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Onkelchen macht, was er will

Kolumne: Auf ein Wort – Der Autor berichtet von "Onkelchens" Zicken. Was der grüne Freund gar nicht mag: abgefallene Äste und Maulwurfshügel.

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Immer, wenn der Winter vorbei war, die Menschen sprießende Knospen bejubelten, wussten wir Jungs, der Kampf ums Rasenmähen beginnt erneut.

Es gab einfach Dinge, da lohnte kein Widerspruch, kein modernes Rumgemotze. Sonntags mit „Sönndaogstüg“ spazierengehen statt zum Fußballplatz oder einmal pro Woche Rasen mähen. Schön reihum nach Plan. Einfach war es nicht, zur Zufriedenheit der Erwachsenen die grüne Fläche zu stutzen. Entweder zickte der Motormäher und wollte partout nicht anspringen, bis man dieses blöde Band fast tausendmal rausgerissen hatte.

Oder später mit dem Elektromäher säbelten wir über das Kabel, und sämtliche Sicherungen im Haus flogen uns um die Ohren. Ganz zu schweigen von den Stöckern und Maulwurfshügeln, die wir einfach übermähten und für mächtig Krawall und Dreck sorgten.


Mit all diesen Dingen haben meine Kinder nichts mehr am Hut. Auf der Grünfläche bei Oma, Opa und der Tante steht jetzt ein selbstfahrender Mähroboter, ein fast geräuschloser Zeitgenosse, kein Kabel, kein Anlasser, kein Benzin.

Dafür hat „Onkelchen“, wie meine Tante den grünen Freund liebevoll getauft hat, echte Zicken. Seine technischen Ziehväter müssen allesamt edle Golfer gewesen sein, groß geworden mit edelstem englischen Grün ohne Kuhlen, die wir wohl vor zig Jahren beim Fußballkicken hinterlassen haben, auch keine abgefallenen Äste und Maulwurfshügel, all das, was Onkelchen gar nicht mag. „Was fällt ihm denn jetzt schon wieder ein?“, diesen Hilferuf meiner Tante höre ich jetzt fast täglich.

"Onkelchen ist einfach ein furchtbares Sensibelchen." Antonius Schröer

Entweder liegt Onkelchen seelenruhig unter einem Baum im Schatten und mümmelt an einem Ast herum, wühlt sich in einer Kuhle fest oder fährt schief in sein Haus, parkt einfach dumm 2 Zentimeter neben seinem Energiezapfhahn und hungert. Onkelchen ist einfach ein furchtbares Sensibelchen, mag auch kein zu hohes Gras und erst recht nicht den energischen Tritt meines Vaters in sein Hinterteil, wenn er sich mal wieder eine Ruhepause gönnt.

Opa und Gartenarbeit, das war und ist seit Lebzeiten eine ausschließliches Delegieren. Und kommen wir ihm dann doch mit der Aufforderung, auch nur mit kleinen Aushilfsarbeiten, streckt Opa uns noch heute seine Hände entgegen und schüttelt den Kopf „Ick häff 'ne Sandallergie anne Finger, dor geiht nix“.

Um das Gras kurz zu halten, habe ich mit Hilfe des Experten vor Ort dem Onkelchen eine maximale Dauerarbeitszeit verordnet. 2 Stunden mähen, 2 Stunden ausruhen, auch nachts – meine Tante war fasziniert, stand auch nachts am Fenster und bewunderte den fleißigen Onkel mit kleinen Scheinwerfern in tiefster Dunkelheit. Morgens erreichte mich dann wieder der Hilferuf „Was fällt ihm denn ein? Er steht schon wieder!“.

Mittlerweile kenne ich Onkelchens Seelenleben fast so gut wie meine Tante. Beim täglichen Besuch schnappe ich vorm Betreten des Hauses das grüne Sensibelchen, trage es in seine Box, gebe bereits blind den Sicherheitscode ein.

Onkelchen dreht sich um, fährt weiter und beide sind wieder versöhnt. Solange Opa dem Onkelchen keinen Tritt verpasst.


Zur Person:

  •  Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser. Er verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval
  • Kontakt: redaktion@om-online.de

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