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"Parlez vous Francaise" und Platt parlieren

Bösel wurde vor 210 Jahren französisch. Doch die Menschen kümmerte weniger die Besatzung als vielmehr die Ernte und das Vieh.

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Die Besatzung nahmen die Menschen stoisch hin: Gute Ernteerträge, ein gesunder Viehbestand und der Familiennachwuchs waren ihnen wichtiger als die große Politik.

Die Besatzung nahmen die Menschen stoisch hin: Gute Ernteerträge, ein gesunder Viehbestand und der Familiennachwuchs waren ihnen wichtiger als die große Politik.

Französisch parliert hat wohl kaum jemand, aber vor 210 Jahren begann auch in Bösel die Zeit als Franzosen, die drei Jahre andauerte. Napoleon war einmarschiert, ein "Mallör" nach den Worten plattdeutscher Mitbürger. Und nach der Vertreibung des revolutionären Diktators blieb nicht nur ein hörbares Vermächtnis von ihm zurück, französische Einschübe waren fortan "a la mode", nicht nur im Plattdeutschen.

Es war die Idee der Aufklärung, die alles veränderte und den Keim für die Entstehung moderner Staaten in Europa bildete. Man nahm die Besatzung und damit die Veränderung der politischen Verhältnisse hin. Öffentlicher Widerstand war nicht zu erkennen.

Es steht zu vermuten, dass auch die Böseler Menschen die neue Zeit mit einem gewissen Stoizismus auf sich haben wirken lassen. Die Mehrheit der Bürger war bereit, sich loyal anzupassen. Im Zweifelsfalle waren auch den Böselern gute Ernteaussichten, das Gedeihen des Viehbestandes oder die Ankündigung von Familiennachwuchs wohl wichtiger.

Mit Cloppenburg und Vechta Exotik im eigenen Land

Ihnen kam natürlich auch ihre Insellage „weit ab vom Schuss“ inmitten von Heide und Moor, zugute. Auf dem Land ging es in erster Linie um Landwirtschaft im weitesten Sinn. "Der Boden im ganzen Amte ist flach und sandig. Die vorzüglichsten Erwerbsquellen sind der Ackerbau, die Schaf- und Viehzucht, die Bienenzucht, der Strumpfhandel, die Torfgräberei", heißt es in alten Unterlagen aus dieser Zeit. In Bösel standen ca. 1100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche etwa 8800 Hektar - das entspricht ca. 81 Prozent - unkultiviertes Land und Moor gegenüber.

Schon das Jahr 1803 hatte einen scharfen Einschnitt für den Ort Bösel und in der Geschichte der münsterschen Ämter Vechta und Cloppenburg markiert: Sie wurden oldenburgisch. Die Neuoldenburger feierten den Anschluss in Cloppenburg und Crapendorf indes "mit 14 Triumphbögen und unter dem Donner der Kanonen und dem Läuten aller Glocken". Denn sie wollten "überall hin, nur nicht nach Preußen", denn die hatten zuvor das Land besetzt. Oldenburg war da das "geringere Übel".

Was bekam der protestantische Herzog zu Oldenburg? Eine katholische Provinz, die seit Jahrhunderten von den Bischöfen in Münster regiert wurde. Vechta und Cloppenburg waren bis dahin eher "terra incognito" gewesen, denn Moor und Heide trennte sie wie eine natürliche Grenze.

Was blieb, war "Frischer Wind" von Aufbruch und Modernität

Die Altoldenburger erlebten mit dem neuen Landesteil eher ein Stück "Exotik im eigenen Land", denn die Bevölkerung, die da angedockt wurde, war fast ausnahmslos katholisch.

Mit der viertägigen "Völkerschlacht" bei Leipzig im Oktober 1813 war alles vorbei für den Despoten - Napoleon erlag der Übermacht der Verbündeten. Der Herzog von Oldenburg kehrte aus dem Exil zurück.

Was blieb? Obwohl Napoleon als Eroberer kam und die französischen Truppen Besatzungstruppen waren, brachten sie doch den "frischen Wind" von Aufbruch, von Fortschritt und Modernität in die erstarrten deutschen Verhältnisse. Es folgten Reformen und es bildete sich ein nationales Bewusstsein, der "Deutsche Bund" entstand.

Für Bösel und Südoldenburg war es sicherlich nicht mehr als ein Augenschlag in der Geschichte. Das Leid, in dem auch die Böseler Menschen lebten, litten und starben, die Unterdrückung und Ausbeutung sind längst Historie, vom Rest - der Aufklärung und den Reformen - profitieren wir bis heute.

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