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Neuer Markt spielt zentrale Rolle bei Städtebauförderung

Die Stadt Vechta will mit erhofften Fördermitteln ein umfangreiches Maßnahmenpaket umsetzen. Schwächen gibt es nicht nur auf der Großen Straße.

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Wohin geht die Reise auf dem Neuen Markt? Über die Neugestaltung des zentralen Bereiches in Vechta wird seit Jahren immer wieder diskutiert. Getan hat sich bisher nichts. Im Zuge der Städtebauförderung könnten Pläne endlich Gestalt annehmen.   Foto: Speckmann

Wohin geht die Reise auf dem Neuen Markt? Über die Neugestaltung des zentralen Bereiches in Vechta wird seit Jahren immer wieder diskutiert. Getan hat sich bisher nichts. Im Zuge der Städtebauförderung könnten Pläne endlich Gestalt annehmen.   Foto: Speckmann

Die Aussichten sind äußerst verlockend: Zuschüsse in Höhe von fast 11,5 Millionen Euro könnten über die Städtebauförderung in die Stadt Vechta fließen. Mit den Landes- und Bundesmitteln ließen sich diverse Maßnahmen umsetzen, um vor allem auch die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. An Vorschlägen mangelt es nicht. Das wird bei einer ersten Informationsveranstaltung im Rathaus deutlich.

Die Runde im Ratssaal ist überschaubar. Nur ein Dutzend Bürger sind gekommen, aber der Austausch ist rege. Mit großem Interesse, teils kritischen Anmerkungen, bringen sich die Gäste in die vorläufige Planung ein. Das Projekt steht noch ganz am Anfang und könnte sich über 8 bis 10 Jahre hinziehen. Daraus machen die Vertreter der beauftragten Stadterneuerungsgesellschaft „re.urban“ aus Oldenburg in ihrem Vortrag keinen Hehl.

Projektleiterin Kerstin Brunken berichtet von einem Rundgang mit der Stadtverwaltung durch das abgesteckte Gebiet in der Innenstadt. Ein bedeutender Teil ihrer gemeinsamen Bestandsaufnahme betrifft den Einzelhandel an der Großen Straße, den es im Rahmen der Städtebauförderung weiter zu stärken gilt. „Sie haben eine große Bedeutung als Einkaufsstandort für die Region“, sagt die Stadtplanerin.

Blick auf das Gebiet in der Innenstadt: Karen Strack (links) und Kerstin Brunken von der Stadterneuerungsgesellschaft re.urban“ aus Oldenburg begleiten das Projekt in der Stadt Vechta.   Foto: SpeckmannBlick auf das Gebiet in der Innenstadt: Karen Strack (links) und Kerstin Brunken von der Stadterneuerungsgesellschaft „re.urban“ aus Oldenburg begleiten das Projekt in der Stadt Vechta.   Foto: Speckmann

In dem erarbeiteten Konzept gilt der Neue Markt als zentrale Entwicklungsfläche. Schon seit vielen Jahren wird über die Neugestaltung des Bereiches diskutiert, verbunden mit einem Umzug der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) an den Standort des Gesundheitsamtes, das wiederum am Kreishaus angesiedelt werden soll. „Die Städtebauförderung ist eine Möglichkeit, an solche Dinge heranzugehen“, weckt Brunken neue Hoffnung.

„Das Ziel ist, einen Magneten für die Innenstadt zu schaffen.“Christel Scharf, Fachbereichsleiterin der Stadt Vechta

Die Stadt Vechta habe Zugriff auf die Flächen und sei somit in der guten Situation, die Neugestaltung steuern zu können, ergänzt Fachbereichsleiterin Christel Scharf. Für eine politische Entscheidung müsse aber zunächst ein Konzept erarbeitet werden, das die Ansiedlung von Einzelhandel vorsehen, aber auch die Aufenthaltsqualität steigern könnte. „Das Ziel ist, einen Magneten für die Innenstadt zu schaffen“, sagt Scharf.

„Braucht man überhaupt einen großen Ankermieter?“, hinterfragt ein Bürger die städtischen Absichten. Er könne sich vorstellen, den Marktplatz in seiner jetzigen Form für Aufenthaltszwecke komplett zu erhalten und für Neuansiedlungen zusammenhängende Flächen an anderer Stelle zu nutzen. Zudem bestünde die Gefahr, dass ein neuer Handelsplatz schädlich für bisherige Geschäfte sein könnte.

Aufenthaltsqualität soll gesteigert werden

Was die Aufenthaltsqualität betrifft, sieht die beauftragte Stadterneuerungsgesellschaft aus Oldenburg auch an anderen Stellen noch Verbesserungsbedarf, etwa im nördlichen Bereich der Großen Straße und am Bremer Tor, wo auch die Verkehrssituation ein schwieriges Thema ist. Im südlichen Abschnitt der Großen Straße seien neue Schwerpunkte mit Blick auf Gastronomie und Dienstleistung vorstellbar.

Städtebauliche Schwächen haben die Fachleute auch in den Randbereichen der Einkaufsmeile ausgemacht. Manche Verbindungen, etwa von der Kronenstraße zur Großen Straße, seien unattraktiv. Seitenstraßen seien sanierungsbedürftig, Parkplätze nicht optimal angeordnet, Privatgrundstücke in mangelhaftem Zustand. Hier gehe es darum, „den Hinterhofcharakter ein Stück weit zu verbessern“, erklärt Diplom-Geographin Brunken.

Auch Privatleute sollen von Zuschüssen profitieren

Neben der Kommune selbst sollen auch Privatleute von der Städtebauförderung profitieren können. Unter bestimmten Voraussetzungen locken Zuschüsse für Gebäudesanierungen. Mehrere Teilnehmer des Informationsabends sehen vor allem bei Häusern entlang der Kneipenmeile einen Bedarf. Von einem Schandfleck ist die Rede. Doch der Bereich in Höhe der Straße „Am Klapphaken“ fällt nicht in das abgesteckte Gebiet.

Fachbereichsleiterin Scharf will räumliche Änderungen nicht ausschließen, macht aber deutlich, dass die Aussichten auf Fördermittel besser seien, wenn die Gebiete eher kleiner gehalten würden. Neben dem Bereich „Neuer Markt / Innenstadt“ gibt es unter dem Titel „Quartier Antoniusstraße“ noch ein 2. Gebiet, das über die Städtebauförderung entwickelt werden soll. Hier handelt es sich um ein separates Verfahren.

Ob die Anlieger bei Straßenbaumaßnahmen zur Kasse gebeten werden, lässt die Verwaltung auf Nachfrage aus der Runde offen. Die Straßenausbaubeitragssatzung sei abgeschafft. Aber bei Straßen, die noch nie abgerechnet worden seien, wären Ersterschließungsbeiträge möglich. Zudem müsse nach einer Sanierung geklärt werden, ob der Bodenwert gestiegen und eine entsprechende Abgabe erforderlich sei.

Einer der Anwesenden kommt zu dem Schluss, dass es vor Ort doch ein „Klagen auf hohem Niveau“ gebe. Im Vergleich zu Städten wie Lohne, Diepholz oder Syke sei Vechta mit seinem Einzelhandel gut aufgestellt. Doch Wolfgang Heuser, Leiter des Fachdienstes für Stadt- und Landschaftsplanung, warnt: „Man darf sich darauf nicht ausruhen. Man braucht einen guten Mix aus Handel, Dienstleistung und Aufenthaltsqualität.“

Entscheidung soll im Frühjahr 2023 fallen

Aber bis zur Umsetzung des Programms ist es noch ein weiter Weg. Darauf weist die Geschäftsführerin des Fachbüros noch einmal ausdrücklich hin, als sich die Bürger gegen Ende der Veranstaltung schon zu sehr in Details verlieben. „Erst muss die Aufnahme in das Förderprogramm gelingen“, sagt Karen Strack. Den Antrag muss die Stadt bis zum 1. Juni stellen. Mit einer Entscheidung ist im Frühjahr 2023 zu rechnen.

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