Impfstoffen seien wohl zu groß.

"Was durch die politische Entscheidung auf uns zukommt, ist ein Dilemma.“Reinhard Schwill, Geschäftsführer des Pflegedienstes „pro vita“

„Was durch die politische Entscheidung auf uns zukommt, ist ein Dilemma“, sagt Schwill. Die Impfpflicht für das Gesundheits- und Pflegepersonal ziehe einen Verlust von Mitarbeitern nach sich, den sich seine Branche angesichts des ohnehin schon bestehenden Fachkräftemangels nicht erlauben könne. Mit dieser Befürchtung stehe er nicht allein da, auch aus anderen Pflegediensten bekäme er entsprechende Rückmeldungen.

Für den Geschäftsführer greift das Gesetz zu kurz. Er hätte sich eine Impfpflicht für alle Menschen gewünscht. Dann würde auch nicht die Gefahr einer Abwanderung in andere Wirtschaftsbereiche bestehen. Nun mache sich in seinem Haus ein „schuldiges Gefühl“ breit, dass die Pflegekräfte für andere Menschen etwas ausbaden müssen. Dabei seien sie noch vor einem Jahr als Helden der Pandemie betitelt worden.

Klärungsbedarf in arbeitsrechtlichen Fragen

Klärungsbedarf sieht der Unternehmer auch noch in der Gesetzeslage. Vom Landkreis Vechta habe es zwar schon Informationen zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht gegeben, aber es bestünden noch Unsicherheiten, insbesondere im Hinblick auf den arbeitsrechtlichen Umgang mit nicht-geimpften Mitarbeitern. „Mit den Fragen müssen wir uns jetzt auseinandersetzen. Man weiß nicht, wie ein Arbeitsgericht entscheidet.“

Die Absicht des Gesetzgebers, vor allem die sogenannten vulnerablen Gruppen, also Personen, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, zu schützen, kann Mitgeschäftsführerin Fuchs nachvollziehen. Aber sie sieht hier auch andere Branchen gefordert, wo sich ebenfalls viele Kontakte mit Kunden oder Kollegen ergeben würden, die aufgrund des gesundheitlichen Risikos besonders geschützt werden müssten.

Eine Ungleichbehandlung sieht Fuchs auch in der täglichen Arbeit der Pflegekräfte. Die Mitarbeiter würden diverse Schutzmaßnahmen ergreifen, etwa FFP2-Maske tragen und sich inzwischen täglich testen. Dabei sei das Personal einem Infektionsrisiko ausgesetzt, denn verschärfte Regeln für ihr Gegenüber gebe es nicht. „Auch unsere Kunden haben eine Verantwortung, die Mitarbeiter zu schützen.“

Nur vereinzelte Infektionsfälle in der Belegschaft

Nach Angaben der Geschäftsführung seien in der Belegschaft von „pro vita“ bisher nur vereinzelte Corona-Fälle registriert worden. Infektionsketten seien glücklicherweise nicht entstanden. Der ambulante Dienst betreue etwa 450 Kunden im Landkreis Vechta. Hinzu komme eine Tagespflege mit 18 Personen und eine Senioren-Wohngemeinschaft mit 38 Plätzen. In der Einrichtung habe es bisher keinen Vorfall gegeben.

Neben dem Aufruf zum regelmäßigen Testen geht der Pflegedienst nun mit der Organisation des Impftermins in Kooperation mit Betriebsärztin Dr. Heike Borrosch einen Schritt weiter. Unter den bisher 30 Anmeldungen befinden sich Angehörige der Pflegekräfte und auch einige Kunden. „Das ist genau das, was wir erreichen wollen, um unsere Mitarbeiter zu schützen“, freut sich Fuchs über die Bereitschaft.

  • Info: Der Impftermin findet am Freitag (7. Januar) von 14 bis 18 Uhr im Pflegedienst „pro vita“, Oyther Straße 3, in Vechta statt. Anmeldungen sind bis Mittwoch unter Telefon 04441/921880 oder E-Mail info@provita-pflegedienst.de möglich.

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