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Paar aus Lutten ist seit 70 Jahren verheiratet

Hannelore und Richard Kloth begehen am 31. Dezember 2021 ihre Gnadenhochzeit. Wegen der Corona-Pandemie können sie dieses besondere Ereignis nur im kleinen Rahmen feiern.

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Schon lange verheiratet: Hannelore und Richard Kloth. Foto: privat

Schon lange verheiratet: Hannelore und Richard Kloth. Foto: privat

1951 wurde der Deutsche Filmpreis erstmalig verliehen. Einer der Preisträger war Erich Kästner. Die erste deutsche Automobilausstellung in Frankfurt fand statt und Tetra Pak kam auf den Markt. Zu dieser Zeit heirateten Hannelore und Richard Kloth. Das Ehepaar aus Lutten feiert am 31. Dezember seine Gnadenhochzeit. Die beiden sind seit 70 Jahren verheiratet.

Das ist eine beachtlich lange Zeit. Wie haben sie es denn so lange miteinander ausgehalten? Sie lachen. „Wir haben uns auch mal gezofft – aber immer wieder vertragen“, sagt Hannelore Kloth und lächelt. „Bis heute gibt es jeden Abend einen Gute-Nacht-Kuss“, sagt die 93-Jährige. In ihrer Ehe habe gegenseitiges Vertrauen immer eine große Rolle gespielt. Hat sie einen Tipp für jüngere Paare? „Man muss verzeihen können“, sagt sie. Und hat sich die Ehe der beiden in den Jahrzehnten denn verändert? „Nein“, sagt Richard Kloth direkt. Alles noch wie am Anfang? „So ungefähr.“

45 Jahre lang in Düsseldorf gelebt

Kennengelernt hat sich das Paar damals in der Altstadt von Düsseldorf. „Ich stand vor einem Tanzlokal und habe mir angesehen, welche Kapelle spielt“, erinnert sich Hannelore Kloth. Es sei ein berühmtes Lokal gewesen, ergänzt Richard Kloth. An den Namen können sich beide aber nicht mehr erinnern. Richard habe sie einfach angesprochen. „Sie stand alleine da“, begründet der 90-Jährige knapp. Hannelore Kloth lacht. Ob sie in das Lokal gehen möchte. Stattdessen seien die beiden aber am Rhein spazieren gegangen, weiß die 93-Jährige. Sofort seien sie sich sympathisch gewesen. Man habe sich danach wiedergetroffen „und dabei blieb es“, sagt Hannelore Kloth. Bis heute.

Nach der Hochzeit am 31. Dezember 1951 lebten sie zunächst ein paar Jahre in Lutten. „Wir haben in Düsseldorf keine Wohnung gefunden“, sagt Hannelore Kloth. 1956 klappte es schließlich. Sie blieben 45 Jahre der Stadt am Rhein treu. Doch die Verbindung zu Lutten ist für die beiden bis heute eine besondere – gerade für Hannelore Kloth.

Ursprünglich stamme sie aus Ostpreußen, berichtet sie. Ihr Vater sei 1940 gestorben, ihre Mutter kam nach dem Krieg allein mit fünf Kindern als Vertriebene in die Gemeinde Goldenstedt. Die Familie wurde bei einer Bauernfamilie in Lutten untergebracht. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Bis heute pflegt das Paar ein freundschaftliches Verhältnis zu den Nachfahren der Familie, die ihre Mutter so herzlich aufnahm. „Wir gehören dazu“, sagt Hannelore Kloth und lächelt.

2001 nach Lutten gezogen

Da Hannelore Kloth in Goldenstedt aber keine Arbeit fand, zog sie 1951 nach Düsseldorf. Dort arbeitete sie viele Jahre im Haushalt, erzählt sie. Richard Kloth stammt ursprünglich aus der Nähe von Neumünster (Schleswig-Holstein). Er arbeitete als Kranführer und hat so manche Großbaustelle im Rheingebiet begleitet, berichtet er.

1952 kam Sohn Jürgen zur Welt. In den Schulferien seien sie oft nach Lutten gefahren, sagt Hannelore Kloth. Die Familie verreiste generell gerne. So zog es sie mit dem Wohnwagen an die Nordseeküste oder mit dem Kanu-Club, dem sie angehörten, an die Flüsse Frankreichs. Lutten war die ganzen Jahre eine Konstante im Leben des Ehepaars. Es stand fest: Irgendwann kehren wir zurück.

2001 war es dann so weit. Hannelore und Richard Kloth zogen von Düsseldorf nach Lutten. „Wir wollten auf‘s Land“, sagt die 93-Jährige. Und in eine Gegend, in der die beiden bereits Menschen kennen. Wie die Familie, die Hannelore Kloth nach dem Krieg aufnahm, und zu der nie der Kontakt abgebrochen war. „So liebe Leute“, schwärmt sie. In dem Jahr feierten die Kloths ihre Goldene Hochzeit. Doch sie waren ja ganz frisch hergezogen. Der Wirt, in dessen Räumlichkeiten sie feiern wollten, riet ihnen, die Menschen in Lutten einfach zu fragen, ob sie kommen. Das tat das Paar. „Alle, die wir gefragt hatten, kamen auch“, sagt Hannelore gerührt.

Feier im kleinen Familienkreis

Das Paar fand in Lutten schnell Anschluss. Hannelore Kloth – evangelisch – schloss sich der katholischen Frauengemeinschaft an. „Wenn es geht, gehen wir auch regelmäßig zum Senioren-Café“, sagt sie. Wenn das Paar mal fehle, werde nachgefragt, warum. „Wir gehören dazu“, sagt Hannelore Kloth. Darüber hinaus lebten sie in einer guten Nachbarschaft. Die beiden Über-90-Jährigen wissen, wen sie bei etwaigen Problemen anrufen können.

Gerne hätten die Kloths ihre Gnadenhochzeit in einem größeren Rahmen mit den Menschen in Lutten gefeiert. Doch angesichts der Corona-Pandemie sei das nicht möglich. Trotzdem freuen Hannelore und Richard Kloth sich darauf, mit ihrem Sohn Jürgen, seiner Frau Renate, Enkel Sebastian mit seiner Frau Jasmin und den Urenkeln Pia, Sofie und Hannes sowie Enkelin Janina mit ihrem Mann Peter und den Urenkeln Felix, Anna, Justus und Karl den Ehrentag im Familienkreis zu feiern. Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises Vechta sowie der Gemeinde Goldenstedt haben sich für kommende Woche angekündigt, um dem Paar zu gratulieren.

Vielleicht kann das nächste Jubiläum ja groß gefeiert werden. „Einige haben schon gesagt, die 75 Jahre schaffen wir auch“, verrät Hannelore Kloth und lacht. Sie behält es im Blick. Denn: „Ich will ja auch 100 Jahre alt werden.“

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