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Pferdekrematorium eröffnet in Badbergen

Den Trend zur Einäscherung gibt es nicht nur bei  Menschen. Immer mehr Deutsche bestatten auch ihre Tiere in einer Urne. In Badbergen können jetzt auch Pferde pietätvoll verbrannt werden.

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Arndt Nietfeld zeigt die Technik des 360 Tonnen schweren Kremierungsofens.  Fotos: Freiwald

Arndt Nietfeld zeigt die Technik des 360 Tonnen schweren Kremierungsofens.  Fotos: Freiwald

Wer die helle Eingangshalle betritt, dem fällt als erstes das überdimensionale Bild an der Wand mit 2 Pferden auf einer Weide im stimmungsvollen Abendlicht auf. "Wenn du gehst, wo gehe ich dann hin?", steht auf dem Bild. Auf einem Regal sind Urnen und Pflanzen platziert. Kein Wunder, denn die Nietfelds sind Bestatter, genauer gesagt: Tierbestatter. Seit rund 20 Jahren betreibt die Familie unter dem Namen "Rosengarten" ein Kleintierkrematorium in Badbergen. Jetzt werden die Tiere größer: Am Freitag eröffnete ebenfalls in der Artlandgemeinde ein Krematorium für Pferde. Es ist das 4. in ganz Deutschland.  

Erst vor 4 Jahren hat der Gesetzgeber den Weg dafür frei gemacht, dass Pferde in Deutschland eingeäschert werden dürfen, erklärt Rosengarten-Chef Arndt Nietfeld. Vorher hätten Pferde ausschließlich als Nutztiere gegolten, und die mussten ihren letzten Weg zum Abdecker antreten. Bei "Rosengarten" soll es jetzt würdiger und pietätvoller möglich sein, Abschied von seinem geliebten Tier zu nehmen. 

Der Ofen ist eine Spezialanfertigung

Der Ofen, in dem die Pferde kremiert werden, stammt laut Nietfeld von einem Spezialhersteller und wurde gemeinsam mit "Rosengarten" entwickelt. Die Herausforderung habe darin bestanden, eine effiziente und umweltschonende Anlage zu entwickeln und gleichzeitig einen würdevollen Rahmen zu schaffen.  

Familienunternehmen: (von links) Wolfgang, Gisela, Arndt und Nicola Nietfeld vor dem neuen Ofen im Pferdekrematorium.Familienunternehmen: (von links) Wolfgang, Gisela, Arndt und Nicola Nietfeld vor dem neuen Ofen im Pferdekrematorium.

Doch die Bestattung beginnt für Nietfeld und sein Unternehmen bereits vorher. Wer möchte, kann sein Tier abholen lassen. Was beim Menschen der Leichenwagen, ist bei "Rosengarten" ein eigens konstruierter Anhänger. Das tote Pferd wird in eine Art Schale gelegt und diese dann mit einer Seilwinde auf den Anhänger gezogen. Bevor das Tier seine letzte Reise antritt, wird es vor dem Ofen aufgebahrt. Nebenan befindet sich ein Raum für die Angehörigen. Über ein Fenster können die Besitzer Abschied von ihrem Pferd nehmen, erklärt der Bestatter. Jeder Schritt solle so würdevoll und diskret wie möglich gestaltet sein.

In dem 360 Tonnen schweren Ofen herrschen laut Nietfeld mehr als 700 Grad. Je nach Größe des Pferdes dauere die Einäscherung zwischen 2 und 4 Stunden. Am Ende bleibt vom Pferd nur noch gemahlene Asche übrig, die der trauernde Besitzer in einer Urne mit nach Hause nehmen kann. Er kann sich auch so genannten Ascheschmuck fertigen lassen. In die Anhänger würden Asche und Haare der Tiere eingearbeitet.  Oder er lässt sich gleich einen Edelstein aus der Asche herstellen. 

TV-Hundecoach Rütter zählt zu den Kunden

Wie bei menschlichen Bestattungen boomen laut Nietfeld auch bei Tieren die Einäscherungen. Im Jahr 2002 hat seine Familie das erste Tierkrematorium in Badbergen gebaut. "Das war von massiven Protesten begleitet worden", erinnert sich der Firmenchef. Die Anwohner hätte Angst gehabt vor Gestank und Staub. Das sei mittlerweile widerlegt; dank der Anlagenfilter.

Erinnerung ans geliebte Pferd: Die trauernden Besitzer können ein paar Haare und etwas Asche in einen Anhänger einarbeiten lassen. Erinnerung ans geliebte Pferd: Die trauernden Besitzer können ein paar Haare und etwas Asche in einen Anhänger einarbeiten lassen. 

Inzwischen gibt es rund 40 Rosengarten-Filialen und 7 Krematorien, die Nietfelds in Deutschland betreiben. Auch TV-Hundecoach Martin Rütter habe seinen Liebling Mina bei Rosengarten bestatten lassen. Und Nicola Nietfeld, Ehefrau von Arndt Nietfeld, leitet eine Stiftung, die hilft, bedürftigen Menschen die Anschaffung eines Assistenzhundes zu ermöglichen.   

2.000 Euro kostet die Bestattung eines Pferdes

"Der Heimtiermarkt an sich wächst stark", nennt der 33-Jährige einen Grund für das Wachstum seines Unternehmens. Aus dem klassischen Hofhund früherer Jahre sei ein Familienmitglied geworden. Viele Menschen lebten allein und würden auch deshalb eine intensive Beziehung zu ihrem Haustier entwickeln, vermutet Nietfeld. Da liege es nahe, dass die Besitzer das Andenken an einen treuen Freund würdevoll bewahren wollten. Am meisten würden bei Rosengarten Hunde und Katzen eingeäschert. Aber auch Schlangen, Spitzmäuse, Koi-Karpfen und Wellensittiche hat Nietfeld schon bestattet. 

Das ist in Badbergen jetzt auch für Pferdliebhaber möglich. Rund 2.000 Euro koste die Bestattung eines großen Pferdes, die eines Ponys liegt bei rund 1.500 Euro. "Es gibt eine Million Pferde, die privat gehalten werden", sagt der Badberger. Dementsprechend groß sei die Zielgruppe der Hobbyreiter. 

Abschied nehmen: Von einem Fenster aus können die Pferdebesitzer zusehen, wie ihr Tier nach rechts in den Krematoriumsofen geschoben wird. Das Einäschern dauert nach Angaben von Arndt Nietfeld zwei bis vier Stunden. Abschied nehmen: Von einem Fenster aus können die Pferdebesitzer zusehen, wie ihr Tier nach rechts in den Krematoriumsofen geschoben wird. Das Einäschern dauert nach Angaben von Arndt Nietfeld zwei bis vier Stunden. 

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