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Neuer Skatepark: Vielfalt steht hoch im Kurs

Planer Ingo Naschold präsentiert seinen ersten Entwurf zur Gestaltung des Zitadellenvorplatzes in Vechta. Auch Basketball und Parkour finden ihren Raum.

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Der Zitadellenvorplatz bekommt ein neues Gesicht: Der erste Entwurf der Konzeptplanung sieht verschiedene Angebote für Skater und Basketballer sowie Freunde des Trendsports Parkour vor.   Skizze: DSGN Concepts

Der Zitadellenvorplatz bekommt ein neues Gesicht: Der erste Entwurf der Konzeptplanung sieht verschiedene Angebote für Skater und Basketballer sowie Freunde des Trendsports Parkour vor.   Skizze: DSGN Concepts

Hellgraue Cappy, jugendliche Sprache, lockeres Auftreten: Ingo Naschold passt nicht in das klassische Bild der Städte- oder Landschaftsplaner, die normalerweise in den politischen Gremien im Vechtaer Rathaus vorstellig werden. Vielleicht liegt es daran, dass seine Entwürfe nichts mit Wohnhäusern, Straßen oder anderen Infrastrukturmaßnahmen zu tun haben. Nein, sein Metier ist die Entwicklung von Plätzen für den Freizeitsport.

Planungsbüro gestaltet urbane Bewegungsräume

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Jetzt habe ich leider kein Hobby mehr“, scherzt Naschold. Ohne seine Vita in voller Länge vor dem Ausschuss für Sport und Jugend auszubreiten, erzählt der 45-jährige Münsteraner von seiner großen Liebe zum Skaten. Schon seit der Jugendzeit steht er auf den Brettern. Ob dazu heute noch viel Zeit bleibt, darf in der Tat bezweifelt werden, denn der Mann ist schwer beschäftigt. Seit 15 Jahren hat er seine eigene Firma.

Das Planungsbüro „DSGN Concepts“ hat sich auf die Gestaltung urbaner Bewegungsräume spezialisiert. Die Liste der Referenzen ist lang, wie ein Blick auf die Homepage des Unternehmens verrät. Diverse Anlagen für die Skate- und Parkour-Szene in ganz Deutschland pflastern den Erfolgsweg. Nun soll mit einer modernen Anlage auf dem Zitadellenvorplatz in Vechta ein weiteres Vorzeigeprojekt folgen.

Hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Ingo Naschold gestaltet Skateanlagen in ganz Deutschland. Foto: SpeckmannHat sein Hobby zum Beruf gemacht: Ingo Naschold gestaltet Skateanlagen in ganz Deutschland. Foto: Speckmann

Ingo Naschold hat ganz konkrete Vorstellungen, aber ihm ist die Meinung der jungen Menschen genauso wichtig. Schon im Juli hat sich der Münsteraner in einer Videokonferenz mit Vertretern des Freizeitsports und Gulfhauses getroffen, um die Wünsche der Vechtaer auszuloten. „Eine zweite Beteiligung gibt es, wenn die Detailplanung vorliegt“, kündigt der von der Stadt beauftragte Planer an.

Anhand einer Konzeptplanung macht der Ideengeber den Ausschussmitgliedern um ihren Vorsitzenden Martin Höffmann (CDU) deutlich, wie der öffentliche Freizeitbereich auf dem Zitadellenvorplatz aussehen könnte. Die 2-teilige Skateanlage geht über den aktuellen Status weit hinaus. Hinzu kommen Bereiche für Basketball und den Trendsport Parkour.

Der Experte weiß aus Erfahrung, dass das Zusammentreffen von Anfängern und Fortgeschrittenen zu großen Konflikten in Skateanlagen führen kann. Je nach Leistungsvermögen gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten und Dynamiken bei den Skateboardfahrern. Darum empfiehlt der Profi 2 verschiedene Bereiche für die Nutzergruppen. „Es soll vielseitig sein“, sagt er.

Eisarena im Winter soll nichts im Wege stehen

Die Skateanlage soll sogar für Rollstuhlfahrer zugänglich sein. Neben der Barrierefreiheit gibt es optische Hervorhebungen von Kanten, sodass sich auch Sehbehinderte zurechtfinden. Die massiven Bestandteile bestehen aus Vollbeton. Sie sollen somit vandalismusarm und langlebig sein. Hinzu kommen Betonstahlelemente, die mit Hubwagen zur Seite geschoben werden können, damit der Eisarena im Winter nichts im Wege steht.

Für den Street-Basketball ist eine multifunktionale Fläche geplant. Das sei bei Anlagen in dieser Größenordnung generell wichtig, sagt Naschold. Er zeigt den Politikern eine Anregung aus Kopenhagen, die sich auf Vechta übertragen lasse. Der Parkourbereich verfügt über Beton- und Metallelemente. Ein Gummibelag soll den Fallschutz gewährleisten, wenn die Teilnehmer verschiedene Hindernisse überwinden, um von A nach B zu gelangen.

Ein wichtiges Thema ist die Aufenthaltsqualität. Großzügige Sitz- oder Liegeflächen gibt es auf dem Zitadellenvorplatz bisher nicht, stellt der Fachmann bei der Bestandsaufnahme fest. Darauf sei auch in der Umfrage hingewiesen worden. Über den Platz verteilt soll es künftig Möglichkeiten geben, wo sich nicht nur Kinder, sondern auch Eltern zum Zuschauen niederlassen können. „Es soll ein Ort der Bewegung und der Begegnung sein“, betont der 45-Jährige.

Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 830.000 Euro

Die Gesamtkosten für die beiden Baustufen schätzt der Planer auf etwa 830.000 Euro. Möglicherweise stehen Förderprogramme zur Verfügung, sodass sich der Aufwand reduzieren lassen könnte. Mit den historischen Bereichen der Zitadelle soll die Freizeitanlage nicht kollidieren, wie Fachbereichsleiterin Christel Scharf auf Nachfrage aus dem Ausschuss versichert: „Auf den Denkmalschutz muss Rücksicht genommen werden.“

Martin Höffmann sieht in dem Entwurf ein ganzheitliches Konzept. „Ein solches Angebot fehlt bei uns. Da ist für jeden etwas dabei“, sagt der Vorsitzende. Auch die übrigen Ausschussmitglieder stimmten dem Entwurf zu. Die Detailplanung soll Mitte 2022 vorliegen. Dann dürfte es ein Wiedersehen mit dem Cappyträger aus Münster geben, der den öffentlichen Raum als Bühne für Lebenskultur begreift.

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