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Palliativ-Fachkräfte begleiten Schwerkranke mit "Herz, Hand und Verstand"

Der erste Kurs in Friesoythe ist abgeschlossen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten neue Aufgaben. Einen Rechtsanspruch gibt es seit 2007 – und der Bedarf ist hoch.

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Auf einen Blick: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Dozentin Erika Thoben (Zweite von links) und Annette Hopfmann, pädagogische Mitarbeiterin des Bildungswerks (links). Foto: Wimberg

Auf einen Blick: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Dozentin Erika Thoben (Zweite von links) und Annette Hopfmann, pädagogische Mitarbeiterin des Bildungswerks (links). Foto: Wimberg

Sie lindern die Beschwerden und tun alles dafür, das Leben des schwer erkrankten Patienten oder der Angehörigen lebenswerter und erträglicher zu machen. Und damit erfüllen sie die Bedeutung des Wortes palliativ: dem Menschen einen Mantel umlegen. Acht Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer haben sich nun im ersten vom Friesoyther Bildungswerk angebotenen Kursus „Palliative care“ erfolgreich weitergebildet und ihre Zertifikate erhalten.

Als examinierte Fachkräfte sind sie bereits in der Pflege und im medizinischen Bereich tätig. Ihre Kenntnisse zu erweitern, aber auch noch mal einen anderen Blick auf ihre Tätigkeit und sich selbst werfen, war der Gruppe wichtig. „Vieles nimmt man im Laufe der Jahre einfach so hin, weil es immer so war, und dadurch wird man schon ein Stück betriebsblind“, berichtet Ruth Ernst, die sich mit ihren Mitstreitern in 160 Stunden mit den unterschiedlichsten Themen auseinandergesetzt hat.

Auch die persönlichen Vorstellungen vom Leben nach dem Tod wurden diskutiert

Seit 2007 gibt es einen Rechtsanspruch auf eine „Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung" (SAPV) und in erster Linie geht es um eine „symptomorientierte, kreative, individuelle und ganzheitliche Therapie und Pflege“, erklärte Annette Hopfmann, pädagogische Mitarbeiterin beim Bildungswerk, die Erika Thoben vom Palliativ-Stützpunkt Cloppenburg als Dozentin gewinnen konnte.

Zu Inhalten zählten Krankheitsbilder und ihre Pflege, verbale und nonverbale Kommunikation, Familie sowie spirituelle und kulturelle Aspekte, wobei nicht zuletzt die persönlichen Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod diskutiert wurden. Die Gruppe besichtigte ein Krematorium und das Cloppenburger Hospiz Wanderlicht und informierte sich darüber hinaus über rechtliche Grundlagen.

Gruppe lobt die Gemeinschaft und den Erfahrungsaustausch 

„Es braucht heute diese ausgebildeten Kräfte in Einrichtungen, aber auch zu Hause“, unterstreicht die Dozentin. Fachlich versierte Menschen, die nicht nur die Grundpflege und Dokumentation beherrschten, sondern dem Menschen und seinen Bedürfnissen mit „mit Herz, Hand und Verstand“ gerecht werden. „Der Bedarf für eine spezialisierte Versorgung ist hoch“, wissen auch die Teilnehmer, die sich gut gerüstet für ihre neuen Aufgabenfelder innerhalb ihrer Berufe zeigen. Die Gemeinschaft und der Erfahrungsaustausch seien darüber hinaus ein großes Gut gewesen und man lerne auch vieles über sich selbst. Nicht zuletzt habe der Kursus dazu beigetragen, das eigene Selbstbewusstsein dahingehend zu stärken, „dass ich mehr kann, nicht stehenbleiben muss und es spannend weitergeht“.

Weitergehen soll auch die palliative Ausbildung in Friesoythe. Der nächste Zertifikatskurs startet am 6. Februar 2023. Bis zum 28. Juni wird auch er mit einem Zitat von Cicely Sanders versehen: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

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