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Online-Portal soll freie Pflegeplätze in der Region anzeigen

Das Projekt für den Weser-Ems-Raum soll bald starten. Der Landkreis Vechta hat mitgewirkt. Aus der Pflegebranche sind aber skeptische Töne zu hören.

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Sensible Aufgabe: Die Pflege alter Menschen. Foto: dpa/Berg

Sensible Aufgabe: Die Pflege alter Menschen. Foto: dpa/Berg

Wo gibt es freie Pflegeplätze in der Region Weser-Ems? Einen Überblick hierzu soll es bald in einem Online-Portal geben. Für den Aufbau dieses Pflegeportals hat das Land Niedersachsen nun die Zusage einer Förderung in Höhe von 77 .150 Euro erteilt. "Damit kann eine viel versprechende Idee zur Stärkung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum an den Start gehen", sagte Birgit Honé, Ministerin für regionale Entwicklung.

Die Initiative zum Aufbau des Portals stammt von der Arbeitsgemeinschaft der Landkreise und kreisfreien Städte in Weser-Ems. Auf der gemeinsamen Plattform sollen freie Pflegeplätze wie bei einem Hotel-Buchungssystem angezeigt werden. Die etwa 550 Pflegeeinrichtungen in der Region können auf ihre eigenen Websites verlinken. Außerdem sollen sie tagesaktuell freie Platzkapazitäten anbieten können. Noch im ersten Halbjahr 2021 sollen erste Funktionen nutzbar sein.

Vor Ort trifft das Projekt auf ein geteiltes Echo. Ein Überblick:

Landkreis Vechta:

Die Verwaltung habe sich an den Expertenworkshops zum "Pflegeportal Weser-Ems" beteiligt, sagte Kreissprecherin Eva-Maria Dorgelo. Und: "Wir freuen uns sehr, dass nun dieses gemeinsam entstandene Projekt startet."

Für die Bürgerinnen und Bürger gebe es den Vorteil, dass sie "einen sehr guten Überblick über die zur Verfügung stehenden Pflegeplätze in den Einrichtungen in unserem Landkreis und auch über die Pflegeplätze der Nachbarlandkreise erhalten können".

Auch die pflegerischen und medizinischen Einrichtungen könnten ihre Möglichkeiten der Versorgung im Portal darstellen.
Das größte Interesse aller Mitwirkenden der Kreisverwaltung, insbesondere des Senioren- und Pflegestützpunktes, bestehe darin, "die optimale Versorgung von Pflegebedürftigen besser zu koordinieren".

Vertreter der Pflegebranche:

"Nach meiner Einschätzung dürfte das Portal wenig Nutzen bringen", befand Werner Westerkamp, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Maria Rast Damme (138 Pflegeplätze). Er erklärte: Einen Kurzzeitpflegeplatz könne man "nicht wie ein Hotelzimmer per Mausklick buchen". Es sei vorab zumindest telefonisch der Austausch über den individuellen Hilfebedarf des Pflegebedürftigen erforderlich.

"Das Portal löst nicht das eigentliche Problem. Es bedarf einer besseren Finanzierung der Kurzzeitpflege."Werner Westerkamp,  Vorstandsvorsitzender Stiftung Maria Rast Damme

Außerdem: Vor allem für Fälle von Kurzzeitpflege gebe es einen Mangel an Plätzen. Und es gelte: "Das Portal löst nicht das eigentliche Problem. Es bedarf einer besseren Finanzierung der Kurzzeitpflege." Erst wenn die Einrichtungen "einen angemessenen Zuschlag für die Versorgung von Kurzzeitpflegegästen erhalten", werden sich die Aufnahmekapazitäten erhöhen. Erst dann könne "ein Portal Sinn machen". Bis dahin würden viele Einrichtungen freie Zimmer "vorzugsweise vorübergehend unbelegt lassen".

Für uns (...) steht der persönliche Kontakt mit dem Pflegeplatzsuchenden (...) im Vordergrund."Peter Schulze, Vorstandsvorsitzender St. Hedwig Stiftung

Peter Schulze, Vorstandsvorsitzender der St. Hedwig-Stiftung (280 Pflegeplätze) erklärte: "Für uns (...) steht der persönliche Kontakt mit dem Pflegeplatzsuchenden - ob Angehörige oder Krankenhaus – im Vordergrund." Um zu klären, ob eine Aufnahme möglich ist, seien "in der Regel pflegerische Informationen erforderlich, die über anonyme Online-Angaben hinausgehen". Zum Beispiel wenn es um die Frage gehe, wie sich eine Demenz im Alltagsgeschehen zeige.

Ein älteres Online-Projekt wurde eingestellt

Ferner sollte es nicht überwiegend darum gehen, wo noch ein Pflegeplatz zu bekommen ist. Denn die Entscheidung für eine Pflegeeinrichtung sei "von vielen Fragen und Sorgen begleitet". Schließlich gehe es um die Entscheidung, "wo und wie die letzten Jahre oder Monate im Leben verbracht werden können beziehungsweise sollen". Der persönliche Kontakt sei hierbei "unerlässlich".

Schulze  erinnerte auch hieran: Vor 12 Jahren habe es bereits eine Homepage "Pflegeplatzmanager" gegeben. Nach etwa 2 Jahren sei das Projekt eingestellt worden. Es sei festgestellt worden, dass ein System "nur so gut funktioniert wie es auch gepflegt wird".

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