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Pfarrer Boby Jose verlässt die St.-Gertrud-Kirchengemeinde

Zu Beginn sprach er kein Wort Deutsch, jetzt ist er in Lohne praktisch zu Hause. Wie sich seine 9 Jahre in Lohne angefühlt haben, erzählt der 45-Jährige hier.

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Schon seit 9 Jahren in der St.-Gertrud-Kirchengemeinde: Der Pfarrer Boby Jose hat in seiner Zeit in Lohne viel gelernt. Foto: E. Wenzel

Schon seit 9 Jahren in der St.-Gertrud-Kirchengemeinde: Der Pfarrer Boby Jose hat in seiner Zeit in Lohne viel gelernt. Foto: E. Wenzel

Nach fast 10 Jahren verlässt Pfarrer Boby Jose die St.-Getrud-Kirchengemeinde. Er wird zum 1. Oktober in die Gemeinde St. Peter in Wildeshausen wechseln. Vielen Lohnern wird der 45-Jährige vermutlich im Gedächtnis bleiben, denn er hat einen besonderen Werdegang.

Im Januar 2013 kam Pfarrer Jose nach Deutschland. Sein Bischof habe ihn auf die Position angesprochen – das Offizialat Münster habe einen Priestermangel. Jose selbst hat in Indien in der Diözese Pathanamtitta schon 8 Jahre als Priester gearbeitet. Zuvor hatte er das Lizenziat, eine Art Studium, in Moraltheologie gemacht. In Deutschland habe er zuerst in Bocholt einen Sprachkurs absolviert. Im August ging es dann direkt in die Praxis, als Boby Jose zur St.-Gertrud-Gemeinde kam. Die Sprachbarriere, aber auch die völlig fremde Kultur, hätten zuerst zu einigen Schwierigkeiten geführt, erinnert sich der Pfarrer. Probleme habe es aber nie gegeben. 

Das werde ihm auch am meisten im Gedächtnis bleiben, erklärt Pfarrer Jose: Die Lohner hätten ihm immer geholfen, die deutsche Sprache zu erlernen und sich einzufinden – ob direkt oder indirekt. Mittlerweile habe er gar keine Probleme mehr. Hilfreich seien besonders die Gespräche mit den Lohnern gewesen. 

Gespräche mit den Lohnern halfen mit der Sprache

Zu diesen kam er auch oft. In den letzten 9 Jahren leitete er die Gottesdienste, hielt alle anfallenden Feste und Beerdigungen ab und führte Hausbesuche durch. Dazu sei er besonders involviert bei der Kolpingsfamilie und den Seniorenmessdienern gewesen. 

Eine große Veränderung sei ihm in seiner Zeit aufgefallen: Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Auch hier setzt er auf offene Gespräche. "Das ist nicht ein Problem der Menschen, das ist unser Problem", meint er. Die Menschen hätten genug Gründe, um aus der Kirche auszutreten, erklärt er und spielt auf die Skandale der letzten Monate an. Durch einen offenen Austausch mit ihnen könnten Geistliche auf sie zugehen und ihre Situation verstehen. Nur so könne die Kirche aus ihren Fehlern lernen, meint Jose.

Pfarrer Jose: Zeit in Lohne war ein Geschenk Gottes

Mittlerweile kann Jose sagen: "Für mich war meine Zeit in Lohne ein Geschenk Gottes." Gerade weil er mit einer Kultur konfrontiert wurde, die ihm sehr fremd sei, habe er gelernt, offener zu werden. Die Kirche sei zwar immer gleich, das System und die Gesellschaft seien aber anders. Ihm seien einige Unterschiede zwischen seiner Zeit als Pfarrer in Indien und der in Deutschland aufgefallen.

So sei ihm in Deutschland positiv aufgefallen, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen gegenseitig respektierten. Das kenne er bisher schon von seinen Eltern, so ausgeprägt aber noch nicht. "Das wünsche ich mir für die ganze Welt", sagt der Pfarrer. "Alle Menschen sind Kinder Gottes", meint er weiter. Damit seien sie auch gleich geschaffen. Auch die Kirche müsse in dem Aspekt offener werden. So könnten Frauen zum Beispiel noch immer nicht Pfarrer werden.

Nach Boby Joses Abschied kommen zwei Nachfolger

Aber Pfarrer Jose betont auch: Dieser Wandel brauche in der Kirche seine Zeit. Doch allein die Diskussion über das Thema helfe der Welt bereits, erklärt der 45-Jährige. Besonders deutsche Gläubige würden ihre Meinungen zu dem Thema laut klarmachen. Das sei wichtig. "Einer muss beginnen", erklärt Jose.

Außerdem sei ihm besonders bei dem leitenden Pfarrer Rudolf Büscher aufgefallen, dass er ihm viel Freiheit gebe. In Joses Jahren in Lohne habe Büscher ihm viel Verständnis zukommen lassen, teilt Jose mit. Dafür sei er sehr dankbar. Diesen Dank weitet er auch auf die Menschen in Lohne, Brockdorf und Kroge-Ehrendorf aus.

Auf Pfarrer Boby Jose folgen Pater Louis Parappuram Thomas zum 1. November und Kaplan The Hai Nguyen zum 1. Oktober. Pater Louis Parappuram Thomas kenne Jose bereits durch gemeinsame Kurse und Treffen. Bei den zwei indischen Zugezogenen fiel sofort ein glücklicher Zufall auf, erzählt Jose – beide sprechen dieselbe indische Sprache. Bei 22 offiziellen Sprachen sei das nicht immer gegeben.

  • Info: Der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Boby Jose findet am 18. September (Montag) in St. Gertrud statt.

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