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Operieren oder nicht?

Meine Woche: Knorpelschaden – mit Mitte 20. Niederschmetternd. Aber natürlich, es gibt weitaus schlimmere Diagnosen. Wenn die Orthopäden einander nur nicht widersprechen würden...

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Wie in einem Stop-Motion-Video scrollt der Radiologe durch die einzelnen MRT-Bilder. Gerade aus der Röhre geklettert, sitze ich daneben. Was hat er mir wohl zu erzählen? Gewissenhaft erklärt er mir die Bestandteile des Knies in einem Crashkurs. Kreuzband? Gesund. Meniskus? Gesund. Puh, erst mal durchatmen. Dann wird es schon nicht so schlimm sein, dachte ich. Langsam tasten wir uns vor und nähern uns, das weiß ich heute, dem Ground Zero. Auf dem Bild sehe ich nur eine kleine weiße Stelle hinter der Kniescheibe und doch ist die Diagnose niederschmetternd: viertgradiger Knorpelschaden – mit Mitte 20.

Setzte mir sonst nur mein mangelndes Talent Grenzen auf dem Fußballplatz, stellte mein damaliger Orthopäde mir nun ein großes Stoppschild vor die Nase: „Herr Niemeyer, lassen Sie das mit dem Fußballspielen“, riet er mir. Ich hätte auf ihn hören sollen. Doch leichtfertig spielte ich noch ein paar Monate weiter, bis gar nichts mehr ging, nicht einmal Joggen. Sobald mein Knie einen bestimmten Winkel erreichte, spürte ich einen stechenden Schmerz. Was nun?

Natürlich, es gibt weitaus schlimmere Diagnosen als einen Knorpelschaden. Doch das Deprimierende für mich war, dass die Verletzung unheilbar schien. „Da kann man nichts machen“, hieß es zunächst. Rückblickend bin ich überrascht, wie unterschiedlich die Meinungen der Orthopäden waren. Auf der einen Seite rieten sie mir – gerade in meinem Alter – zu einer Operation und hielten sogar eine komplette Heilung für möglich. Auf der anderen Seite rieten mir Ärzte strikt von einer OP ab. Zu risikoreich, nicht Erfolg versprechend. Als Patient und Laie saß ich zwischen den Stühlen und fragte mich, wie es nun weitergehen soll. Nie wieder Fußball, okay, das konnte ich schweren Herzens noch verkraften. Aber nicht einmal mehr joggen gehen zu können, wollte ich einfach nicht wahrhaben.

Also entschied ich mich für die OP. Danach folgten Monate der Ungewissheit. Hat es was gebracht? Heute weiß ich, dass meine Entscheidung für die Operation richtig war. Auch wenn es über zwei Jahre dauern kann, bis der Knorpel vollständig ausheilt, freue ich mich, wieder längere Strecken joggen gehen zu können. In der kommenden Woche möchte ich mir neue Laufschuhe kaufen und dieses Jahr endlich mein gestecktes Ziel erreichen: 10 Kilometer in 55 Minuten. Hoffentlich macht mein Knie mit.

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