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Organisationen schnüren Willkommenspakete für Flüchtlinge

Menschen aus der Ukraine sollen im Kreis Cloppenburg eine Starthilfe bekommen. Neben Informationen und weiteren Anlaufstellen gibt es 30 Euro pro Person.

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Willkommens-Pakete für Flüchtlinge geschnürt: Cloppenburgs DRK-Kreisgeschäftsführer zeigt Teile des Inhalts. Foto: Hermes

Willkommens-Pakete für Flüchtlinge geschnürt: Cloppenburgs DRK-Kreisgeschäftsführer zeigt Teile des Inhalts. Foto: Hermes

Weitere Projekte bringen die Hilfsorganisationen und Landkreise im Oldenburger Münsterland auf den Weg, so startet im Kreis Cloppenburg die Aktion "Starterkit". Dabei gibt es ein Willkommens-Paket für Ukraine-Flüchtlinge, die sich bei den Städten und Gemeinden gemeldet haben. Zum Inhalt gehören unter anderem eine Broschüre mit Anlaufstellen, Informationen und Kontaktdaten sowie FFP2-Masken und 30 Euro Bargeld pro Person für die ersten Tage im Landkreis.

"OM kann nicht nur Wirtschaft, OM kann auch Soziales", erklärte Heribert Mählmann, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Sozialwerkes mit Sitz in Lohne. Man zeige in der aktuellen Flüchtlingswelle, dass man gemeinsam unter den Hilfsorganisationen und Einrichtungen wirksam arbeiten könne.

Die vergangenen Tage und Wochen steckte er in 3 Phasen ab. Zunächst habe eine große Betroffenheit über den Krieg in Europa geherrscht, anschließend habe es ein enormes Engagement von Ehrenamtlichen gegeben. "Jetzt gilt es, durch Expertise eine Nachhaltigkeit zu schaffen. So können wir auch die Ehrenamtlichen entlasten", sagte Mählmann. Es sei klug, die Hilfe nun zu systematisieren, das Starterkit sei ein Baustein der Initiative "OM hilft".

Gemeinsame Aktion: Heribert Mählmann, Martina Fisser, Betti Kemlein, Romy Langemeyer-Rump, Jan Hoffmann, Bernd Möller und Landrat Johann Wimberg (von links). Foto: HermesGemeinsame Aktion: Heribert Mählmann, Martina Fisser, Betti Kemlein, Romy Langemeyer-Rump, Jan Hoffmann, Bernd Möller und Landrat Johann Wimberg (von links). Foto: Hermes

Zustimmung kam von Cloppenburgs DRK-Kreisgeschäftsführer Jan Hoffmann: "Wir haben die Profis bei uns. Viele Hilfen sind gut gemeint, aber unkontrolliert". Man versuche nun, die Hilfsangebote zu kanalisieren und sinnvoll in die Fläche zu bringen. Die Flutkatastrophe im Ahrtal habe gezeigt, dass unkoordinierte Hilfe an ihre Grenzen stößt, dort seien Hilfspakete teilweise ungeöffnet geblieben, weil der Bedarf gar nicht mehr da war.

Wie Hoffmann weiter berichtete, sei im Vergleich zur Flüchtlingswelle 2015 der direkte Kontakt zu den Menschen schwieriger. Heute seien viele Geflüchtete dezentral untergebracht, man komme selten ins Gespräch. Hierbei könne das Starterkit auch ein Türöffner sein, teilweise könne man so banale Probleme wie die Beschaffung einer SIM-Karte lösen. "Wir können dann auch auf weitere Beratungsangebote hinweisen", sagt Hoffmann, der nochmals eher um Geld- als Sachspenden bat. So könne man neue Projekte und Angebote finanzieren. 

1856 Ukraine-Flüchtlinge leben bereits im Kreisgebiet

Einen Unterschied zu 2015 beschrieb auch Betti Kemlein. "Wir haben in der Beratung viele Frauen, die so schnell wie möglich wieder zurückwollen. Bei den Gesprächen fließen oftmals Tränen, das ist auch eine Belastung für die Beratenden. Das ist eine neue Emotionalität", erklärte die Mitarbeiterin vom Caritas-Sozialwerk. Einfacher gestalte sich hingegen die Verständigung, viele der Geflüchteten können Englisch, einige auch Deutsch. 

„Wir versuchen, uns bestmöglich aufzustellen und Hilfen zu bündeln. Deshalb bin ich allen Akteuren sehr dankbar.“Landrat Johann Wimberg

Johann Wimberg wies darauf hin, dass man sich immer wieder in einem Prozess befinde. "Wir versuchen, uns bestmöglich aufzustellen und Hilfen zu bündeln. Deshalb bin ich allen Akteuren sehr dankbar", so der Landrat. Gemeinsame Aktionen hätten im Oldenburger Münsterland schon oft gut funktioniert, zudem habe man Erfahrungen aus vorherigen Flüchtlingswellen sammeln können. 

Nach weiteren Angaben beeindrucken ihn die ehrenamtlichen Angebote und Initiativen, gerade auch im Bereich der Unterkünfte. Der überwiegende Großteil der bislang 1856 Ukraine-Flüchtlinge im Kreisgebiet (Stand Mittwochmittag, 6. April) sei dezentral untergebracht. Weil sie 90 Tage visafrei reisen dürfen, gebe es sicherlich noch eine zusätzliche Dunkelziffer. Weitere Menschen werden über die neue Zuweisung des Landes vom Donnerstag erwartet. "Erstmals ziehen auch 42 Menschen in unsere Notunterkunft in Lastrup", teilte Wimberg weiter mit. 

Zukunft vieler Flüchtlinge ist offen

Im niedersächsischen Vergleich habe man viele Menschen aus der Ukraine aufgenommen. In der vergangenen Woche habe es landesweit 17.000 Flüchtlinge gegeben, wovon alleine 1700 im Kreis Cloppenburg untergekommen sind. Wie viele der Menschen wirklich wieder in die Heimat zurückkehren wollen, sei noch offen. "Es ist viel zu früh und die Situation in der Ukraine ist auch noch viel zu ungewiss", so Wimberg. Dies bestätigte auch Martina Fisser vom Diakonischen Werk Oldenburger Münsterland: "Man muss den Menschen auch die Zeit geben und ihnen zugestehen, sich in Ruhe Gedanken über die Zukunft machen zu können". 

Mit der Ausgabe der Pakete sieht Mählmann unterdessen einen weiteren wichtigen Schritt. Kleinere Ungereimtheiten werde es immer geben, diese würden aber gemeinsam und schnell gelöst. Zudem lobte er die Initiative "OM hilft", die auch nach dieser Zeit dauerhaft bestehen bleiben könne: "Das kann eine echte Initialzündung für die Zukunft sein". 


Fakten:

  • Ukraine-Flüchtlinge, die sich offiziell bei einer Stadt oder Gemeinde melden, erhalten dort eine Bescheinigung mit den entsprechenden Anlaufstellen. Hier bekommen sie dann im Gegenzug das Starterkit.
  • Weitere Informationen zu Hilfsaktionen und Bedarfen gibt es unter www.om-hilft.org.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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