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Petrus, die Kirche und wir

Kolumne: Auf ein Wort – Die Kirche wankt. Sie hat Angst, an Wichtigkeit und Einfluss zu verlieren. Wie sollen Geistliche reagieren? Warum können wir nicht, wie Petrus, zum eigenen Versagen stehen?

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Petrus war Fischer und hieß eigentlich Simon, bis zu dem Tag, an dem Jesus ihm eine Art Sonderstellung gab: „Du bist Petrus (griechisch: Fels), auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Das ist die eine Seite von Petrus. Die andere Seite von ihm ist diese: Jesus sagt zu Petrus: „Heute Nacht wirst Du leugnen, dass du mich kennst!“ Petrus weist das weit von sich: „Herr, und wenn sich alle von dir abwenden, verlass dich drauf, ich nicht.“ Und? Petrus streitet tatsächlich ab, dass er ein Jünger Jesus ist, dreimal. Dann schaut der gefangen genommene Jesus ihn an – ihn, den Felsen, auf dem die Kirche gebaut werden soll – und Petrus erschrickt über das eigene Versagen, geht in sich „und weinte bitterlich“.

Warum können wir nicht, wie Petrus, zum eigenen Versagen stehen und bitterlich über unsere Fehler weinen? Sind wir tatsächlich so, dass wir krampfhaft nach tausend Ausreden suchen, um die weiße Weste sauber zu halten? Dass wir lieber anderen die Verantwortung in die Schuhe schieben, als sie bei uns selbst zu suchen?

Die Kirche wankt. Sie hat Angst, an Wichtigkeit, an Einfluss zu verlieren, nicht mehr systemrelevant zu sein. Zudem werden die Pfarrerinnen und Pfarrer weniger. Was früher einmal eine Kirchengemeinde war, wird jetzt mit anderen Kirchengemeinden gemeinsam zum pastoralen oder kirchlichen Raum. Alles wird größer und unpersönlicher. Wie sollen Geistliche das bewältigen?

Eigenlob stinkt, sagt der Volksmund. Ich möchte mich im folgenden Abschnitt nicht selbst loben, sondern nur eine Einsicht verdeutlichen (Ich weiß, dass ich Fehler mache und Schattenseiten habe).

"Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Das, was du tust, redet lauter, als das, was du sagst."Jörg Schlüter

Ich habe als junger Pastor oft gedacht, die gute Predigt macht's. Und wenn sich dann Gemeindeglieder für die Predigt bedankten, dann fühlte ich mich gebauchpinselt. Es ist Jahrzehnte her, dass ein ehemaliger Konfirmand von mir, er ist heute selbst Pfarrer, bei seiner Ordination sagte: „Jörg, ich bin doch nicht wegen deiner Predigten Theologe geworden. Wir haben bei euch im Pfarrhaus erlebt, wie ihr miteinander umgegangen seid. Wir haben erlebt, wie ihr euch den Menschen in unserer Gemeinde zugewandt habt, auch uns Jugendlichen. Wir haben bei euch erfahren, dass Glauben und Leben eine Einheit sind. Authentizität.“

Genau darum geht es. Relevanzverlust, Akzeptanzverlust, Austritte ohne Ende. Was die Kirche jetzt braucht, sind keine Krücken, um die Institution zu stützen, und auch keine Prügel, sondern wache Menschen, die die Vorwürfe nicht kleinreden, aber sich trotz alledem auf das besinnen, was Kirche ausmacht: Christus! Kirche, das sind vor allem die Menschen, die mit ihrem Leben auf Christus hinweisen. Kirche lebt von der Kraft derer, die dieses umsetzen: Ich möchte jeden Tag ein ‚kleiner Christus‘ sein: Heilen, wo ich heilen kann; trösten, wo ich trösten kann; helfen, wo ich helfen kann. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Das, was du tust, redet lauter, als das, was du sagst. Immer wieder eine Herausforderung.


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher. Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta. 
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

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