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Nicht aufgeben, sondern mutig und forsch den Samen säen

Kolumne: Auf ein Wort – Schon Jesus zeigt uns: Klein beigeben oder aufgeben ist keine Option. Dieser Mut ist aktuell auch den Menschen in der Ukraine zu wünschen.

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Auch wenn es nachts noch friert: Die Märzsonne zieht mich hinaus in den Garten. Frühblüher entdecken und im Frühbeet die ersten Samen säen. Das tut meiner Seele gut. Nach dem Frost werde ich die Tüten mit diversen Mischungen von blühenden Blumen herausholen, die ich geschenkt bekommen habe. Irgendwo findet sich schon noch ein Plätzchen, um ein kleines buntes Blumenfeld anzusäen.

Ich mag die Stein- und Schotterwüsten in der Stadt und in manchen Siedlungen nicht leiden, und am liebsten würde ich auch dort einmal eine Handvoll Samen heimlich ausstreuen. Irgendwo, wo noch Platz ist. „Guerilla-Gardening“ nennt sich das, habe ich jetzt gehört. Der Begriff ist mir zu kriegerisch, in diesen Tagen zumal.

Aber mir gefällt der Mut und die gewisse Frechheit, die Globalisierungskritiker, Umweltaktivisten und andere antreibt, an öffentlichen Orten einfach kleine Blumengärten anzulegen. Egal, ob es erlaubt ist und gerne gesehen wird, oder nicht. Es geht darum, Grünes in die Welt zu bringen. Den Insekten Futter zu geben. Und den Menschen Nahrung für ihre Seele.

„Ich kann nicht die ganze Welt auf einmal verändern, aber ich kann Samen säen, da, wo ich bin.“Kreispfarrerin Martina Wittkowski

Beim Weltgebetstag der Frauen letzte Woche bekam ich ein kleines Herz aus Ton und Erde, mit Samen bestückt: „Samenkorn Hoffnung“ steht auf dem kleinen Zettel, der um das Herz geschlungen ist. Ich nehme mir vor, es nicht in meinen eigenen Garten, sondern anderswo zu platzieren. Damit etwas wächst und blüht, wo sonst nichts wachsen würde.

Vor ein paar Tagen sagte eine Kollegin zu mir: „Ich sehe meine Arbeit wie solch ein Samen-Säen. Hier ein paar gute Samen und dort. Wo ich gerade bin, versuche ich, etwas Gutes auszustreuen. Gute Gedanken, gute Worte, die gute Nachricht von der Liebe Gottes und vom Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Ich kann nicht die ganze Welt auf einmal verändern, aber ich kann Samen säen, da, wo ich bin.“

Der Gedanke gefällt mir. Er entlastet mich und macht mir Hoffnung. Ich muss an die mutigen und riskanten Aktionen russischer Menschen denken, die bei Nacht- und Nebel "no war" an Hauswände in Moskau sprühen. Weit weniger forsch ist es, wenn Organisationen hier bei uns ihre Gebäude mit ukrainischen Flaggen schmücken.

Weit weniger mutig ist es, wenn Menschen sich hierzulande treffen, um für den Frieden zu beten oder zu demonstrieren. Doch sie säen den Samen. Ihr Tun mag manchmal vergeblich erscheinen – und so klein gegenüber den großen Problemen. Doch sie pflanzen den Frieden, und der wird wachsen und irgendwann Früchte tragen.

Jesus redet vom Senfkorn, dem kleinsten Samenkorn, das es in Israel gibt. Er betont: Daraus wächst ein "Baum, dass die Vögel im Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen." (Matthäus 13,32). Klein beigeben oder aufgeben ist keine Option. Nachlassen auch nicht. Mutig, manchmal auch keck, den Samen säen, – und es wird etwas wachsen.


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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