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Patron der Impfgegner?

Kolumne: Auf ein Wort – Nach Einführung der 2G-Regel im Kardinal-von-Galen-Haus der Akademie Stapelfeld verweisen Impfgegner auf den Namensgeber der Einrichtung. Dahinter steht eine krause "Logik".

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Er war ein erklärter Gegner der NS-Diktatur: Clemens August Graf von Galen, der "Löwe von Münster". Nach ihm sind Schulen und Straßen benannt. Auch das Hauptgebäude der Katholischen Akademie Stapelfeld trägt bis heute seinen Namen: Kardinal-von-Galen-Haus. Daran haben uns Impfgegner erinnert, als wir vor einigen Wochen die sogenannte 2G-Regel eingeführt haben. Es gab viele konstruktive Reaktionen, leider auch einige aggressive. Einige Mitmenschen wollten uns "aufklären".

Ein Teil dieser "Aufklärung" war beispielsweise die Erinnerung an unseren Namensgeber. Der wurde quasi zum Patron der Impfgegner erklärt. Die krause "Logik" des Vergleichs ist wohl die: Damals hat der "Löwe von Münster" sich gegen das Aussortieren von Menschen gewehrt. Heute muss die Gruppe der Ungeimpften vor Ausgrenzungen geschützt werden.

Vergleich ist an Geschmacklosigkeit und Absurdität nicht zu überbieten

Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Dieser Vergleich ist an Geschmacklosigkeit und Absurdität nicht zu überbieten. Graf von Galen ist als Bischof dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten entgegengetreten. Er hat lautstark seine Stimme gegen das Auslöschen von Menschen mit Behinderung erhoben, die den Machthabern als "lebensunwertes Leben" galten. Er ist für die unbedingte Würde jedes Menschen und den Schutz des Lebens eingetreten. Aber genau darum geht es auch bei der Maskenpflicht. Das ist der Sinn der Hygiene- und Abstandsregeln und des Impfens: Das Leben ist schützenswert.

"Nicht jeder, der laut brüllt, ist deshalb schon ein Löwe"Pfarrer Dr. Marc Röbel

Das gilt in christlicher Sicht nicht nur für das eigene Leben. Ich bin als Christ auch für das Leben der Schwester, des Bruders verantwortlich. Es ist eine pseudochristliche Ideologie, die manche Christen sagen lässt: Ich brauche die Impfung nicht. Gott wird mich ohne diese menschlichen Hilfsmittel retten. Genauso könnte man sagen: Ich schnalle mich beim Autofahren nicht an. Der Himmel wird mich auch ohne diese Sicherheitstechnik beschützen. Es ist schon schlimm genug, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Aber das Leben anderer durch "frommen" Leichtsinn zu gefährden, ist unchristlich.

Kehren wir kurz nach Stapelfeld zurück. Viele Menschen unserer Region kennen unsere Einrichtung. Ihnen ist bestimmt beim Betreten das Porträt des Kardinals im Eingangsbereich des Hauses aufgefallen. Auch andere Kunstwerke und Erinnerungsstücke halten dieses Erbe lebendig. Ein Spruchbandrelief vor der Aula des Christ-Könighauses hält einen Schlüsselsatz aus der berühmten Predigt vom 3. August 1941. Man muss einmal um die Säule herumgehen, um den Satz vollständig zu lesen. Man muss den alten Standort wechseln und man muss buchstäblich einmal um die Ecke denken. Diesen Mut hatte auch Kardinal von Galen. Ich wünsche auch den Corona-Leugnern und Impfgegnern diesen Mut zum Umdenken. Nicht jeder, der laut brüllt, ist deshalb schon ein Löwe.


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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