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Pfarrerin Ute Young nimmt Abschied: "Lohne war die Belohnung"

Die 63-Jährige geht mit Ablauf des Novembers in den Ruhestand. Die evangelische Kirchengemeinde St. Michael in Lohne, in der Ute Young etwa 9 Jahre wirkte, ist ihr ans Herz gewachsen.

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Spürt große Dankbarkeit: Ute Young hat es immer geliebt, Pfarrerin zu sein. "Es ist für mich die schönste Berufung der Welt", sagt die 63-Jährige, die Ende des Monats in den Ruhestand geht. Foto. Timphaus

Spürt große Dankbarkeit: Ute Young hat es immer geliebt, Pfarrerin zu sein. "Es ist für mich die schönste Berufung der Welt", sagt die 63-Jährige, die Ende des Monats in den Ruhestand geht. Foto. Timphaus

Einen kleineren Kalender hat sich Ute Young bereits gekauft. Es ist ein Symbol dafür, dass die 63-Jährige ihren Alltag künftig nicht mehr so durchgeplant bestreitet, wie sie es als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde St. Michael in Lohne muss. Ende dieses Monats geht die gebürtige Ostberlinerin in den Ruhestand.

Young, die zusammen mit ihrem Ehemann Nick vor wenigen Monaten bereits nach Oldenburg – "unserem Alterssitz" – umgezogen ist, freut sich darauf, mehr Zeit für ihre 2 erwachsenen Kinder und ihre 2 Enkelinnen (5 und 8 Jahre) zu haben. Auch den häufigeren Treffen mit ihren Freundinnen sehnt sie entgegen. "Es ist schön, wenn ich nicht mehr meinen Terminkalender abklopfen muss, sondern endlich Zeit für das Spontane habe." Diese Haltung des "Vive la vie" beinhaltet auch mehr Schwimmeinheiten und den Besuch kultureller Events. "Und manchmal ist es toll, einfach ans Meer zu fahren."

Was Young nach etwa 40 Jahren in ihrem geistlichen Beruf ebenfalls reizt: Endlich hat sie mal an Weihnachten frei. Dass sie mit dem Ablegen des Talars in ein Loch fallen könnte, befürchtet sie nicht. Der evangelischen Kirche bleibt sie ehrenamtlich weiter verbunden: als Mitglied im Vorstand des Konvents evangelischer Theologinnen in Deutschland.

Ute Young lobt die "intakte Bürgerschaft" in Lohne

Seit September 2013 hat Young in Lohne gewirkt. In diesen knapp 9 Jahren sind ihr die Stadt und die Menschen ans Herz gewachsen. "Mein Mann sagt immer: 'Lohne war die Belohnung.' Diesen Satz kann ich voll und ganz unterschreiben." In der Stadt in der Mitte des Landkreises Vechta habe sie ihre schönste Zeit als Geistliche erlebt, gesteht sie. "Hier durfte ich Pfarrerin sein, so wie ich es immer wollte." Sie lobt die "intakte Bürgerschaft" und den Gemeinschaftssinn in der Stadt. Ein Beispiel für sie waren die Reaktionen auf die Flüchtlingskrise 2015 und folgend. "In Lohne mussten nicht erst Strukturen geschaffen werden. Die Bevölkerung hat sich zuvor schon eingesetzt."

Integration, Teilhabe, Soziales: Das waren für Young stets zentrale Themen ihres Wirkens. Dabei sei das Dasein als Pfarrerin oft eben auch nur Schreibtischarbeit. "Das Bild vom Geistlichen im Talar passt nicht."

"Ich verspüre große Dankbarkeit. Ich bin froh, dass ich Pfarrerin sein durfte. Es ist für mich die schönste Berufung der Welt."Ute Young, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde St. Michael in Lohne

Nach den Höhepunkten befragt, findet Young nicht so recht eine Antwort. "Vieles war toll." Den Tiefpunkt kann sie hingegen exakt terminieren: Es war im März 2020. "Wir waren fast mit der ökumenischen Kinderbibelwoche fertig. Dann kam der erste Corona-Lockdown. Der Abschluss fiel aus." Ein Schatten legte sich in dieser Zeit auf ihre Arbeit, beschreibt Young die Monate ohne Gottesdienste, ohne Kontakte. "Da ist viel ins Stocken geraten."

Doch wo Schatten ist, da gibt es auch Licht. Young weist auf die Kreativität in der Krise hin. "Meine Erkenntnis lautet: Kirche ist Leben – und stirbt auch nicht, nur weil das Gotteshaus geschlossen ist." Wieder lobt sie Lohne und die Region. "Der Glaube hat hier im Leben der Menschen eine Bedeutung."

Als Beleg zählt sie die teilweise kuriosen Einsegnungen auf, die sie im Laufe der Jahre vornehmen durfte. Darunter waren Kitas, Feuerwehrautos – und auch ein Fischteich. "Es ist den Menschen wichtig, dass etwas mit Gottes Segen geschieht."

Ute Young zeichnet ihr Optimismus aus

Lohne hat Young nach eigenen Angaben noch etwas anderes gezeigt: Die Kirche geht nicht unter, auch wenn immer wieder Krisen zu überstehen sind. "Wir sind nur das Bodenpersonal – und können es gar nicht schaffen, dass Kirche kaputt geht." An dieser Stelle klingt er heraus, der immerwährende Optimismus, der Young auszeichnet – genauso wie ihre Neugierde auf die Menschen und ihre Schicksale.

Die Geistliche beendet ihre Dienstzeit mit einem guten Gefühl. "Ich verspüre große Dankbarkeit. Ich bin froh, dass ich Pfarrerin sein durfte. Es ist für mich die schönste Berufung der Welt", sagt sie. Sie freue sich, dass speziell die tolle Zeit in Lohne nachklingen dürfe. "Es ist ein großer Schatz an Erinnerungen, der wahrscheinlich erst im Laufe der kommenden Monate an die Oberfläche tritt."

  • Info: Der Verabschiedungsgottesdienst für Pfarrerin Ute Young findet am 10. Dezember (Samstag) in der Kirche St. Michael statt. Beginn ist um 14 Uhr. Den Gottesdienst leitet der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit.

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