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Passionsspiele Oberammergau – Corona inklusive

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Einmal im Leben soll es zu den Passionsspielen gehen. Vor Ort überwog das Sicherheitsgefühl. Zurück in der Heimat sah das ganz anders aus.

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Wenigstens einmal im Leben zu den Passionsspielen nach Oberammergau. Das war seit Längerem mein Wunsch. 2020 sollte es dann soweit sein. Aber dann kam Corona und die Spiele wurden auf 2022 verschoben. Nachdem ich die Enttäuschung über die Verlegung verdaut hatte, habe ich das Spektakel mit viel Vorfreude herbeigesehnt.

Als Kind hätte ich mir das nicht vorstellen können. Dabei waren meine ersten religiösen Erfahrungen durchaus positiv. Mein Einsatz als Blumen streuender Engel am Fronleichnamsaltar hat mir noch richtig Spaß gemacht. Mit 7 Jahren kam ich dann zur ersten heiligen Kommunion. Danach ging es von der Schule aus alle 4 Wochen klassenweise zur Beichte. Was aber, wenn es eigentlich nichts zu beichten gab? Dann hatte man ein Problem. So etwas durfte es nicht geben! Da wurde dann das Standartsündenregister bemüht: „Ich habe genascht, gezankt und so weiter“ Damit waren dann Form und Norm genüge getan.

Auch den schulischen Wallfahrten nach Bethen konnte ich nur wenig abgewinnen. Da durften wir uns in der rappelvollen Kirche in die Bänke zwängen. Und wenn man sich dann kurz anstupste oder miteinander redete, kam eine gewissenhafte Lehrerin und zur Strafe durfte der Frevler seine Missetat einhundert Mal aufschreiben und am nächsten Tag vorzeigen. Bei soviel Druck und Zwang war es nicht weit her mit der frohen christlichen Botschaft!

"Gegen Corona-Erkrankungen scheinen die Oberammergauer Passionsspiele nicht zu helfen!"Elisabeth Schlömer

Diese Erlebnisse gingen mir noch kurz durch den Kopf, als ich vor dem Passionstheater in Oberammergau stand. Nach dem Einlass wurde aber schnell klar, dass sich die Platzverhältnisse im Vergleich zu den Wallfahrten der Kindheit nur unwesentlich verbessert haben.

Auch hier die Plätze dicht an dicht. Arm- und Beinfreiheit weitgehend Fehlanzeige. Keine rosigen Aussichten bei einer 5 Stunden dauernden Vorstellung. Eigentlich die ideale Konstellation für einen Corona-Hotspot. Dann im Vorspiel aber die Aussage: Seit dem Gelöbnis, die Passionstragödie alle 10 Jahre aufzuführen, sei im Ort kein Mensch mehr an der Pest gestorben. Wieso sollte man sich an so einem Ort mit Corona infizieren können? Restliche Zweifel wurden durch die fantastische Vorstellung weggewischt. Wirklich beeindruckend! Es ist schon unglaublich, was ein Ort mit gut 5000 Einwohnern so alles auf die Beine zu stellen vermag!

Nachdem ich einige Tage wieder zu Hause war, verspürte ich ein Kratzen im Hals. Also einen Corona-Test gemacht. Positiv! Gegen Corona-Erkrankungen scheinen die Oberammergauer Passionsspiele nicht zu helfen!

Auf die schöne neue digitale Welt ist aber noch weniger Verlass. Erst eine Woche nach dem Ereignis zeigte meine Corona–Warn-App eine Risikobegegnung an! Wo haben sich die kleinen, flinken Elektronen eigentlich die ganze Zeit rumgetrieben? Wenn es weder in der digitalen noch in der großen weiten Welt Hilfe gibt, sollte ich vielleicht mal wieder nach Bethen gehen!


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den „Machern – zu jung um alt zu sein“ und beim SKF Cloppenburg.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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