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Omikron-Welle überschattet Abiturprüfungen im Oldenburger Münsterland

Viele Gymnasien und Berufsschulen blieben zwar von Corona-Fällen bei Abiturienten verschont, doch es gibt immer mehr Einzelfälle. Das ergibt eine Umfrage von OM-Online. Waren diese zu verhindern?

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Abitur während der Corona-Pandemie: Eine Testpflicht direkt in den Schulen gab es dieses Jahr in Niedersachsen zwar nicht, doch verzeichnen die Gymnasien vor Ort einige Corona-Fälle unter den Abiturienten. Symbolfoto: dpa

Abitur während der Corona-Pandemie: Eine Testpflicht direkt in den Schulen gab es dieses Jahr in Niedersachsen zwar nicht, doch verzeichnen die Gymnasien vor Ort einige Corona-Fälle unter den Abiturienten. Symbolfoto: dpa

Es ist der wohl wichtigste Moment in der Schullaufbahn vieler: die Abiturprüfungen. 13 Jahre lang haben die Schülerinnen und Schüler auf diesen Moment hingearbeitet. Die letzten Wochen sind von intensivem Lernen geprägt. Die Anspannung ist hoch. Am Morgen der Abiturprüfung zeigt dann der Schnelltest 2 rote Striche an. Coronapositiv. An das Mitschreiben der Abiturklausur ist nicht mehr zu denken. Ein Schock.

Wie eine Umfrage von OM-Online bei den Gymnasien und Berufsschulen mit Abitur im Oldenburger Münsterland zeigt, hat es in diesem Jahr deutlich mehr Corona-Fälle unter Abiturienten gegeben, als noch im vergangenen Jahr. 2021 gab es kaum Fälle. 2022 sieht es anders aus: Bis zu 3 Klausuren haben Schülerinnen und Schüler aufgrund einer Corona-Infektion verpasst.

Regional ist die Situation unterschiedlich. So gibt es Schulen wie etwa das Copernicus-Gymnasium in Löningen, die Liebfrauenschule Vechta und das Gymnasium in Lohne, welche bisher keinen einzigen Corona-Fall unter Abiturienten während der Prüfungen hatten. Es gibt aber auch Schulen wie die BBS am Museumsdorf in Cloppenburg, wo es bereits 5 Corona-Fälle gibt. Hinzu kommen hier 10 weitere Krankheitsfälle.

Das Gymnasium in Damme verzeichnet 4 Corona-Fälle unter Abiturienten

Alle befragten Schulen haben während der Abiturprüfungen Krankheitsfälle zu verzeichnen. Von diesen sind viele auch Corona-Fälle. Als Beispiel: Am Gymnasium in Damme hat es bisher 7 Krankheitsfälle gegeben. Von diesen sind 4 Corona-Fälle. Am Antonianum in Vechta sind es 2 von 7 Krankheitsfällen.

Was bedeuten Corona-Fälle während der Abiturphase für die Schülerinnen und Schüler? In erster Konsequenz natürlich, dass sie bis zum Ablauf ihrer Quarantäne keine Abiturklausur mitschreiben können. In Niedersachsen sind die Abiturtermine pro Fach zentral festgelegt. Fehlt ein Schüler, gibt es einen ebenfalls für jedes Fach festgelegten Nachschreibe-Termin. Bei Corona-Fällen gibt es hier keine Abweichungen.

Sieht Herausforderungen: Ludger Kässens, der Schulleiter des Gymnasiums in Damme. Archivfoto: LammertSieht Herausforderungen: Ludger Kässens, der Schulleiter des Gymnasiums in Damme. Archivfoto: Lammert

Problematisch wird es für Abiturienten, wenn sie mehrere Klausuren verpassen. "Wir werden hier individuelle Lösungen mit den Schülern finden", erklärt Ludger Kässens, Schulleiter des Gymnasiums in Damme, auf Nachfrage. Die Schule stelle dies vor einige Herausforderungen. Denn: Jeder Nachschreibe-Termin bedeutet Mehraufwand für die Schule und die Lehrkräfte.

Schulleiter betonen: Schüler sind in den letzten Wochen vorsichtig gewesen

Dass es in diesem Jahr während der Abiturphase mehr Corona-Fälle gegeben hat, hängt auch mit den aktuell immer noch hohen Infektionszahlen der Omikron-Welle zusammen. Die Schülerinnen und Schüler seien überwiegend zwar vorsichtig gewesen, betonen die Schulleiter, doch bei den hohen Fallzahlen blieben einige Fälle nicht aus.

Eine Maskenpflicht, wie noch im vergangenen Jahr, gab es in Niedersachsen während der Abiturprüfungen nicht. In der ersten Woche nach den Osterferien gab es noch eine tägliche Testpflicht – auch für Abiturienten. Danach entfiel diese. Daneben betonen alle Schulen auf die bewährten Maßnahmen gesetzt zu haben: Abstand, Desinfektion und regelmäßiges Lüften.

Aus Sicht von Annette Ovelgönne-Jansen, Schulleiterin des Clemens-August-Gymnasiums in Cloppenburg, haben diese Sicherheitsmaßnahmen gut gegriffen. An ihrer Schule hat es bisher nur einen Corona-Fall unter den Abiturienten gegeben. Der Aufwand sei im Vergleich zu vor der Corona-Pandemie zwar deutlich größer gewesen, doch dafür habe er sich gelohnt.

Kritik an der Corona-Politik an Schulen in Niedersachsen

Etwas kritischer sieht das Franz-Josef Meyer, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Niedersachsen. "Es war zu erwarten, dass es im Laufe des Abiturs mehr Corona-Fälle gibt", sagt Meyer. Die Testpflicht so schnell auslaufen zu lassen und die Maske nicht mehr zu verpflichten, sei ein Fehler gewesen. "Die Politik hat vor Corona kapituliert", erklärt Meyer. Dass es nicht zu noch mehr Corona-Fällen während der Abiturphase gekommen ist, liegt laut Meyer an dem verantwortungsbewussten Verhalten der Abiturienten.

Das Abitur 2022 war an den meisten Schulen das 2. Abitur unter Corona-Bedingungen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr haben die Schulen die Abiturvorschläge mitaussuchen dürfen. So konnte individueller auf die Schüler, die in den vergangenen Jahren stark unter Unterrichtsausfall und Homeschooling litten, eingegangen werden.

Freut sich auf den Abiball: Annette Ovelgönne-Jansen, Schulleiterin des Clemens-August-Gymnasiums in Cloppenburg. Archivfoto: HermesFreut sich auf den Abiball: Annette Ovelgönne-Jansen, Schulleiterin des Clemens-August-Gymnasiums in Cloppenburg. Archivfoto: Hermes

Was kann für die Zukunft aus dem diesjährigen Abitur gelernt werden? "Wir werden einige der Strukturen auch in den kommenden Jahren beibehalten", erklärt Ovelgönne-Jansen. Mehr Abstand, mehr Zeiten und eine intensivere Planung haben sich bewährt. Verbandschef Meyer fordert, dass die Lehrerinnen und Lehrer entlastet werden. Die aktuelle Belastung sei grundsätzlich einfach zu hoch.

Die Abiturienten im Oldenburger Münsterland haben in den kommenden Wochen ihre mündlichen Prüfungen und Nachschreibe-Prüfungen vor sich. Danach steht in diesem Jahr der traditionelle Abi-Ball – ohne größere Corona-Auflagen – an. "Ich bin unendlich dankbar für die Schüler, dass sie den feiern können", sagt Ovelgönne-Jansen. Wo die Schüler in den vergangenen Jahren auf so viel verzichten mussten, hätten sie sich den Ball mehr als verdient.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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