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Online-Glücksspielsucht: Fachstelle befürchtet steigende Fallzahlen

Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in Cloppenburg hat ihren Jahresbericht 2021 vorgestellt. Die Alkoholsucht bleibt die mit Abstand häufigste Sucht im Kreis Cloppenburg.

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Glücksspiel am Handy: Weil die Spielhallen geschlossen waren, könnte die Nachfrage nach Online-Glücksspiel gestiegen sein. Foto: dpa

Glücksspiel am Handy: Weil die Spielhallen geschlossen waren, könnte die Nachfrage nach Online-Glücksspiel gestiegen sein. Foto: dpa

Zum 2. Mal in Folge ist die Anzahl der Beratungsgespräche in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Cloppenburg im Bereich der Glücksspielsucht deutlich gesunken. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die Fachstelle am Montag vorstellte. Insgesamt nahmen im vergangenen Jahr nur 19 Personen das Beratungsangebot im Glücksspielbereich wahr. 2020 waren es 39 und 2019 noch 48 gewesen. Der Trend ließe sich niedersachsenweit beobachten. Wenn auch nicht wissenschaftlich belegt, ließe sich der Rückgang insbesondere mit der Schließung der Spielhallen im Zuge des erneuten Lockdowns erklären. Eine Abwanderung zum Online-Glücksspiel sei aber nach wie vor nicht zu beobachten.

Wie Melanie Schleuser-Abeltah, Präventionsfachkraft für Glücksspielsucht, erklärt, sei die Schließung der Spielhallen sicher einigen Spielsüchtigen entgegengekommen. Allerdings vermutet sie auch, dass andere in die Online-Glücksspielsucht abgerutscht sein könnten. Bevor diese Spielsüchtigen allerdings in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention vorstellig werden, könnten noch einige Monate oder Jahre vergehen, weshalb diese Fälle noch nicht in der Statistik auftauchen. "Wir werden die Auswirkungen noch zu spüren bekommen", sagt Schleuser-Abeltah.

Beratungsangebot hat Vor-Corona-Niveau wieder erreicht

Gerade im Online-Bereich gebe es viele Graubereiche und "wahnsinnig viele Lücken", etwa aufgrund unterschiedlicher Ländergesetze. Die Fachstelle betrachtet die Legalisierung von Online-Glücksspielen zudem mit Sorge. "Online-Glücksspiele weisen ein hohes Suchtpotenzial auf", heißt es in dem Jahresbericht. Anders als das Spielen vor Ort stehe das Online-Glücksspiel rund um die Uhr zur Verfügung. Zusätzlich könnte auch unterwegs mit dem Handy gespielt werden, ohne dass dies Mitmenschen auffalle. Wie Geschäftsführer Josef Wolking sagt, laufe man im Online-Bereich noch hinterher. Auch weil dieser "extrem beworben" werde, sodass jede Woche ein neues Angebot kreiert werde.

Betrachtet man alle Beratungsangebote, hat die Fachstelle im zurückliegenden Jahr 2021 wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Zwar habe auch 2021 die Pandemie die Arbeit beherrscht, allerdings hätten die Patientinnen und Patienten trotz der Pandemie die Angebote wieder häufiger persönlich wahrgenommen, heißt es im Jahresbericht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 296 Personen beraten und 400 behandelt. 2020 hatte die Fachstelle 264 Personen beraten und 365 behandelt. Angeboten werden zum Beispiel Beratungsgespräche und Behandlungen bei Drogen-, Medien, oder Glücksspielsucht.

Stellten den Jahresbericht 2021 vor: Daniela Robbers (links), Josef Wolking, Verena Höffmann und Melanie Schleuser-Abeltah. Foto: NiemeyerStellten den Jahresbericht 2021 vor: Daniela Robbers (links), Josef Wolking, Verena Höffmann und Melanie Schleuser-Abeltah. Foto: Niemeyer

Die mit großem Abstand häufigste Sucht im Landkreis Cloppenburg ist und bleibt die Alkoholsucht. 265 Personen wurden 2021 mit der Hauptdiagnose Alkoholsucht behandelt. 2020 waren es noch 246. An 2. und 3. Stelle landeten die Opioidsucht mit 44 Fällen und die Cannabissucht mit 36 Fällen. An 4. Stelle der häufigsten Suchterkrankungen liegt das pathologische Glücksspiel mit 13 Fällen. Insgesamt ließen sich 275 Männer und 124 Frauen behandeln. Die Gruppe der 50- bis 50-Jährigen war am häufigsten bei der Fachstelle in Behandlung (109 Fälle), vor den 40- bis 49-Jährigen (89 Fälle) und den 30- bis 30-Jährigen (78 Fälle).

Ambulante Wohnassistenz im Nordkreis

Außerdem hat die Fachstelle im zurückliegenden Jahr einige neue Projekte ins Leben gerufen. Darunter das "Projekt Connect", in dessen Rahmen die Fachstelle rund um das Thema Medien berät. Das Projekt sei als Konsequenz aus der Pandemie entstanden, erklärt Fachstellenleiterin Verena Höffmann. So hätten sich im Pandemie-Verlauf die Anfragen zum Thema Mediensucht gehäuft. "Projekt Connect" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Erziehungsberatungsstelle und der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention. Beide Stellen wollen ihre Erfahrungen und Kompetenzen bündeln und eine erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige zum Thema Mediensucht anbieten.

Seit März 2022 bietet die Stiftung St. Vincenzhaus als Trägerin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention auch eine ambulante Wohnassistenz für Menschen mit einer Suchterkrankung im Nordkreis Cloppenburg an. Die Wohnassistenz um Präventionsfachkraft Daniela Robbers möchte suchtkranke Menschen zum Beispiel dabei unterstützen, den Alltag zu strukturieren, Lebensperspektiven zu entwickeln und nach einer stationären Maßnahme wieder Fuß in der eigenen Wohnung zu fassen. Termine zur Information und Unterstützung bei Antragstellung können unter Telefon 0151/72678630 vereinbart werden.

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