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Ohne Werte geht es nicht

Kolumne: Auf ein Wort – Ein ausgewähltes Beispiel führt mich zu der Frage: Was hat unsere heutige Gesellschaft, zu der Sie und ich gehören, für einen Wertekatalog?

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Wenn ich mich früher nicht ganz salonfähig benommen habe, kam der vorwurfsvolle Satz meiner Eltern: "Das gehört sich nicht, Jörg!" Meistens habe ich die Augen verdreht und gedacht: Spießer! "Das gehört sich nicht", diese Worte hört man heute nicht mehr.

Natürlich, wir sind im Laufe der letzten Jahrzehnte freier geworden, großzügiger, das ist auch gut so. Aber manchmal bleibt mir beim Benehmen einzelner Mitmenschen, bei Kommentaren weit unter dem Intelligenzquotienten von 75, doch die Spucke weg.

Ein Beispiel, das bitte nicht als kollektive Managerschelte verstanden werden will. Der Manager einer Firma soll gehen, man hat einen fähigeren gefunden. Man einigt sich auf eine Abfindung, Hunderttausende. Nun hat die Firma Pech. Der Neue macht seine Zusage rückgängig. Der vorherige Manager wird gefragt, ob er willig sei, seinen Posten wieder zu übernehmen. Er erklärt sich bereit, über das Gehalt einigt man sich. Der Kerl hat Charakter. Denkste!

Als man ihn auf die Abfindung anspricht, ist er nicht bereit, auch nur einen Cent zurückzugeben. Damit begeht er kein juristisches Unrecht. Aber ich würde sagen: "Das gehört sich nicht!"

Dieses Beispiel führt mich zu der Frage: Was hat unsere heutige Gesellschaft, zu der Sie und ich gehören, für einen Wertekatalog? Wonach richten wir uns? Nach dem eigenen Gewissen? Na, ich weiß nicht. Da fällt mir der blöde Spruch ein: Sein Gewissen war rein, er benutzte es nie!

"Sind die Kirchen gerade dabei, sich in den nächsten Jahrzehnten selbst abzuschaffen?" Jörg Schlüter

Seit 2000 Jahren haben die Kirchen unendlich vielen Menschen einen Wertekatalog an die Hand gegeben: die zehn Gebote. Übrigens, wenn sich jeder daran halten würde, wir hätten das Paradies auf Erden. Natürlich kommt jetzt Protest – und der ist berechtigt: Wenn sich die Institution Kirche selbst nicht an diesen Wertekatalog hält, ist sie unglaubwürdig. Das führt mich zu einer weiteren Frage: Sind die Kirchen gerade dabei, sich in den nächsten Jahrzehnten selbst abzuschaffen?

Nein! Wir werden das Vertrauen zur Kirche wiedergewinnen, aber nur, wenn die Kirchen aufräumen. Missstände und Missbrauch müssen beim Namen genannt werden. Die Täter müssen verfolgt und bestraft werden. Die Opfer müssen entschädigt werden, wohl wissend, dass die gekrümmten Seelen der Opfer nie wieder "gerade gebogen" werden können. Wir werden das Vertrauen wiedergewinnen, weil wir mehr haben, als gute Ratschläge für unsere Gesellschaft. Unser Wertekatalog heißt Jesus Christus, sein Wort, sein Wandel.

Eine Gesellschaft kann nicht ohne Wertekatalog überleben, weil sie sich sonst aus den Augen verliert. Unsere Gesetze regeln viel, aber eben nicht alles. Es braucht auch das eigene Herz, Ihres und meines.


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher.
  • Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de

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