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Pardon, ich schwimme vorerst gegen den... Strom!

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – wer ein neues Auto sucht, kommt an irgendeiner Form von Elektroantrieb, und sei er nur unterstützend, kaum vorbei. Ich warte gern, bis die Technik ausgereift ist.

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Kürzlich war es wieder Zeit: Ein neues Auto, ein treuer Begleiter für die nächsten Jahre, wollte ausgesucht werden. Für manchen Zeit raubende Pflicht, für mich als bekennenden Benzinblüter ein innerliches Blumenpflücken. Wenn wir redensartlich von der Deutschen liebstem Kind sprechen – König Fußball einmal ausgenommen – kann ich wohl behaupten, dass es sich eben jener Steppke auch im männlichen Strang unseres Familienstammbaums recht muckelig gemacht hat.

Gut erinnere ich mich, wie ich als regenschirmgroßer Übernachtungsgast sonntagmorgens in Opas rotem W 123 zu Bäcker Middendorf chauffiert wurde, um Mohnhörnchen an Bord zu holen. Ganz wichtig: Der Benz musste glänzen. Genauso hat mein Vater seinen grauen 190er gewienert. Dass Schokolade und farbenfrohe Getränke nichts im Auto verloren haben, lernten mein Bruder und ich nicht nur aus praktischen, sondern ebenso ästhetischen Gründen. So, wie man auf eine Armbanduhr Acht gibt und seine Schuhe pflegt, so hat auch ein Auto stets 1A auszusehen. Vor diesem Hintergrund zucke ich bis heute jedes Mal innerlich zusammen, wenn mir jemand ob seiner matt-braunen Radkappen und drei leeren Müller-Milch-Flaschen im Fußraum erklärt, dass ein Auto „für mich ein Gebrauchsgegenstand ist“, während ich schon Totschlaggedanken hege, wenn mir nur jemand den Beifahrersitz oder die Sonnenblende verstellt.

"Die Frage ist, welche Sau durchs Dorf getrieben wird, wenn wir erst allesamt, Verzeihung, strom-linienförmig unterwegs sind."Heiko Bosse

Bei aller Autoliebe: Wer dieser Tage nun nach einem neuen Kfz Ausschau hält und sich selbst – durchaus nicht negativ behaftet – als „oldschool“ bezeichnen würde, kann schnell zu dem Schluss kommen, dass die Ingenieure und Designer der Hersteller unser einst liebstes Kind zum Stiefkind degradieren. „Summ, summ statt brumm, brumm“ lautet die Devise, mit der man uns von der Zapfsäule an die Steckdose lotsen will – Komfort- und Ästhetik-Einbußen werden uns dabei als wegweisende Technologie verkauft. Die Frage ist, welche Sau durchs Dorf getrieben wird, wenn wir erst allesamt, Verzeihung, strom-linienförmig unterwegs sind. Die Brennstoffzelle wartet schon hinter der Stalltür...

Ich gehöre zum Typus Auto-Enthusiast, der fast andächtig stehen bleibt, wenn jemand seinen Mercedes G anwirft und die SUV-gewordene Schrankwand den Hufschlag ihrer 421 Pferdchen aus den Endrohren grollt. Ich freue mich wie ein kleines Kind, wenn mich auf der Autobahn ein 911er überholt und der giftig-blecherne Sound des Boxermotors noch 500 Meter weiter zu hören ist. Derweil: Surrt beim Spaziergang ein Elektro-Tesla an mir vorbei, finde ich das in etwa so reizvoll wie eine elektrische Pfeffermühle oder solarbetriebene Gartendeko.

Wenn es aus zwei Endrohren brabbelt...

Bis vor Kurzem gehörten zu einem schicken Auto im ursprünglichen Sinne breite Reifen für satten Grip, dazu gern sportliche Lufteinlässe. Heute werden uns schmale Pneus an das Elektromobil gewuchtet. Dazu rundum verkleidete Karosserien – Aerodynamik um jeden optischen Preis, um 20 Kilometer mehr Reichweite zu generieren. Wo ich einst volltanken und bis München fahren konnte, kann ich heute vorab drei Zwischenstopps einplanen und mir für den „zügigen“ Ladeprozess Strickzeug einpacken – man hält den Fortschritt nicht auf..!

Die Tage konnte ich meinen neuen Wagen abholen. Reingesetzt, Startknopf gedrückt – und am Heck brabbelt es aus zwei Endrohren. Bis die E-Technik ausgereift ist, bleiben bei mir vorerst garantiert nur die Fensterheber elektrisch!


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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