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Nicht jede Belohnung macht Freude

Kolumne: Batke dichtet – Eine Buchhandlung will allen Kindern, die in Deutsch eine 1 auf dem Zeugnis haben, einen Gutschein schenken. Sie ahnen es: Nicht jede Belohnung macht Freude.

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Das Spektrum an Belohnungen ist vielfältig. Hundefreunde etwa zeigen sich erkenntlich, wenn sie ihrem besonders treu blickenden Dackel einen natürlichen Proteinsnack aus reinem Hühnerfleisch mit dem Gütesiegel des Wauwau-Flüsterers Martin Rütter servieren. Der Katzenfreund schüttet der Liebsten Sheba-Nassfutter mit Putenhäppchen in heller Sauce in den Napf, wenn sie nach 4-tägiger Streunerei ins heimische Körbchen zurückkehrt. Und der smarte CEO streicht eine Millionen-Abfindung ein, wenn er das Unternehmen vor die Wand fährt.

Eine besondere Form der Belohnung hat sich nun eine große Buchhandelskette ausgedacht. Diese Aktion wird die Kids der Republik in helle Aufregung versetzen. Denn wer auf seinem Zeugnis die Note 1 im Fach Deutsch nachweisen kann, wird mit einem Gutschein im Wert von sagenhaften 5 Euro belohnt, der freilich nicht für preisgebundene Artikel (wie Bücher es nun einmal sind) gilt. Dieses 5-Euro-Präsent gibt es auch für jene Schüler, die sich innerhalb eines Jahres in Deutsch um mindestens eine Note verbessert haben. „Komm mit deinem aktuellen und deinem Vorjahreszeugnis in die Buchhandlung und feiere deinen Erfolg“, heißt es in der Werbeschrift zur Aktion.

Ob ich zu Schülerzeiten mit meinen Zeugnissen in die Buchhandlung spaziert wäre, wage ich zu bezweifeln. Auch wenn ich mich in meinem späteren Leben berufsbedingt mit Sprache beschäftigt habe und der Titel dieser Kolumne möglicherweise darauf hindeutet: Zu einer 1 in Deutsch hat es nie gereicht. Gelegentlich zu lobenden Worten, allerdings in anderen Fächern – wie zum Beispiel in Erdkunde, als es um Meteorologie ging. In einer Klassenarbeit sollte ich die Geheimnisse der Kumuluswolken lüften.

"Was hätte es wohl, überlege ich, damals gegeben, wenn schulische Topleistungen oder signifikante Verbesserungen vergütet worden wären."Alfons Batke

Mein lückenhaftes Wissen kleidete ich wohl in blumige Worte, wie auch der Lehrer befand: „Sprachlich sehr elegant, fachlich voll am Thema vorbei, daher ungenügend“, las ich anschließend in roter Schrift. Dass ich seinerzeit (muss um 1971 gewesen sein) schon den Klimawandel voraussagte („Es drohen extreme Hagelschauer“), floss nicht in die Bewertung ein.

Was hätte es wohl, überlege ich, damals gegeben, wenn schulische Topleistungen oder signifikante Verbesserungen vergütet worden wären. Wahrscheinlich wäre mir ein Gutschein über Einsfuffzig (D-Mark) für die Anschaffung eines neuen Geo-Dreiecks oder eines Zirkels überreicht worden – beim Vorlegen des Belegs für eine Verbesserung in Mathe von 6 auf 5.

Wirklich gute Noten brachte ich im Laufe meiner schulischen Vita konstant nur im Fach Religion nach Hause. Hätte es damals schon für eine 1 eine Belohnung gegeben, dann wäre eine wahre Gutscheinflut über mich hereingebrochen. Einen 5-Mark-Bonus für die Anschaffung des neuen Katechismus – womöglich mit dem frischen Hirtenbrief eines Vertuschungs-Bischofs – eine Belohnung, die mir gottlob erspart blieb.

Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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