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Paul Haupt hat in 100 Jahren eine Menge erlebt

Mit messerscharfem Verstand und vielen Gästen feiert der rüstige Rentner aus Diekhaus (Gemeinde Emstek) seinen Geburtstag. Seine Geschichte könnte Stoff für einen Roman sein.

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100-jährig: Paul Haupt erblickte am 11. Janauar 1923 in Münster das Licht der Welt. Foto: Haupt

100-jährig: Paul Haupt erblickte am 11. Janauar 1923 in Münster das Licht der Welt. Foto: Haupt

Wenn Paul Haupt ans Erzählen kommt, dann ist er so schnell nicht aufzuhalten. Nicht etwa, weil er zum Schwadronieren neigt, sondern weil er auf fast unzählige Geschichten zurückblicken kann. Kaum ein Wunder, denn heute feiert er seinen 100. Geburtstag.

Geboren wurde er in Münster, doch Cappeln hätte es auch gewesen sein können, denn aus Tenstedt stammte seine Mutter. Sein Vater war in Hamburg aufgewachsen und als Eisenbahningenieur 30 Jahre in Hinterindien tätig. Aufgewachsen sind er und seine fünf Geschwister aber in Diekhaus (Emstek) unmittelbar an der Cappelner Gemeindegrenze, wo die Eltern 1927 ein Haus bauten, in dem der Jubilar bis heute lebt.

Ein wenig fühlt man sich an die Romanfigur "Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" erinnert, wenn man sich mit Paul Haupt unterhält. Sein Verstand hat nicht nachgelassen und präzise erinnert er sich an Daten und Ereignisse. Dazu zählt unter anderem der Besuch von Bundespräsident Heinrich Lübke im Landkreis, dessen Entourage Haupt ob seiner guten Ortskenntnisse als Kreisoberamtsrat und Leiter des Kreisordnungsamtes zur Seite gestellt wurde.

Haupt spricht von einem liebevollen Elternhaus

Von einem liebevollen Elternhaus spricht er, in dem Vater und Mutter alles daransetzten, ihre Kinder in wirtschaftlich schlimmen Zeiten die bittere Armut nicht spüren zu lassen. Das "beträchtliche Vermögen", wie Haupt es aufgeschrieben hat, das sein Vater in seiner Auslandstätigkeit aufgebaut hatte, war zwar von Thailand nach Deutschland überwiesen worden, reichte wegen der Inflation hier aber gerade einmal für ein Paar Schuhe.

Der tiefgläubige Christ spricht von seinem Schutzengel, "der viel mit mir zu tun hatte." Schon in Kindertagen, aber erst recht zu Kriegszeiten und in der anschließenden Gefangenschaft. In einer auf 20 Seiten zusammengefassten Kurzbiografie nimmt diese "8-jährige Odyssee quer durch Europa" den größten Teil ein.

8 Tage hatte Paul Haupt nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft Zeit zur Erholung, da nahm er seinen Dienst in der Landkreisverwaltung wieder auf, nachdem er dort 1941 die Verwaltungsprüfung bestanden hatte. Auf zusammen 50 Jahre brachte er es dort, bis er am 1. Februar 1987 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Haupt und seine Frau haben 5 Kinder

Erfolgreich ging er auf Brautschau und heiratete seine Frau Lisabeth geborene Kerßens aus Osteressen. 5 Kindern schenkte sie das Leben und beiden war es vergönnt, kurz vor ihrem Tod diamantene Hochzeit zu feiern. 13 Enkel und 3 Urenkel bereichern den engeren Familienkreis. 5300 Vorfahren hat er indes als Ahnenforscher in seiner Familie ausgemacht. Als Ortsberichterstatter für die Lokalzeitung war er 10 Jahre aktiv, hat sich für Fremdsprachen interessiert und kommt in Englisch, Holländisch, Schwedisch und Dänisch nach eigenem Bekunden gut zu recht. Das half nicht zuletzt auf den zahlreichen Reisen.

Während die Romanfigur vor den Honorationen zum 100. Geburtstag durch das Fenster flüchtete, ist Paul Haupt zu seinem Ehrentag durchaus nach Gesellschaft. Neben Vertretern von Kirche, Kommune und Landkreis haben sich rund 70 Gäste zur Feier angekündigt.

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