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Optimistisch für die Zukunft: Günter Graf feiert seinen 80. Geburtstag

Er gilt als SPD-Urgestein und leistete in Friesoythe und im Oldenburger Münsterland Pionierarbeit für seine Partei. Seit 2008 lebt der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande in Dötlingen.

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Natur- und Tierfreund: Günter Graf im großen Garten seiner Wahlheimat Dötlingen. Foto: OM Medien

Natur- und Tierfreund: Günter Graf im großen Garten seiner Wahlheimat Dötlingen. Foto: OM Medien

Günter Graf geht immer noch "ausgesprochen gerne" in die Kneipe. Weil es gesellig ist, weil es unterhaltsam ist und "weil man da erfährt, was die Leute wirklich denken", sagt der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete. Für einen Politiker entscheidend, "denn du musst wissen, worüber du redest". Zwar hat er sich selbst aus dem aktiven politischen Leben zurückgezogen, aber er bleibt ein politischer Mensch, der am Mittwoch aus einem ganz besonderen Grund anstoßen möchte: Günter Graf feiert seinen 80. Geburtstag. Zwar nicht in der Kneipe, aber im kleinen Kreis zu Hause.

"Ich kann das eigentlich gar nicht glauben, ich fühle mich gar nicht wie 80", erklärt der MdB a.D. dankbar und nachdenklich zugleich. Die Zahl 80 ist das eine, das andere ist, "wie man sein Leben gestaltet", unterstreicht er und legt auch in seiner Wahlheimat Dötlingen Wert auf den Kontakt zu jungen Leuten.

Junge Leute seien es seiner Ansicht nach ebenfalls in Friesoythe gewesen, die das scheinbar Unmögliche geschafft und die Mehrheitsverhältnisse auf den Kopf gestellt haben. Die Stadt ist die einzige Kommune im Oldenburger Münsterland, die einen roten Anstrich auf einer schwarzen Karte markiert. "Ganz toll, was da gemacht und geleistet wurde", freut sich Graf und führt den Erfolg zum einen auf den Zusammenhalt der neuen Mitglieder zurück, zum anderen aber auch auf die in den vergangenen Jahrzehnten geleistete Arbeit von SPD-Urgesteinen wie Renate Geuter, Hans Meyer, Wilhelm Bohnstengel "und vielleicht auch mir selbst". Nicht zuletzt habe die CDU schon seit geraumer Zeit Fehler gemacht, betonte der ehemalige Abgeordnete, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Erinnerungen: Gute Kontakte pflegte Günter Graf zum früheren SPD-Fraktionschef im Bundestag und Verteidigungsminister, Peter Struck. Foto: OM MedienErinnerungen: Gute Kontakte pflegte Günter Graf zum früheren SPD-Fraktionschef im Bundestag und Verteidigungsminister, Peter Struck. Foto: OM Medien

Für seine Partei saß er zwischen 1974 und 2008 als Fraktionschef im Friesoyther Stadtrat, engagierte sich darüber hinaus als Kreisvorsitzender sowie seit 1976 im SPD-Unterbezirksvorstand Cloppenburg. Ab 1987 war er 15 Jahre lang Mitglied im Deutschen Bundestag, wo er unter anderem stellvertretender innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion war.

An seinen Eintritt in die SPD 1973 erinnert er sich noch gut. Die Gründungsversammlung fand damals in der Kneipe von Heini Hüffer statt. "Ich war Mitglied Nummer 7", verrät der Sozialdemokrat, der ein Jahr später mit fünf Mitstreitern die Fraktion bildete. Auseinandersetzungen scheute er nicht und führte sie leidenschaftlich in der Sache. Persönlich sollte es nie werden und bei allen Gegensätzen "habe ich mich mit vielen politischen Kontrahenten privat gut verstanden", so Graf, dem 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen wurde.

Mitten in die Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde er 1941 geboren. 1945 flüchtete seine Mutter mit ihm und seiner Schwester aus Posen-Westpreußen nach Jever. Nach der Schule und einer Ausbildung zum Rechtsanwaltsgehilfen zog es ihn in den Dienst der Polizei. Graf war Mitglied der Landesbereitschaftspolizei und bis 1972 bei der Polizeistation Friesoythe tätig. Dann stieg er in den gehobenen Dienst auf und übernahm verschiedene Leitungsfunktionen, bis er sich letztlich für die Politik entschied.  Seit 2008 lebt er mit seiner Lebensgefährtin Wiebke Gazey in Dötlingen, wo er bis 2020 im Gemeinderat saß. Heute ist er noch Mitglied im SPD-Ortsverein.

So kannte man ihn: Günter Graf mit Pfeife bei einer Veranstaltung 2008 im Saal des Landgasthofs Pollmeyer. Foto: MT-ArchivSo kannte man ihn: Günter Graf mit Pfeife bei einer Veranstaltung 2008 im Saal des Landgasthofs Pollmeyer. Foto: MT-Archiv

Sich in Vereinen einzusetzen, ist ihm wichtig und den großen Garten hegt und pflegt er selbst. Gerne hätte er seinen Geburtstag mit Familie, Freunden und Weggefährten gefeiert. "Das holen wir aber alles nach", verspricht er und hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie. Von Endlosvorwürfen und Schuldzuweisungen hält er nichts. Schließlich sei es für alle Entscheidungsträger die erste Corona-Krise und Neuland, "und da liegt man in den Einschätzungen auch mal schief. Organisatorisch hätte allerdings doch einiges besser laufen können“, so Graf.

Er selbst will nicht klagen. "Uns geht es gut, wir haben nichts auszustehen", erklärt er nachdrücklich, zeigt sich für die kommende Zeit optimistisch und vertraut weiterhin auf die guten Gene seiner Mutter, die fast 100 Jahre alt geworden ist. Auch die Eltern seiner Lebensgefährtin hätten ein gesegnetes Alter erreicht. "Deshalb", so hofft Günter Graf, "haben wir noch eine schöne Zukunft vor uns".

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