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Pastor Amling verlässt Dinklage und Wulfenau – und kehrt nach Moskau zurück

Der evangelische Pfarrer verabschiedet sich mit einem guten Gewissen. "Wir haben viele Projekte erledigt", sagt der 58-Jährige – und macht keinen Hehl aus der zunehmenden Arbeitsbelastung.

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Noch predigt er in der Trinitatiskirche in Dinklage und in Wulfenau: Doch im Herbst verlässt Fridtjof Amling die evangelischen Kirchengemeinden und wechselt zur Emmausgemeinde Moskau. Foto: Böckmann

Noch predigt er in der Trinitatiskirche in Dinklage und in Wulfenau: Doch im Herbst verlässt Fridtjof Amling die evangelischen Kirchengemeinden und wechselt zur Emmausgemeinde Moskau. Foto: Böckmann

An eine seiner ersten Gedanken über die Stadt Dinklage erinnert sich Fridtjof Amling noch ganz genau. "Wie im Paradies" habe er die Burgwaldstadt bei seinen ersten Erkundungstouren wahrgenommen, sagt Amling und lacht. Was er damit meint? Die fast autofreien Straßen. "Wenn ich zur Kirche nach Wulfenau gefahren bin, dann war häufig vor und hinter mir kein Fahrzeug. Als hätte man für mich die Straßen gesperrt." Das war im Spätsommer 2009.

Amling war als Pastor von der Emmausgemeinde in Moskau gerade als neuer Pfarrer zu den evangelischen Kirchengemeinden Dinklage und Wulfenau gewechselt. Und was den Verkehr angeht, ist die russische Hauptstadt eben doch eine andere Hausnummer als Südoldenburg. Denn der 12-Millionen-Menschen-Metropole droht täglich der Verkehrsinfarkt. Doch diese verkehrlichen Strapazen wird Fridtjof Amling ab dem 1. September wieder freiwillig auf sich nehmen. Denn der 58-Jährige verlässt die beiden Dinklager Kirchengemeinden - und tritt nach dann genau 13 Jahren exakt wieder jene Stelle an, die er 2009 aufgegeben hatte.

Neue kirchliche Herausforderung gesucht

Warum? Weil Fridtjof Amling eine neue kirchliche Herausforderung sucht. Um es ganz verkürzt zusammenzufassen. Geplant war der Abschied aus Dinklage indes nicht. Er sei zwar immer ein Freund davon gewesen, dass Geistliche nicht länger als 10, 12 Jahre eine Kirchengemeinde leiten. Doch die künftige Rückkehr nach Moskau sei dann doch eher "Glück und Zufall" gewesen, wie Amling es nennt. 

Die Trinitatiskirche ist seit 2009 täglich geöffnet: Die Idee dazu gab es von Fridtjof Amling. Foto: BöckmannDie Trinitatiskirche ist seit 2009 täglich geöffnet: Die Idee dazu gab es von Fridtjof Amling. Foto: Böckmann

Der gebürtige Bonner hatte von einem Bekannten in Moskau nämlich erfahren, dass seine alte Stelle an der dortigen deutschen Emmausgemeinde wieder frei werden wird. Amling beriet sich mit seiner Frau Galina und seinen Kindern Irina (33), Theo (20) und Annabelle (16), die ihn bei dem Wechselwunsch unterstützten. Also bewarb sich Amling im Oktober auf die freie Stelle und erhielt im Dezember nach einem Besuch in der Hauptstadt die Zusage.

Amling hatte in der Vergangenheit gemerkt, dass er einer neuen Herausforderung nicht abgeneigt wäre – sollte sich die Chance ergeben.  Dinklage und Wulfenau könne er zudem mit einem guten Gewissen verlassen. "Wir haben viele Projekte vorangetrieben und abgeschlossen", sagt Amling und erinnert an die Erneuerung der Friedhofskapelle und den Umbau der Trinitatiskirche in Dinklage. Auch die dortige Sanierung der Orgel ist auf den Weg gebracht. Die für die Generalüberholung benötigten 29.000 Euro hat die Kirchengemeinde Dinklage zusammen. Das Gesamtvolumen aller Bauprojekte in Amlings Amtszeit beträgt dann fast eine halbe Million Euro.

"Wer neu in Dinklage anfängt, fängt nicht komplett bei Null an."Fridtjof Amling

Doch nicht nur die baulichen Veränderungen haben in den vergangenen Jahre neben dem kirchlichen Wirken Amlings Arbeit geprägt. Emotional war vor allem das Gemeindeleben in Dinklage und Wulfenau. Er denkt insbesondere an die erfolgreiche Flüchtlings- und Seniorenarbeit und den neu gegründeten Jugendchor. Aber auch die Frauenarbeit, die in den Händen seiner 2020 nach Visbek-Langförden abgewanderten Co-Pfarrerin Andrea Hilgen-Frerichs lag, habe in beiden Kirchengemeinden eine tragende Rolle eingenommen. Mit Blick auf das Leben in den beiden Gemeinden, die Finanzen und die Strukturen, sagt Amling: "Es ist hier alles völlig intakt."

Nur eine Sache – die ärgert den begeisterten Tischtennisspieler und Hobbyfotografen nach wie vor. Dass sich der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen hatte, dass die neue Kita in der Wiek keine evangelische Trägerschaft erhält, sondern erneut eine katholische. "Aus finanzieller Sicht mag das nachvollziehbar sein, politisch ist das eine Fehlentscheidung", macht Amling aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Denn rund 17 Prozent der Dinklager sind Mitglied in einer der beiden evangelischen Kirchengemeinden.  Der Pfarrer sagt: Hätte sich die Stadt für eine evangelische Trägerschaft ausgesprochen, hätte er sich natürlich nicht auf die Stelle in Moskau beworben, "da ich hier in der Pflicht gewesen wäre, das dann umzusetzen".

Das Arbeitspensum nahm für Amling kontinuierlich zu

Fridtjof Amling merkte zuletzt, dass die Arbeitsbelastung zunehmend größer geworden ist, nicht erst seit dem Abschied von Hilgen-Frerichs und auch nicht durch Corona. Er habe in den Gemeinden immer mehr Aufgaben übernommen, dazu ist er seit 2 Jahren Mitglied in der Landessynode und auch im Vorstand des  Evangelischen Kinderdorfes Johannesstift aktiv. Amling beschreibt sein Arbeitspensum so: "Es rollt immer eine neue Lawine auf einen zu. Man geht zwar nicht unter. Aber man schafft es nur gerade noch, nicht kaputtzugehen."

Die Chance des Neuanfangs nutzen – das will Amling also ab dem kommenden Herbst und für die nächsten 6 Jahren wieder in Moskau. Und man spürt, wie sehr er sich bereits darauf freut. Die Emmausgemeinde ist die evangelische Kirche für die Deutschen in der russischen Millionen-Metropole – aber auch offen für andere Religionsgemeinschaften und Glaubensrichtungen. 

Die Altersstruktur ist in Moskau viel jünger

Mitglieder in der 1000 bis 1500 Mitglieder starken Gemeinde sind Deutsche, die für einige Zeit in Moskau leben, weil sie dort für Unternehmen oder die Botschaft arbeiten. Die Altersstruktur sei deshalb komplett anders als in Dinklage und Wulfenau, sagt Amling – nämlich viel jünger. Der Pfarrer geht davon aus, dass 99 Prozent seiner neuen Kirchengemeinde 2009 noch nicht in Moskau wohnte. Ein paar alte Bekannte gebe es aber schon noch.

In Moskau wird Amling mit seiner Frau Galina und Tochter Annabelle übrigens – wie es der Zufall so will – genau die gleiche Wohnung beziehen wie bei seiner ersten Zeit in der Hauptstadt. Die Wohnung liegt am Stadtrand, in einem Viertel mit zwei riesigen Wohnblöcken, wo hauptsächlich nur Deutsche leben. 

In der 180 Quadratmeter großen Wohnung wird sich auch ein Teil des kirchlichen Gemeindelebens abspielen. Ein Gemeindehaus wie in Dinklage gibt es nicht. Die sonntäglichen Gottesdienste finden übrigens in der Deutschen Botschaft statt. Neben den typischen geistlichen Aufgaben übernimmt Amling übrigens auch eine 8-Stunden-Stelle als Religionslehrer an der Deutschen Schule. Auch kulturelle Tätigkeiten sind denkbar.

Machte beim Projekt Mut zum Kreuz mit: Fridtjof Amling. Foto: M. NieheusMachte beim Projekt "Mut zum Kreuz" mit: Fridtjof Amling. Foto: M. Nieheus

Bevor die Familie Amling nach Moskau ziehen wird, wird auf sie noch einige Arbeit zukommen. Der Pastor will helfen, seine Stelle wieder neu zu besetzen. Er muss den Umzug nach Russland delegieren. Amling muss im Mai einen 10-tägigen Ausreisekurs in Berlin belegen. Er wird auch noch einen 6-wöchigen Sprachkurs belegen, obwohl er passabel russisch versteht und spricht. Und Amling wird natürlich seine pastoralen Aufgaben in Dinklage und Wulfenau weiterhin erfüllen. "Das alles wird ein riesiger Kraftakt. Wir müssen sehr strategisch denken", sagt er. Wie gut, dass zumindest das Autofahren in Südoldenburg nicht so stressig ist wie in Moskau.

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