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Neuer Sprachkurs für Osteuropäer soll Integration in Lohne verbessern

Der "Runde Tisch Lohne" unterstützt das Angebot mit 4000 Euro. Das Ganze ist zunächst als ein Pilotprojekt gedacht. Eine Fortsetzung ist aber denkbar.

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Wollen Deutsch lernen und sind hoch motiviert: Osteuropäer lernen jetzt regelmäßig samstags die deutsche Sprache beim Jugendtreff in Lohne. Foto: Röttgers

Wollen Deutsch lernen und sind hoch motiviert: Osteuropäer lernen jetzt regelmäßig samstags die deutsche Sprache beim Jugendtreff in Lohne. Foto: Röttgers

Der Jüngste heißt Lukas Malakauskas und ist erst seit einem Monat in Deutschland, die Älteste heißt Jurate Pipymeine, ist 60 Jahre alt und lebt schon seit 9 Jahren hier. Beide eint der Wunsch, die deutsche Sprache besser zu lernen. Sie sind zwei der Teilnehmer des Sprachkurses für Osteuropäer, der jetzt dank der Hilfe sowie finanziellen Unterstützung des Vereins "Runder Tisch Lohne für Integration und Völkerverständigung" starten konnte.

Mit 4000 Euro unterstützt der Verein den Sprachkurs, an dem insgesamt 12 Erwachsene aus Bulgarien, Litauen, Moldawien, Polen und Rumänien teilnehmen. Für ein halbes Jahr lang treffen sie sich jetzt regelmäßig jeden Samstagvormittag beim Jugendtreff in Lohne. Diesen Unterricht besuchen die Schüler freiwillig in ihrer Freizeit, da sie unter der Woche arbeiten.

Ala Luft, Dozentin an der Volkshochschule Vechta, wird ihnen die deutsche Sprache beibringen. Die 40 Jahre alte Pädagogin stammt selber aus Belarus und lebt seit 2003 in Deutschland. Seit 2015 gibt sie Integrationskurse und lehrt "Deutsch als Zweitsprache". Da geht es vor allem darum, die deutsche Sprache besser zu verstehen, Lesen zu lernen und auch die Aussprache kennenzulernen. Anhand von Alltagssituationen und berufsbezogenen Themen leistet Luft hier Integrationshilfe.

Kommt selbst aus Belarus: Ala Luft bringt Osteuropäern Deutsch bei. Die Dozentin lehrt seit 2015 an der Volkshochschule Vechta Deutsch als Zweitsprache. Jetzt unterrichtet sie auch einen Kurs am Jugendtreff in Lohne. Foto: RöttgersKommt selbst aus Belarus: Ala Luft bringt Osteuropäern Deutsch bei. Die Dozentin lehrt seit 2015 an der Volkshochschule Vechta "Deutsch als Zweitsprache". Jetzt unterrichtet sie auch einen Kurs am Jugendtreff in Lohne. Foto: Röttgers

Einer ihrer ersten Schüler überhaupt war Ahmad Mukdad. Der vierfache Familienvater ist 2014 aus Syrien nach Deutschland gekommen und arbeitet heute als Integrationshelfer beim Jugendtreff in Lohne. Seine Idee war es,  diesen Sprachkursus speziell für Osteuropäer ins Leben zu rufen. "Ich helfe immer wieder bei Verträgen, Dokumenten und vermittele bei Behördengängen", erklärt Mukdad, der seit Januar dieses Jahres eingebürgert ist. "Dabei habe ich festgestellt, dass viele Mitmenschen Schwierigkeiten haben, weil sie einfach die Sprache und das Geschriebene auf einem Blatt Papier gar nicht verstehen", gibt Mukdad Einblicke in seine tägliche Arbeit mit Hilfesuchenden.

Vielen fehle es einfach an Kontakten, die Deutsch sprechen oder sie haben keine Zeit dafür, die Sprache zu erlernen, sagt der Migrationshelfer. Er selbst spricht Deutsch, Arabisch, Russisch, Englisch und Urdu, eine indoarische Sprache, die in Teilen von Indien, Pakistan, Afghanistan, Bangladesch und Nepal gesprochen wird. Mit diesem sprachlichen Wissen ist er ein idealer Ansprechpartner für Menschen vieler unterschiedlicher Nationen. "Zum Teil leben einige Menschen seit über 10 Jahren hier, können aber nicht einmal einen einzigen Brief lesen. Sie haben Probleme mit Papieren", erklärt Mukdad.

Nach bestandener Sprachprüfung gibt es eine Prämie

Alle Kursteilnehmer machen einen motivierten Eindruck und wollen  die deutsche Sprache lernen. "Wir haben nur diese eine Chance", sagen sie und diese wollen sie nutzen, erklären die Teilnehmer unisono.

Zu jedem Kurstermin zahlen die Lernwilligen 5 Euro als Kostenbeitrag. "Wer am Ende eine Sprachprüfung besteht, erhält 100 Euro als anerkennende Prämie zurück", sagt Kerstin Sommer, Beisitzerin des "Runden Tisches Lohne". Und selbst wer nur regelmäßig erscheine, erhalte als "finanziellen Anreiz" immerhin noch 50 Euro als Belohnung zurück.

Dieser Sprachkurs sei zunächst ein "Pilotprojekt", informiert Sommer. Möglicherweise werde es für die jetzigen Teilnehmer auch noch einen Folgekurs auf einem dann höheren Sprachniveau geben können, blickt Sommer in die Zukunft. Denkbar sei auch, noch einen zweiten Kurs am Samstagnachmittag stattfinden zu lassen, da sich bereits viele weitere Interessenten gemeldet hätten, die ebenfalls Deutsch lernen wollen. "Wir wollen die Schätze heben", bringt Sommer ihren Integrationsgedanken in einem sprachlichen Bild zum Ausdruck. "Der Runde Tisch möchte ein 'Wir-Gefühl zum Wohlfühlen' für alle in Lohne Lebenden vermitteln“, so Sommer, die selber als Dozentin an der Volkshochschule Bielefeld im Fachbereich Wirtschaft Englisch und Spanisch lehrt. Sprache als Schlüssel sei hier die erste wichtigste Annäherung.

Info: Mehr zur Arbeit des Runden Tisch Lohne gibt es im Internet unter: www.rundertisch-lohne.de.


Die wichtigsten Fakten über den "Runden Tisch Lohne"

  • Der "Runde Tisch Lohne" setzt sich seit 1992 als Initiative von Mitgliedern des Rates der Stadt Lohne und verschiedener engagierter Gruppen gegen Ausländerfeindlichkeit ein.
  • Im Mai 2006 folgt mit 33 Mitgliedern aus verschiedenen Nationen und Gruppen die Gründung des gemeinnützigen Vereins "Runder Tisch Lohne für Integration und Völkerverständigung e.V."
  • Der Zweck des Vereins ist die Integration und die Förderung des Zusammenlebens von einheimischen und ausländischen Menschen mit ihren Familien in der Stadt Lohne sowie der gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen und Anliegen in der Öffentlichkeit.
  • Neben der Vereinsvorsitzenden Ursula gr. Holthaus engagiert sich als Stellvertreter Reinhard Latal.
  • Schriftführerin Vijitha Thiruchelvam, Schatzmeister Ludger Themann sowie die Beisitzer Michaela Depetro-Alagona, Kerstin Sommer, Reinhard Mertineit und Mohammad Kubraly komplettieren den Vorstand.

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